Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Umziehen bedeutet Veränderung. Oder auch nicht.

Sandra C. ist mit ihrer Familie umgezogen. Was ihre Kinder betrifft, war die Familienbloggerin auf vieles gefasst – nur nicht auf das, was tatsächlich passiert: nichts. Die einzigen, die mit totaler Fassungslosigkeit reagieren, sind die Kaninchen!
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© Getty Images

Nicht alle leben sich nach einem Umzug so schnell ein wie die Familie von Sandra C.

Ich selbst war elf Jahre alt, als wir umzogen, und empfand das Ganze als mittlere Katastrophe. Natürlich freute ich mich über mein neues Zimmer, das war aber auch schon alles. Aus meinem Umfeld gerissen zu werden, alles aufgeben zu müssen, was mir lieb und teuer war, war damals extrem schwierig für mich. Deshalb war mir bei der Suche nach einer neuen Bleibe auch so wichtig, dass meine Kinder wenigstens in ihrer Schule bleiben können.

Gerade mein Sohn kommt mit Veränderungen nicht wahnsinnig gut zurecht. Bei jedem Klassen- oder Lehrerwechsel – und von denen gab es in den vergangenen Jahren leider einige für ihn – dauerte es jeweils eine gefühlte Ewigkeit, bis er sich an die neue Situation oder Person gewöhnt hatte. So machten wir uns beide denn auch so unsere Gedanken im Hinblick auf den Umzug. Er machte sich grosse Sorgen, dass er den Schulweg oder den Weg zu seinen Freunden nach Hause nicht findet. Diese wohnen nun alle ein bisschen weiter weg als vorher – und ich ging davon aus, dass nicht mehr täglich eine Horde Jungs durch unser Haus fegt (nicht, dass mich das gestört hätte, aber soooo angenehm ist es nicht, von einer Reihe Zehnjähriger angestarrt zu werden, wenn man im Bademantel aus der Dusche kommt.) 

Ich fahre also meinen Sohn am zweiten Tag nach dem Umzug zum Schulhaus, wo er mit seinen Freunden abgemacht hat. Sie wollen direkt zusammen zum Taekwando-Training und ich soll ihn von dort abholen. Auf dem Nachhauseweg erledige ich noch ein paar Sachen im Dorf – und als ich nach Hause komme, stapelt sich vor unserer neuen Haustür ein Haufen Schuhe. An Juniors neuer Zimmertür prangt ein Schild «Eltern bitte anklopfen» und darunter noch eins: «Regeln: Schuhe ausziehen! Wer etwas kaputt macht, muss es reparieren! Wer etwas dreckig macht, muss es putzen!» Und hinter dieser Zimmertür höre ich das aufgeregte Schwatzen von diversen seiner Freunde. Er hat also sowohl den Heimweg von der Schule gefunden, als auch den Weg zu seinen Freunden – beziehungsweise sie zu ihm. Und unser neues Zuhause ist bereits am zweiten Tag wieder von einer Horde Viertklässler bevölkert.

An Tag drei erblicke ich dann beim Heimkommen im Zimmer meiner Tochter ein Mädchen, das ich noch nie zuvor gesehen habe. «Das ist Mia. Sie wohnt nebenan», erklärt mir mein Teenie-Girl, das mit zunehmendem Alter vom sozialsten Mädchen der Welt zu einer Pubertierenden mutierte, die niemals eine unbekannte Gleichaltrige ansprechen würde. «Du hast sie draussen vor dem Haus kennengelernt?», frage ich ungläubig. «Natürlich nicht. Wir kennen uns aus dem Tenniscamp in den Sommerferien. Ich hab ihr gestern ein Whatsapp geschrieben, dass wir jetzt hier wohnen. Sie hat auch ein Kaninchen. Vielleicht kann es ja mal mit unseren spielen.»

A propos Kaninchen: Hermine und Mario scheinen die einzigen zu sein, die leicht verstört auf die fremde Umgebung reagieren. Sie bewegen sich momentan irgendwo zwischen ultimativer Aufregung und totalem Rückzug. Aber auch sie werden sich ans neue Daheim gewöhnen. Und ich bin ehrlich gesagt froh, dass die Kinder besser zurechtkommen als die Kaninchen. Was wieder einmal zeigt: Mit Kindern und Tieren kommts öfter mal anders, als man denkt. 

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