Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Zu heiss für die Schule?

Eine Schule im Kanton Schwyz verbietet den Schülerinnen, Hotpants zu tragen. Zum Schutz der männlichen Lehrer! Haben die noch alle Tassen im Schrank, fragt sich Familienbloggerin Sandra C. Ein Lehrer, der sich beim Anblick von nackten Kinderbeinen nicht mehr auf den Unterricht konzentrieren kann, gehört dispensiert!
Teaser Blog Sandra Po in sexy Hotpants
© Getty Images

Wenn man männliche Lehrpersonen vor Hotpants schützen muss, stellt sich Familien-Bloggerin Sandra C. so einige Fragen.

Knappe Shorts und Röcke, tiefe Ausschnitte, bauch- und rückenfreie Oberteile - künftig alles verboten an besagter Schule. «Wir wollen die männlichen Lehrer schützen», sagt die Schulleiterin zu der neuen Kleiderordnung. «Es ist schwierig, bei den heutigen Kleidern wegzuschauen.» Wie bitte? Liebe Frau Schulleiterin, wenn an Ihrer Schule tatsächlich eine Horde Männer unterrichtet, die ins Geifern kommt, wenn sie einen Oberschenkel oder Bauchnabel eines halbwüchsigen Mädchens sieht, müssen die Schülerinnen vor diesen Lehrern geschützt werden, und ganz sicher nicht umgekehrt.

Glauben Sie mir, die Mädchen in Hotpants und Minis wollen etwas sicherlich nicht: ihre Lehrer anmachen. Sie wollen genau eines: dazugehören. Wer durch die «Young»-Abteilung oder gar durch die Kinderabteilung von H&M, Zara und Co. geht, merkt schnell, womit man dazugehört. Genau - mit kurzen Röcken, Trägershirts und - eben - mit Hotpants. Wobei ich zugeben muss, dass manches, was sie da gerade in Sachen Kinderkleider bieten, ziemlich daneben ist. Meine Tochter ist sehr gross für eine knapp Neunjährige und trägt deshalb Klamotten für etwas ältere Mädchen. Da hab ich beim Kleiderkauf schon mehr als einmal den Kopf geschüttelt. Was, bitteschön, soll eine Neun- oder auch eine Zwölfjährige mit einem Stringtanga? (Gibts überhaupt jemanden, der die Dinger bequem findet? Dies nur so am Rande…) Und gibts tatsächlich Mütter, die ihren vorpubertären Töchtern Shirts oder Unterwäsche kaufen, auf denen «sexy» steht? Meine Tochter auf jeden Fall bevorzugt einigermassen neutrale Shirts und Unterwäsche mit Snoopy drauf. Was allerdings die Hotpants angeht: die trägt sie auch. Für sie sind sie einfach kurze Hosen, und sie mag sie etwas kürzer, dann scheuern sie nämlich nicht in der Kniekehle. Ich bin mir sicher, dass es ihrem Lehrer völlig egal ist, wenn sie sie in der Schule trägt.

Klar, dass sich auf die Hotpants-Diskussion auch wieder Verfechter von Schuluniformen melden. Da kann ich aus Erfahrung sprechen. Ich ging als Teenager eine Weile in Australien zur Schule, wo alle Uniform tragen. Der Grund ist übrigens nicht der, dass die Lehrer vor dem Anblick von zu viel nackter Haut geschützt werden, sondern der, dass in der Schule alle gleich sind und es kein Wetteifern um die cooleren Klamotten gibt. Dabei erreicht man mit der Uniform genau das Gegenteil. Am «casual friday», einem Freitag im Monat, an dem Privatklamotten erlaubt waren, standen alle eine Stunde früher auf um sich gegenseitig mit dem Styling zu übertrumpfen. Und am Wochenende konnte es nicht cool und knapp genug sein. Ganz ehrlich: Mir wäre es fast lieber, meine Tochter zeigt dereinst in der Schule etwas Haut, wo jeder weiss, wie alt sie ist, statt sich mit vierzehn auf zwanzig zu stylen und ins «Kaufleuten» zu marschieren.

Wenn man männliche Lehrpersonen vor Hotpants schützen muss, stellen sich mir dann doch noch einige Fragen. Zum Beispiel müsste es ihnen dann ja auch verboten werden, im Sommer mit der Klasse in die Badi zu gehen. (Schwimmunterricht haben sie in dem Alter ja nicht mehr. Du meine Güte, die armen Schwimmlehrer...!) Und: Müssten zum Schutz der männlichen Sportlehrer bei jedem Wetter lange Trainerhosen und Schlabberpullis getragen werden? Und wer schützt eigentlich die weiblichen Lehrerinnen vor den Buben in Baggypants, die sie so tief tragen, dass man nicht nur ihren halben, sondern den ganzen Hintern bestaunen kann?

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