Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Das Problem liegt im Kopf, nicht im Unterleib

Diese Woche beschäftigen Sandra C. zwei Themen: «Social Freezing» und Radlegende Tony Rominger, der ungewollt - und ungefragt - nochmal Vater wurde. Da sie sich nicht entscheiden konnte, worüber sie schreiben soll, versuchts die Familienbloggerin mal mit «zwei auf einen Streich». Denn die beiden Themen haben eines gemeinsam: Es geht um Familienplanung - und die Väter werden aussen vor gelassen.
Familienplanung sollte nicht nur Sache der Frau sein
© Getty Images

Die Frau sollte nicht alleine entscheiden, wann für sie und ihren Partner der richtige Zeitpunkt für die Familienplanung ist, findet Bloggerin Sandra C.

Also, so ein ganz kleines bisschen verstehe ich sie schon, die Frau, die dem Rominger Tony ein Kind untergejubelt hat. Aus eigener Erfahrung kann ich da zwar nicht sprechen, aber ich habe es schon öfter bei Bekannten gesehen - übrigens auch schon bei Männern: das Phänomen der Torschlusspanik. Die Natur muss bei den meisten von uns einen Babywunsch eingepflanzt haben, der mal früher, mal später auftritt, mal heftiger, mal weniger heftig. Und manchmal nimmt er offenbar dermassen Überhand, dass alles andere scheissegal ist. Auch, dass der Partner, den man gerade hat, kein Kind will. Klar, man könnte einen suchen, der noch will - aber erstens ist das mit Mitte dreissig nicht ganz so einfach, und zweitens hat man nicht mehr ewig Zeit. Also wie gesagt, so ein winzig kleines bisschen verstehe ich, dass man sich dann seinen Herzenswunsch einfach mit dem erfüllt, der gerade zur Hand ist.

Der weitaus grössere Teil von mir findet aber: Einem Mann bewusst ein Kind unterzujubeln geht gar nicht! Wobei ich selbstverständlich auch der Meinung bin, dass Verhütung nicht allein Frauensache ist (und das sage ich als stolze Mutter eines «Tropi»-Kindes - eines, das trotz Pille entstanden ist). Aber wenn man davon ausgeht, dass Herr Rominger und seine Ex-Wasauchimmer in irgendeiner Art fester Beziehung waren, dürfte man da doch ein gewisses Vertrauen voraussetzen. Dass man keinen Bock mehr hat auf diese Beziehung, wenn man dermassen hintergangen wurde, verstehe ich dann mehr als nur ein bisschen.

Was mich extrem stört an dieser Geschichte: Sie zementiert einmal mehr das Familienbild, das viele immer noch haben. Die Mutter trägt das Kind aus, ergo sind sie und das Kind eine Einheit, der Vater steht irgendwo am Rand. Dass einer, dessen Wünsche schon bei der Zeugung missachtet wurden (und Rominger ist bei weitem kein Einzelfall!), später nicht so viel Lust hat auf Gleichberechtigung im Familienleben, ist nachvollziehbar. Dass unsere Gesellschaft aber immer noch findet, Ei und Gebärmutter seien mehr Wert als der Samen - sprich, der Vater kommt in punkto Wichtigkeit für das Kind viiiiiiel weiter hinter der Mutter - ist es nicht.

Womit wir beim zweiten Thema wären: «Social Freezing». Soziales Einfrieren. Was für ein Ausdruck! Was, bitteschön, ist sozial daran, wenn Firmen wie Facebook oder Apple für ihre Mitarbeiterinnen die Kosten fürs Einfrieren der Eizellen übernehmen, damit diese sich einen Masterplan zurechtlegen können: zuerst Karriere, dann Kind. Selbst wenn der potenzielle Kindsvater damit einverstanden ist, im eher höheren Alter Vater zu werden und bis dann auf Kinder zu verzichten: Liebe, Beziehungen und Kinder halten sich selten an Pläne. Und der Tenor ist auch hier: Die Frau entscheidet, wann sie ihr Kind haben möchte, der Mann ist Statist.

Das Problem liegt in unseren Köpfen, nicht in unserem Unterleib! Genmässig besteht ein Baby zu je fünfzig Prozent aus Mama und Papa. Ein Vater ist genauso viel Wert wie eine Mutter - und sollte genauso viel Verantwortung für die Kinder tragen wie sie. Wenn es uns gelingen würde, dieses Bild der Gleichberechtigung - sowohl in der Familie als auch in der Karriere - in unseren Köpfen zu verankern, könnten Frauen guten Gewissens dann Karriere machen, wenn sie natürlicherweise Kinder bekommen - und müssten nicht «sozial erfrieren». Und vielleicht würde sich ja auch die eine oder andere Frau überlegen, ob ein Baby ohne liebenden Vater tatsächlich das Ziel ihrer Träume ist. Auch wenn die Männer diesbezüglich immer am kürzeren Hebel sein werden.

Weitere «Der ganz normale Wahnsinn»-Blogs gibts im Dossier.