Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Sind ältere Eltern wirklich glücklicher?

Je älter Eltern bei der Geburt ihres ersten Kindes sind, desto glücklicher sind sie, sagt eine neue Studie. «Wäre ich tatsächlich glücklicher, hätte ich meine Kinder später bekommen?», fragt sich Familienbloggerin Sandra C.
Eltern werden über 30 Familienblog über Glück Familie
© Getty Images

Gibt es einen perfekten Zeitpunkt zum Kinderkriegen?

Wer erst ab 34 Jahren eine Familie gründet, ist glücklicher als Eltern, welche das bereits in jüngeren Jahren tun. Das sagt eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock. Demnach wurde bei Eltern über 34 ein deutlicher Anstieg der Zufriedenheit vor und im Jahr der Geburt registriert, aber auch 10 bis 18 Jahre danach. Bei jüngeren Eltern hingegen sinke die Zufriedenheit bereits vor der Geburt des Kindes und steige auch später nicht mehr über das Ausgangs-Level hinaus.

Ich hab ja schon mal zum Thema ältere oder jüngere Mütter gebloggt, und kam damals zum Schluss: Ich glaube nicht, dass ich als Mutter anders wäre, wenn ich meine Kinder zehn Jahre später bekommen hätte. Heute bin ich mir da, ehrlich gesagt, gar nicht mehr so sicher. Ich glaube nämlich tatsächlich, ich wäre wohl ein bisschen selbstbewusster gewesen, hätte ich meine Tochter mit Ende Dreissig bekommen. Hätte mir diverse Kommentare nicht ganz so Herzen genommen, vielleicht auch nicht ganz so ein schlechtes Gewissen gehabt, weil ich mich für Kind und Job entschieden habe.

Dass es für Väter ein Vorteil ist, wenn sie etwas älter sind bei der Geburt ihrer Kinder, gilt eigentlich schon länger als Fakt: Jüngere Männer sind mit ihrer Karriere beschäftigt, wollen reisen, etwas erleben - egal, ob mit Partnerin oder ohne. Wenn sie all das hinter sich haben, auf einem gewissen Karriere-Level angelangt sind, haben sie mehr Zeit und Musse für eine Familie. Mittlerweile gilt genau das auch für Frauen. Sicher nicht für alle. Aber für mich vermutlich schon. Zumindest was die Karriere angeht. Ob ich als Mutter glücklicher (gewesen) wäre, hätte ich zumindest einen Teil meiner Karriere-Träume verwirklicht, bevor meine Kinder zur Welt kamen? Ich habe kurz vor meiner ersten Schwangerschaft noch eine berufsbegleitende Ausbildung gemacht, richtig anwenden konnte ich diese nie. Wer relativ kurz hintereinander zwei Mal schwanger ist und zwei Mal in Mutterschaftsurlaub geht, macht während dieser Zeit beruflich keine grossen Schritte, das ist halt einfach so (ich meine das überhaupt nicht wertend, sondern als Fakt. Dass die Kinder wichtiger sind als die Karriere, war auch für mich immer selbstverständlich.) Deshalb kann es durchaus Sinn machen, diese Schritte vor der Schwangerschaft zu machen. Und ich muss zugeben: Ja, ich habe mehr als einmal mit einem kleinen Anflug von Neid die Karrieren von kinderlosen Freundinnen beobachtet.

Übrigens habe ich mich vor kurzem mit einer solchen getroffen. Sie ist jetzt, mit 40, erstmals Mama geworden. Und total entspannt. Klar wolle sie wieder arbeiten, aber es eile nicht. «Ich habe schon so viel gemacht, ich kann auch mal eine Weile ohne sein.» Das wäre für mich damals nie in Frage gekommen. Weil ich eben noch nicht soviel gemacht hatte. Weil ich mir niemals vorstellen konnte, finanziell von jemand anderem abhängig zu sein, wenn auch nur für eine Weile. Heute hätte ich, glaub ich, kein so grosses Problem mehr damit. Ob ich glücklicher wäre, wenn ich jetzt zum ersten Mal Mutter würde? Das glaube ich nicht. Dass ich etwas entspannter wäre, was meine Lebensplanung angeht, kann hingegen sein. Aber das kann ich auch so noch ganz gut brauchen: ein bisschen Lockerheit schadet ja nichts in Anbetracht der Teenagerzeit, die gerade mit voller Wucht über mich hereinbricht...

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