Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Happy Birthday?

Sandra C. wird vierzig! Vier! Zig! Natürlich hat die Familienbloggerin überhaupt kein Problem damit. Wäre da nicht ihre Tochter, die sie immer wieder daran erinnert, dass sie jetzt echt alt ist...
Sandra C. Blog Familie Kinder 40. Geburtstag
© iStock / davidf

Probleme mit dem Alter? Eigentlich nicht, meint Bloggerin Sandra C.

Meine Tochter besuchte mit ihrer Klasse kürzlich ein Altersheim. «Da war eine Frau, die hatte diese Krankheit, bei der man Dinge vergisst», erzählt sie. «Alzheimer?», frage ich. «Ja. Die hat gesagt, sie sei vierzig, aber die hat definitiv älter ausgesehen als du!» Bingo! Zielsicher mit dem kleinen Finger direkt in den wunden Punkt! «Ich bin noch nicht vierzig!» - «Aber bald!» Tja, wo sie recht hat, hat sie recht. Und es nützt nichts, die Augen davor zu verschliessen: Die grosse Vier rast mir mit Hochgeschwindigkeit entgegen. «So ein Quatsch», sage ich zu ihr. «Ich bin noch nicht mal dreissig!» (Ist doch einerlei, für die Kinder sind die eigenen Eltern immer uralt.) «Stimmt gar nicht. Dann hättest du mich ja mit 18 oder 19 bekommen, und das hast du nicht!» Na super, sonst nicht gerade der Hirsch in Mathe, aber das hat sie subito hingekriegt.

Ob ich ein Problem mit meinem Alter habe? Nein. Natürlich nicht. Selbstverständlich nicht. Warum sollte ich? Ich schreibe hier bloss darüber, weil ich dachte, es interessiert euch vielleicht. Oder auch nicht. Und dass ich früher oder später auch im Freundeskreis immer mal wieder auf das Thema zu sprechen komme, ist totaler Zufall und hat null Bedeutung. «Fühlst du dich alt?», fragt mich eine meiner Freundinnen. Nein, tu ich nicht. Die Frage ist ja aber leider nicht, wie ich mich fühle (je nach Tagesform zwischen 22 und 92), sondern wie alt ich bin. Und mit vierzig ist man auf jeden Fall nicht mehr jung. Zumindest als Frau. Für Männer gelten da ja andere Regeln.

Der Spruch «Du bist so alt, wie du dich fühlst» stimmt eben leider nur begrenzt. Oder hat jemand schon mal bei einem Bewerbungsgespräch mit einem Satz wie «Ich bin fünfzig, aber wissen Sie, ich fühle mich wie dreissig» Erfolg gehabt? Und auch meinem bald vierzigjährigen Körper ist scheissegal, ob sich mein Kopf wie 25 fühlt. Neulich tat mir nach einer Wanderung tagelang das Knie weh, und nach zwei mehr oder weniger schlaflosen Nächten, als meine Tochter krank war, brauchte ich eine gute Woche, bis ich mich halbwegs erholt hatte!

Dabei weiss ich eigentlich, dass ich keinen Grund habe, mich zu beklagen. Die Falten halten sich in Grenzen, die grauen Haare auch, und immerhin habe ich es geschafft, zwei Kinder ins (vor-)pubertäre Alter zu kriegen, ohne dass sie grössere Schäden davongetragen haben. Fakt ist aber: Das Spielfeld der Jugend muss ich je länger je mehr meiner Tochter überlassen. Und das ist ein komisches Gefühl. Sie hat so vieles vor sich, so viele Möglichkeiten. Mir stehen nicht mehr ganz so viele Türen offen. Zum Glück, muss ich sagen. Alles andere wäre doch irgendwie komisch.

Aber jetzt mal ganz ehrlich und ganz grundsätzlich: Nein, ich habe kein ernsthaftes Problem mit meinem Alter. Sonst würde ich nicht darüber schreiben. Auch wenn es in letzter Zeit immer wieder Situationen gibt wie neulich, als ich trotz intensivem Suchen meinen Kaffee, den ich mir gerade gemacht hatte, nicht mehr fand. Ich entdeckte ihn dann abends - im Kühlschrank! Stirnrunzelnd beobachtet meine Tochter, wie ich die Tasse vom Käsefach nehme. «Mami?», fragt sie. «Kriegst du jetzt Alzheimer?» - «Nein, Kind, wer kriegt schon Alzheimer mit dressig?» - «Aber du bist doch … » Sie registriert meinen bösen Blick. «Stimmt. Die im Altersheim, die war mindestens zehn Jahre älter als du!»

Im Dossier: Alle Familienblogs von Sandra C.