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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Offener Brief an die neuen Bundesrätinnen

Der vergangene Mittwoch war ein historischer Tag in der Schweizer Geschichte. Erstmals wurden am selben Tag zwei Frauen in den Bundesrat gewählt. Unsere Familienbloggerin hat ein paar Wünsche an die beiden neuen Gesichter in der Exekutive.

Liebe Frau Bundesrätin Amherd,

ich verkneife mir jeglichen Spruch über Ihren Namen. Zumal ich als nicht «maximal unabhängige» Frau wesentlich mehr am Herd stehen dürfte als Sie. Auch wenn Sie keine eigene Familie haben und auch wenn ich finde, Ihre CVP, die sich gern als Familien-Partei betitelt, ist weit weg davon, tatsächlich eine solche zu sein, freue ich mich über Ihre Wahl.

Nicht nur, weil Sie mit Ihrer Befürwortung für die Ehe für alle, die Stiefkindadoption und den Vaterschaftsurlaub auf meiner eigenen Linie liegen. Auch Ihr Einsatz für Bildung und für Kinder, beispielsweise als Stiftungsmitglied von «Kinderschutz Schweiz», spricht für Sie. Es verträgt durchaus jemanden im Bundesrat, der sich für diese Themen stark macht.

Liebe Frau Amherd, ich wünsche mir, dass Sie als Bundesrätin noch einen Schritt weitergehen. Dass Sie sich nicht nur für Kinder, sondern auch für deren Eltern einsetzen. Dass sie dafür kämpfen, dass gut ausgebildete Frauen und Männer Familie und Beruf vereinbaren können.

Ich wünsche mir insbesondere, dass Sie sich weiterhin auch vehement für Männer im Allgemeinen und Väter im Besonderen einsetzen. Denn das Problem mit unserer Gleichstellungspolitik ist, dass sie nur auf Frauen ausgerichtet ist. Deshalb kommen wir nirgends hin in Sachen Gleichberechtigung. Wenn wir die Männer mit einbeziehen und anerkennen, dass ihre Arbeit in der Familie den gleichen Wert hat wie die der Frau, tut sich vielleicht auch auf politischer Ebene endlich mal was. Ich wünsche mir, dass Sie als Bundesrätin eine CVP repräsentieren, die sich tatsächlich und mit Herzblut für Familien einsetzt, und nicht nur auf dem Papier!

Liebe Frau Bundesrätin Keller Sutter,

als jüngere Schwester von drei älteren Brüder mussten Sie zweifelsohne das eine oder andere Mal die Ellenbogen ausfahren. Dass Sie als kleines Mädchen an der Fasnacht lieber Teufelshörner trugen als ein Prinzessinnenkostüm und Ihre Vorliebe für Punk-Musik spricht für Ihre Unkonventionalität. Und auch so jemanden verträgt es im Bundesrat auf jeden Fall.

Liebe Frau Keller Sutter, ich wünsche mir, dass Sie ein bisschen Punk in den Bundesrat bringen. Ich wünsche mir aber auch, dass Sie das mit einer grossen Portion Weiblichkeit tun, um all diejenigen Lügen zu strafen, die behaupten, man könne als Frau ganz an der Spitze nur dann Erfolg haben, wenn man mit den Waffen eines Mannes kämpfe.

Ich wünsche mir, dass Sie als FDP-Bundesrätin mit Erfahrung in der praktischen Wirtschaft dafür einstehen, dass Gleichberechtigung im Berufsleben gefördert wird. Auch von Ihnen wünsche ich mir, dass Sie sich dafür stark machen, dass der Staat sich für berufstätige Eltern einsetzt und endlich Strukturen schafft, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Denn sie zahlen nicht nur heute Steuern, sondern erziehen gleichzeitig die Steuerzahler von morgen – das kann doch nicht ausschliesslich Privatsache sein!

Liebe Viola Amherd, liebe Karin Keller Sutter. Ich freue mich auf diesen neuen Bundesrat und hoffe, mit Ihnen gehen wir in den nächsten Jahren wenigstens einen kleinen Schritt weiter Richtung Gleichberechtigung. Es gibt viel zu tun.

Herzlich,

Ihre Sandra C.