Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Vom Leben mit einem Teenager

Nachdem die Tochter von Sandra C. vergangenes Jahr sozusagen zum Spielball ihrer Hormone wurde - und ihre Mutter mit ihr - wurde im Hause der Familienbloggerin nun eine neue Stufe der Pubertät erreicht: Das Töchterchen will jetzt unbedingt ein Teenager sein. Und bemüht sich sehr, so zu sein, wie diese ihrer Meinung nach eben sind.
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© Getty Images

Kaffee gehört jetzt auch zum Leben von Sandra C.'s Tochter.

«Kann ich bitte einen Kaffee haben?», fragt mich meine Tochter neulich. «Was?» Noch mehr als die Tatsache, dass sie bitte gesagt hat, konsterniert mich ihr Wunsch nach der braunen Brühe. Denn während ich ohne kaum existieren kann, fand sie das Zeug bis anhin eklig. «Ja, weisst du, ich bin jetzt schon über elf, und da muss man langsam anfangen, Kaffee zu trinken.»  «Ah ja?» ­ «Ja, weil die Lochis haben auch mit elf angefangen, Kaffee zu trinken.»

«Die Lochis» sind youtubende Zwillinge, und meine Tochter findet sie im Moment das absolut Grossartigste, was die Welt zu bieten hat. Warum, hab ich noch nicht wirklich herausgefunden. Letzthin posteten sie einen Clip, als sie im Lift steckenblieben. So was finden Elfjährige heutzutage cool. Lustigerweise hat meine kleine Grosse mit Jungs noch nicht wirklich viel am Hut. Das heisst, sie steht nicht auf irgendwelche bekannten Typen, weil sie sie süss findet,­ sondern weil sie genauso sein will wie diese. Und wenn die «Lochis» - was für ein endlos bescheuerter Name! ­- irgendwo mal verlauten lassen, sie hätten mit elf Kaffee getrunken, findet mein Töchterlein, dass es auch für sie langsam an der Zeit wäre, Koffein in sich reinzuschütten. Nun ja, vermutlich sollte ich dankbar sein, dass sie sich keine Vorbilder gesucht hat, die in dem Alter gekifft und Schnaps gesoffen haben!

Nun, wie auch immer: Das Wichtigste für sie ist im Moment, bei all ihren Youtube­-Stars up to date zu sein. Und das Gefühl zu haben, mit ihnen kommunizieren zu können. Ich habe ihr also nach langen Diskussionen einen Instagram­-Account erlaubt. Unter der Bedingung, dass sie ihn privat einstellt und wir Anfragen gemeinsam aussortieren. Und dass sie meine selbstverständlich annimmt. Zu meiner Erheiterung postet sie dort nun ­neben den obligaten Selfies und Bildern ihrer Kaninchen vor allem Foodporn. Also Fotos von ihrem Essen.

Sozusagen mit ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung hat sich auch der Geschmack meiner Tochter weiterentwickelt. Chicken Nuggets und Pommes? Ist was für Kinder! Kürzlich im Restaurant: Der Kellner fragt, was sie möchte. Sie: «Fleisch. Entrecôte oder so.» Der Kellner: «Wir haben auch panierte Schnitzel.» Sie: «Ich hab gesagt FLEISCH!» Ha! Ich denke, ihr Vater kann die Schrotflinte getrost beiseite legen. Wenn der erste Kerl auftaucht, um sie zum Abendessen auszuführen, muss er ihn nur zur Seite nehmen, und sagen: «Du weisst schon, dass das teuer wird, gell? Die bestellt nämlich keine Pizza.»

A apropos kommunizieren: Das tut sie nun ständig mit irgendwem. Kaum ist sie zu Hause, schwatzt sie per Face-Time mit einem Klassenkameraden. («Ihr seht euch doch jeden Tag in der Schule, was müsst ihr denn da noch besprechen?» ­«In der Schule reden die Mädchen mit den Mädchen und die Buben mit den Buben. Was ich mit den Jungs zu reden habe, muss ich nachher per Face-Time machen!») Tja, schon wieder was gelernt. Und a apropos lernen -­ hier noch ein guter Tipp: Platze never ever ever ever ins Zimmer eines Teenagers, der gerade am Face-Timen ist! «Mamaaaaaaaa!» ­«Nichts Mama, sag tschüss Leo, Handy weg, Hausaufgaben! Jetzt!» ­ «Mamaaaaa!» ­«Keine Diskussionen!» ­«Mama, gopfertami, zieh dir etwas über diesen Sport­-BH an!» ­«Äääääh, ja! Grüss deine Mutter, Leo. Tschüss!»

Im Dossier: Alle «Der ganz normale Wahnsinn»-Beiträge von Sandra C.