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Der ganz normale Wahnsinn

«Sag mal, wie läufst du denn rum»?

Diesen typischen Eltern-Satz hat unsere Familienbloggerin regelmässig gehört als Teenager und wollte ihn gerade deswegen niemals zu ihren Kindern sagen. Sie hat sich lange daran gehalten. Aber kürzlich kam er ihr dann doch über die Lippen.

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Mehr Loch als Jeans? Was solls, findet unsere Familienbloggerin. Für sie gibt es nur eine modetechnische Todsünde – und eines ihrer Kinder begeht sie prompt.

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Es war ein Lieblingssatz meines Vaters. Einer von denen, die ich mir geschworen habe, nie zu meinen eigenen Kindern zu sagen. Weil er zeigt, dass ich einfach nur alt bin und null Ahnung vom Puls der Zeit habe: «Sag mal, wie läufst du denn rum?» Ich habe auch recht lange gebraucht, bis ich meinem Vater verziehen habe, dass er auf meinen Wunsch nach Ripped Jeans, die damals erstmals modern waren, eine Schere nahm und Löcher in eine meiner Hosen schnitt.

Nach dieser Geschichte verkneife ich mir selbstverständlich jede Bemerkung, wenn Kind 1 das Haus in einer Jeans verlässt, die aus mehr Loch als Hose besteht. Okay, nicht ganz, ich gestehe, dass ich auch schon gefragt habe, ob ihm nicht kalt sei. Wobei dies eine total rationale Frage einer ehrlich besorgten Mutter ist. Auch wenn das vielleicht nicht so rüberkommen mag.

Ein Kind wie ein Kunstwerk

Ansonsten muss ich sagen, dass mein Kind 1 täglich rumläuft wie ein Kunstwerk, und ich es dafür bewundere. Zwar nerven mich die von all der Chemie gebeutelten Haare, die dauernd ausfallen und den Dusch-Abfluss verstopfen, aber das leuchtende Pink, das meine Tochter momentan auf dem Kopf trägt, kommt echt gut. Meine grösste Bewunderung erntet sie allerdings für ihren Lidstrich, den sie jeden Morgen total perfekt und in Rekordzeit hinkriegt. (Gut, das Kind ist auch noch jung und braucht nicht, wie ich, eine gefühlte Ewigkeit bis nur schon die Augenringe halbwegs abgedeckt sind.) Und wenn es in den Ausgang geht, sieht sein Gesicht jeweils echt aus wie ein Gemälde, mit Glitzersteinchen um die Augen und so.

«Dass mir gewisse Teile an ihr manchmal bekannt vorkommen, weil sie aus meinem eigenen Kleiderschrank gemopst wurden, übersehe ich grosszügig. Und muss gar öfter mal gestehen: Es steht ihr besser als mir.»

Auch outfittechnisch staune ich immer wieder, was dieses Teeniegirl aus simplen Teilen wie T-Shirts, Hosen, Röcken oder Hemden zaubert. Irgendwie geknotet oder mit Accessoires wie Gürteln, speziellen Strümpfen oder farbigen Socken versehen ist das Mädchen täglich ein Hingucker. Dass mir gewisse Teile an ihr manchmal bekannt vorkommen, weil sie aus meinem eigenen Kleiderschrank gemopst wurden, übersehe ich grosszügig. Und muss gar öfter mal gestehen: Es steht ihr besser als mir. Einzig die Band-Shirts, die sie regelmässig kauft, ohne die darauf abgebildete Band zu kennen, gehen gar nicht, finde ich. So hab ich sie kürzlich gezwungen, eine halbe Stunde lang «The Doors» zu hören. Seither trägt sie das entsprechende Shirt nur noch zum Schlafen.

Modesünde an den Füssen von Kind 2

Den unverzeihlichen No-Go-Satz entlockte mir denn auch nicht Kind 1, sondern sein Bruder. Kind 2 gehört eigentlich zur je-schlichter-desto-besser Fraktion, was Kleider angeht, Hauptsache bequem. (Und Hauptsache die Frisur sitzt – an sein heiliges Haupthaar lässt es nur den Coiffeur seines Vertrauens.) Wenn es nicht muss, zieht es nie was anderes als Trainerhosen oder Sweatshorts an, wenns nicht anders geht halt Jeans. Dazu T-Shirts und Hoodies, schwarz, weiss oder hellblau, andere Farben kommen nicht in Frage. Und Sneaker. Als es erstmals warm wurde, wurden die allerdings ersetzt. Durch Badelatschen und weisse Socken. Ihr versteht mich? Danke.

Von Sandra C. am 11. Juni 2022 - 18:09 Uhr
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