Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Super, Mario!

Bloggerin Sandra C. hat ihren Kindern Nintendos gekauft - in der Hoffnung, mal ein paar ruhige Minuten zu haben, wenn die Kids mit ihren Computerspielen beschäftigt sind. Leider ist das Gegenteil der Fall!

Mein Sohn hat zwei Freunde. Mario und Luigi. Sie haben riesige Augen und tragen farbige Latzhosen und Kappen. Sie hüpfen dauernd herum und geben piepsende Töne von sich.

Nein, die beiden sind keine Einwanderer-Buben, die unter ADHS leiden. Sie sind Helden. Und hüpfen sich durchs «3 DS Land» auf dem Nintendo meines Sohnes. Für alle, die noch älter sind als ich: Nintendos, das sind kleine, handliche Dinger, auf denen Knirpse Videospiele spielen und dabei das Haus zusammenschreien: «Jetzt mach schon, du Arschloch!» «Geh nach reeeeeeeechts!» «Neeeeei, scho wieder verlorääääää!»

Ich gebs zu: Ich hab ihm das vermaledeite Teil gekauft. Ich dachte, das nehmen wir mit ins Restaurant oder in die Ferien, damit er sich beschäftigen kann, und wir haben ein bisschen Ruhe. Falsch gedacht! Es ist irgendwie unangenehm, wenn der Sechsjährige an deinem Tisch plötzlich «Du bisch so es Arsch, Mario!» durch die Beiz brüllt. Vor allem, wenn der Kellner Mario heisst. 

Meine Tochter hat auch so ein Teil. Sie ist ebenfalls mit Mario und Luigi befreundet, geht aber wesentlich anständiger mit ihnen um als ihr Bruder. Was vermutlich vor allem daran liegt, dass sie das Spiel einfach besser beherrscht. Und sie interessiert sich zum Glück auch für pädagogisch unglaublich wertvolle Spiele. Da gibts zum Beispiel «Style Boutique», ein Spiel, in dem sie als Boutiquenbesitzerin Mode verkaufen und Geld verdienen muss. Das Interesse daran ist mittlerweile etwas abgeflaut, nachdem sie die Hälfte der Ausdrücke, die darin vorkommen, nicht versteht:

- «Mami, was heisst Fintasche?»

- «Was heisst was? Zeig mal das Wort - ah, Vintage.» 

- «Also was heisst Wintätsch?»

- «Alt.»

- «Hä? Wieso will meine Kundin alte Kleider kaufen?»

Wie gesagt, das Interesse an dem Spiel hat stark nachgelassen. Dann gibts da noch «Cats & Dogs». Sie kann Hunde kaufen, pflegen, füttern, sie trainieren und mit ihnen Geld verdienen. Anfangs war sie mit Feuereifer dabei. Ihr erster Hund hiess Gipsy. Als ich ihr vor ein paar Wochen über die Schulter schaute, hatte sie drei Welpen: Cindy, Ruby und Katharina. «Und wo ist Gipsy?» fragte ich. «Den hab ich verschenkt. Hat mir nicht mehr gefallen. Ist alt geworden und nicht mehr so herzig.» Tja, offensichtlich hat sich der Lerneffekt bei ihr bisher in Grenzen gehalten. Bei mir hat er hingegen gewirkt: Jedes Mal, wenn sie mich mit ihren flehenden Augen anschaut und um ein Haustier bettelt, muss ich mir nur den armen Gipsy ins Gedächtnis rufen, und es ist gar nicht mehr schwer, Nein zu sagen.

Übrigens finden die Hunde-Trainierstunden und die Treffen mit Mario und Luigi ausschliesslich am Wochenende statt. Ich würde jetzt gern sagen, aus pädagogischen Gründen, unter der Woche sollen sie mit ihrem Holzspielzeug spielen. (Hahahaha - kennt Ihr ein Kind, das älter ist als zwei Jahre, das mit Holzspielzeug spielt?) Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Wenn die Dinger tatsächlich dafür sorgen würden, dass die Kinder mal eine halbe Stunde beschäftigt irgendwo sitzen, wären sie vermutlich öfter im Einsatz. Aber eigentlich nervt man sich ja nur deswegen. Mein Sohn wegen Super Mario, der nicht alle Münzen einsammelt. Meine Tochter wegen der Worte, die sie nicht versteht. Und ich wegen des ständigen Piepsens, Schreiens und Fluchens.

Da spiele ich lieber ein Kartenspiel mit ihnen. Da regt sich nämlich immer nur einer auf - der, der verliert. Und das bin fast immer ich.