Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Väter sind Helden - und Mütter?

Dass wir noch weit von einer Gleichberechtigung zwischen Müttern und Vätern entfernt sind, ist für Bloggerin Sandra C. ein Fakt. Oder ist eine Mutter eine Heldin, wenn sie staubsaugt, und irgendwie süss, wenn sie ihren kleinen Sohn im Pyjama auf den Spielplatz schleppt?

Ja, ich weiss, meine Kollegin, Medienbloggerin Silvia Tschui, hat sich am Dienstag bereits über das Thema ausgelassen. Ich tus trotzdem nochmal. Denn man kanns gar nicht oft genug sagen: Warum, gopfridstutznochmal, müssen sich Mütter, die arbeiten, immer wieder dafür rechtfertigen, während sich niemand darum schert, ob ein Vater, der arbeitet, überhaupt den Stundenplan seiner Kinder kennt?

Etwas vom Ersten, was der überaus charmante Vater meiner Kinder zu mir sagte, nachdem er den positiven Schwangerschaftstest etwas verdaut hatte: «Ich habe nicht vor, dich auszuhalten!» Das traf sich recht gut, denn ich hatte im Gegenzug nie vor, die Kinder allein zu erziehen. Alles klar, dachte ich. Und hatte keine Ahnung, wie sehr ich mich ab jetzt darüber aufregen würde, wie unterschiedlich die Massstäbe sind, wenn es um Kinder und Karriere geht. Pardon - um Kinder und ums Geldverdienen. Denn Mütter, die Karriere machen können - und wollen - sind noch immer eine Seltenheit. Ich schreibe bewusst auch «wollen» - denn sehr viele Mütter wollen keinen Chefposten. Aber das Wollen wird uns auch verdammt schwer gemacht. Von Arbeitgebern und nicht zuletzt auch von anderen Müttern. Ich habe mir schon sehr viele dumme Bemerkungen anhören müssen, weil ich mehr als die «üblichen» fünfzig Prozent arbeite. 

«Hast du ein Glück, dass du einen Mann hast, der regelmässig zu den Kindern schaut. Und staubsaugen kann er auch!» Wie oft habe ich das gehört. Und wie oft hätte ich  dabei schreien können. Zu ihm hat nämlich nie jemand gesagt: «Hast du ein Glück, dass du eine Frau hast, die auch regelmässig Kohle anschleppt.» Warum nicht? Warum sind Männer, die regelmässig ihre eigenen Kinder betreuen, Helden? Und warum müssen sich Frauen, die die Betreuung der eigenen Kinder regelmässig anderen überlassen - inklusive den Kindsvätern -, immer noch dafür rechtfertigen? 

Ich sags jetzt mal ganz provokativ: Es ist schlicht nicht wahr, dass ich eine engere Beziehung zu meinen Kindern habe als ihr Vater, nur weil ich sie ausgetragen, geboren und gestillt habe (abgesehen davon, dass ich all das nicht wirklich spassig fand). Gut, ich lasse manchmal etwas mehr gesunden Menschenverstand walten als er. Weil ich muss. Die Mütter am Spielplatz fanden das ja unheimlich witzig, dass mein kleiner Sohn einen Pyjama trug und keine Schuhe, als sein Vater mit ihm im Sandkasten buddelte. Hätten sie das auch lustig gefunden, wäre ich an seiner Stelle gewesen? Wohl kaum. 

Ihr Vater und ich versuchen jetzt also, mit unseren Kindern eine neue Generation heranzuziehen, indem wir ihnen vorleben, dass wir in allem gleichwertige Partner sind. Funktioniert hervorragend. «Warum?» fragte mein Sohn kürzlich, als ich ihn bat, beim Tischdecken zu helfen. «Das ist doch für Frauen!» Es gibt noch viel zu tun...

Alle «Der ganz normale Wahnsinn»-Blogs von Sandra C. finden Sie im SI-online-Dossier.