Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Für wen veranstalte ich den Zirkus eigentlich?

Eine der wichtigsten Erkenntnisse von Familienbloggerin Sandra C. seit sie Mutter ist: Weniger ist mehr. Gerade wenn es um Kinder geht. Denn egal, wie viel sie macht - für ihre Kinder ist es nie gut genug. Trotzdem reisst sie sich immer wieder ein Bein aus für sie. Warum bloss? 
Verwöhnte arrogante freche Kinder Geschwister
© Getty Images

Egal, wie viel Bloggerin Sandra C. macht - ihren Kindern ist es nie gut genug.

Ich bin wirklich alles andere als eine Perfektionistin. Ich habe eine Familie, einen Job, einen Haushalt und einen Freundeskreis, die ich irgendwie aneinander vorbeikriegen muss - ich habe keine Zeit und keine Nerven für Perfektionismus. Trotzdem hab ich immer wieder so Anflüge von «für meine Kinder ist nur das Beste gut genug». Als meine Tochter klein war, stand ich zum Beispiel unzählige Stunden in der Küche, schälte, kochte und pürierte Rüebli. Warum? Keine Ahnung. Sie spuckte den selbst gemachten Brei genau so aus wie den Gekauften. Und auch dem Klassiker des Mütter-Perfektionismus verfiel ich immer wieder: dem Kuchenbacken. Wer mich kennt, weiss, dass mein Verhältnis zum Backofen etwa so ist, wie das meines Sohnes zu seinen Hausaufgaben: Wenn es irgendwie geht, ignoriere ich ihn. (Also den Backofen, nicht den Sohn. Obwohl es durchaus Situationen gibt, in denen das auch auf meinen Sohn zutrifft.) Trotzdem setzte ich mir in den Kopf, am fünften Geburtstag meiner Tochter Marienkäfer-Muffins in den Kindergarten zu bringen, weil sie gerade dieses Thema durchnahmen. Keines der Kinder kam auf die Idee, dass es sich bei den Dingern um Marienkäfer handeln könnte, aber sie freuten sich über die Smarties auf den Muffins. Dann gab es da noch den Spiderman-Kuchen - oder zumindest den Versuch - zum fünften Geburtstag meines Sohnes und die rosa Prinzessinnentorte zum siebten Geburtstag meiner Tochter. Die natürlich von allen Buben ihrer Klasse verschmäht wurde, und ich doofe Mutter hätte das doch wissen sollen, eigentlich. 

Als Mutter ist es egal, was du machst. Du bist nie gut genug. Die Geburtstagsparty am See mit Hotdogs, Chips und unglaublich durchdachten Spielen - nicht gut genug. Denn bei Tobis Geburtstag gabs eine Schatzsuche, bei Zoë ging man ins Kino und der von David wurde bei McDonald's gefeiert, das ist alles viel besser. Der Sonntagsausflug in den Zoo - nicht gut genug. Sie würden viel lieber ins Kino, egal wie das Wetter ist. Die «Lego Ninjago» zu Weihnachten - nicht gut genug. Schon lange nicht mehr in. Genau wie «Chima» und «Star Wars». Wie der aktuelle Favorit heisst, konnte ich mir nicht merken. Das Zeug ist morgen eh schon nicht mehr à jour, und ich hab so oder so verloren. Und wenn ich irgendwann wage, das Unfassbare auszusprechen - «Könnt ihr nicht einfach mal Danke sagen?» - schauen sie mich mit grossen Augen verständnislos an. Noch eine Erkenntnis: Wenn du Dankbarkeit willst, kauf dir einen Hund. Von den eigenen Kindern kannst du sie nicht erwarten.

Dabei kam ich immer wieder an einen Punkt, an dem ich mich fragte: Für wen veranstalte ich den Zirkus eigentlich? Für die Kinder? Für mich selbst? Für die anderen Mütter? Und warum? Glaube ich wirklich, selbst Püriertes oder Gebackenes und stundenlang vorbereitete Geburtstagspartys machen mich zu einer besseren Mutter? Mein Sohn bekam von Anfang an nie ein selbst püriertes Rüebli. Er war und ist trotz Gläsli-Frass selten krank und heute kein heikler Esser. Seit zwei Jahren bleibt mein Backofen auch am Geburtstag der Kinder kalt. Schoggistängel und Weggli finden sie im Übrigen völlig okay.

Nur die Sache mit den Geburtstagsfeiern, die kann ich mir irgendwie nicht abgewöhnen. Im Sommer liess ich mich tatsächlich dazu überreden, dass meine Tochter zu Hause eine Übernachtungsparty schmeisst. Ich liess mich nicht lumpen und zauberte ein Buffett mit Hamburgern, Hot Dogs und (gekauften) Mini-Donuts, es gab eine Wasserschlacht im Garten und eine Kinder-Disco. Als ich die Horde am nächsten Tag nach dem Frühstück loshatte, fragte ich meine Tochter ganz vorsichtig, ob es ihr gefallen habe. Und sie: «Mega. Du bist die coolste Mutter der Welt!» Oh! mein! Gott! Es folgte stundenlanges Aufräumen und Putzen und der Garten stand mehrere Tage unter Wasser - aber für diesen einen Satz lohnt sich alles! 

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