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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Hört auf mit dem schlechten Gewissen machen!

Die Freizeitaktivitäten ihrer Kinder sind immer wieder ein Thema im Hause von Sandra C. Das Problem der Familienbloggerin: Manchmal hat sie das Gefühl, sie organisere ihr ganzes Leben um diese herum und fühlt sich ständig irgendwie schuldig, weil sie die Organisation nicht so hinkriegt, dass es allen passt.

Erst kürzlich war da wieder so eine Situation: Meine Tochter, die Königin der Freizeitaktivitäten, rannte mal wieder an ein Gesangscasting. Beziehungsweise habe ich sie natürlich hingefahren. Ich würde das selbstverständlich niemals laut sagen, aber eigentlich hoffe ich immer, sie kriegt die Rolle nicht oder kommt nicht weiter, weil die Folgen immer noch mehr Einschränkungen im Familienkalender bedeuten. Nun, diesmal kam sie – entgegen meiner leisen Hoffnung und ehrlich gesagt auch entgegen meiner Erwartungen – eine Runde weiter. Das Problem: Die nächste Runde fand an einem Samstag statt, und das erfuhr sie erst am Tag vorher. Und an diesem Samstag sollte sie ein Fussballmatch spielen.

Ich musste sie also von diesem Match abmelden. Einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich sie einfach krankmelden sollte, der einzige halbwegs akzeptierte Abmeldungsgrund. Ich entschloss mich dagegen und meldete sie unter Angabe der wahren Gründe ab. Und bekam ein bitterböses Schreiben zurück.

Keine Lust oder keine Zeit gibts nicht

Natürlich ist mir bewusst, dass Trainer bei Jugend-Sportvereinen (anders als z.B. Musiklehrer) ihre Freizeit in diese Dinge investieren und auch nicht fürstlich entlöhnt werden. Aber es kann doch nicht sein, dass man sich als Eltern – Entschuldigung – anfi... lassen muss, wenn man sein Kind mal abmeldet. (Und nein, das war nicht das einzige Mal, und auch nicht der einzige Verein). Und sich dann auch noch schuldig fühlt. Ich organisiere meine Wochenenden nämlich auch so gut es geht um die Fussballmatches und HipHop-Kurse der Kids herum – ganz zu schweigen davon, dass ich auch mal gern wieder ausschlafen würde an einem Samstag (wer setzt eigentlich die Zeiten für diese Matches mitten in der Nacht an?).

Dabei bin ich eigentlich sehr konsequent, was ihre Freizeitaktivitäten angeht. Keine Lust oder keine Zeit gibts nicht. Wer A sagt, sagt auch B. Sprich: Wer Fussball spielen will, geht in die Trainings und an die Matches und wer Klavier spielen will, übt. Ganz, ganz wenige Ausnahmen bestätigen die Regel – zum Beispiel, wenn wirklich fünf Tests in der gleichen Woche angesagt sind. Ansonsten wird auch um die Freizeitaktivitäten herum gelernt. Sollte das zeitlich nicht mehr aufgehen, muss man über die Bücher.

Kein Grund für ein latent schlechtes Gewissen

Dabei stelle ich meinen Kindern total frei, wie sie ihre Freizeit gestalten. Wenn sie in gar keinen Sport oder keine Musik oder ähnliches machen möchten, ist das auch ok. So halte ich es auch mit anderem, zum Beispiel dem Religionsunterricht. Meine Tochter hat sich entschieden, ihn weiterhin zu besuchen. Mein Sohn fand kürzlich, er möchte das nicht mehr. Also habe ich ihn abgemeldet. Mit der Begründung, dass er selbst sich entschieden hat, dass er das nicht mehr möchte.

Die Reaktion: Ein durchaus freundliches Schreiben, mit dem Hinweis darauf, wie wichtig die religiöse Erziehung doch wäre, und so weiter und so fort. Aber auch hier: Es ist nicht mein Entscheid, wie mein Sohn seine Freizeit gestaltet, und den Eltern in irgend einer Art und Weise ein schlechtes Gewissen zu machen deswegen ist schlicht nicht fair.

Zum Glück geht es nicht mehr ewig, bis sie alt genug sind, ihre Freizeit selbst zu organisieren. Bis dann «kurve» ich wohl oder übel zwischen Fussaballmatches, HipHop-, Klavier- und Gesangsstunden und Musical-Aufführungen. Und arbeite daran, dieses latent schlechte Gewissen loszuwerden. Es gibt nämlich eigentlich keinen Grund dafür. Imfall!

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