Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Du bist, was du isst

Sandra C. ist gesunde Ernährung einigermassen wichtig. Genauso wichtig ist der Familienbloggerin aber, dass ihre Kinder ein ganz normales Verhältnis zum Essen haben. Denn das ist heutzutage längst nicht bei allen so.
Sandra C. Blog Familie Kinder gesunde Ernährung Essen
© iStock / COSPV

Die Kinder von Sandra C. sollen sich ausgewogen ernähren - dazu gehört auch ab und zu etwas Süsses.

Vielleicht ist meine Sicht auf meine Kindheit ja ein bisschen verklärt, aber ich kann mich echt nicht erinnern, dass man früher so ein «Gschiss» um die Themen Essen und Ernährung gemacht hat wie heute. Wir assen normal, auch Fleisch, aber nicht täglich, gleich verhielt es sich mit Dessert und Süssem im Allgemeinen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich bis ins Teenageralter keine Ahnung hatte, was eine Kalorie ist, geschweige denn eine Laktoseintoleranz. Und Wörter wie vegan, low carb oder glutenfrei hätte ich wohl nachschlagen müssen, wenn sie mich auch nur im Geringsten interessiert hätten.

Natürlich muss ich dazu sagen, dass meine gesamte Familie das Glück hat, keine Allergien gegen irgendwelche Lebensmittel entwickelt zu haben. Vielleicht bin ich auch da ein bisschen verklärt, aber ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass irgendein Kind aus meinen Primarschulklassen oder meinem Freundeskreis damals auf irgendwas allergisch war (abgesehen von Heuschnupfen). Heute kenne ich Dutzende kleine Allergiker. Eine Freundin meiner Tochter reagiert allergisch auf Nüsse. Was mich bei Töchterleins Geburtstagsparty vor kurzem vor eine nicht ganz einfache Aufgabe stellte: Alle leckeren Geburtstagsklassiker - Kuchen, Guetzli, Creme, sogar Chips - können laut Packungsaufschrift «Spuren von Nüssen enthalten».

Früher (holy shit, ich klinge wie meine eigene Grossmutter!) war das Kindergeburtstagsmenü an jeder Party in meinem Umfeld gleich: Schoggikuchen, Glacé, Chips. Und Hotdogs! Habe ich auch am Geburtstag meines Sohnes bestellt. Kurz bevor das Essen kam, warf ich einen Blick auf mein Handy - und sah die verzweifelte SMS einer Mutter, in der stand, ihr Sohn dürfe unter keinen Umständen Schweinefleisch essen! Scheisse, wie konnte ich das nur vergessen im Jahr 2015! Ich ging also an den Tisch und fragte nach, wer denn alles kein Schweinefleisch essen dürfe. Gut die Hälfte der Hände gingen hoch (und einer: «Sind Würstchen Schweinefleisch?» - «Ja.» - «Ääähm, also, ich… ja, also ich glaub, ich darf schon…»). Ich ging also in die Restaurantküche und bestellte die Hälfte der Hot Dogs wieder ab und die Pizzas ohne Prosciutto. Um das noch gesagt zu haben: Bei den Freunden meines Sohnes handelt sich allesamt um die Kinder sehr gut integrierter Einwanderer, und ich habe null Probleme mit ihrem Verzicht auf Schweinefleisch. Es macht es eben nur nicht ganz einfach, eine Geburtstagsparty zu planen, wenn die eine Hälfte der Kids aus ethischen und/oder religiösen Gründen auf was auch immer verzichten muss, und die andere noch von diversen Allergien geplagt wird.

Ganz schwierig finde ich, wenn Eltern ihren Kindern irgendwelche Ernährungsformen aufzwingen, die sie selbst als eine Art Ersatzreligion betreiben. Dabei verstehe ich noch, wenn Vegetarier ihre Kinder ebenfalls fleischlos ernähren möchten. Ich finde aber, solange Kinder keine Allergien aufweisen, ist es absolut unnötig, sie laktose-, gluten- oder kohlenhydratfrei zu ernähren. Und ehrlich gesagt auch irgendwie gemein. Ein Kind, das nie ein richtiges Joghurt essen darf? Oder einen Teller echter Spaghetti? Im Restaurant nie eine Pizza bestellen? Oder in der Badi eine Portion Pommes? Geht nicht.

Ich achte auch auf gewisse Dinge, was unser Essen angeht. Ich kaufe nach Möglichkeit regional, saisonal und bio ein. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Wer kein Gemüse und keinen Salat isst, kriegt nichts Süsses - auch wenn mir die Erklärung meiner Tochter mit dem VIP-Magen durchaus einleuchtet. («Ich habe zwei VIP-Mägen, einen für Sachen, die ich wirklich mag, und einen für Süsses. Deshalb hats da auch noch Platz, wenn der normale Magen voll ist.») Nach dem Essen gibts auch mal ein Stück Schoggi, getrunken wird Wasser. Wenn wir auswärts essen, darfs auch mal ein Süssgetränk sein. Und eine Portion Pommes. Eben ganz normal. So wie früher.

Im Dossier: Alle Blogs von Sandra C.