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Der ganz normale Wahnsinn

Warum «Coronaferien» an Mutterschaftsurlaub erinnern

Auch Sandra C. und ihre Kinder sind momentan mehrheitlich zu Hause. Unsere Familienbloggerin erinnert diese Situation an längst vergangene Zeiten.

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Waschen, putzen, kochen? Unsere Familienbloggerin hatte weder im Mutterschaftsurlaub noch in den «Coronaferien» viel Zeit dafür. 

Lucia Hunziker

Das hätte ich echt nicht gedacht! Nun komme ich tatsächlich fast 14 Jahre nach meinem letzten Mutterschaftsurlaub nochmal in eine ähnliche Situation. Meine Welt ist plötzlich wieder eine Art Blase, in der sich fast alles auf die Kinder konzentriert. Und vieles fühlt sich an wie damals (zumal, wie an dieser Stelle bereits einmal erwähnt, Teenager und Kleinkinder zuweilen frappante Ähnlichkeiten aufweisen).

Viel Schlaf, viel Unordnung

Einen wunderbaren Unterschied zum Mutterschaftsurlaub gibt es allerdings: ich kann schlafen. Mehr als je zuvor. Keine Präsenzzeit in der Schule bedeutet kein Weckerklingeln um sechs Uhr morgens. Und mit genügend Schlaf lassen sich sowohl schreiende Baybs als auch motzende Teenager um einiges besser ertragen.

«Wem während des Mutterschaftsurlaubs mal die Windeln ausgingen, kann die WC-Papier-Hysterie ein kleines bisschen nachvollziehen.»

Was gleich ist wie damals – und ich gebe zu, ich schäme mich ein bisschen dafür: Ich bin mehr oder weniger den ganzen Tag zu Hause, und habe mehr Zeit als vorher, da viele meiner Aufträge als Freischaffende auf Eis gelegt wurden. Daheim sieht es trotzdem aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Mit Baby ist man als junge Mutter in ständiger Alarmbereitschaft, traut sich kaum, irgend etwas anzufangen, aus Angst, man könnte verpassen, dass dieses kleine Ding, um das sich alles dreht, Hunger hat oder die Windeln voll sind oder es krank ist.

Ungeduscht und Haare wie Seegras

Und irgendwie geht es mir jetzt ein bisschen ähnlich. Es könnte ja jobmässig etwas passieren, das ich nicht verpassen darf. Oder etwas, das die Kinder betrifft. Oder – Gott bewahre! – das Klopapier geht aus! A propos: Wem während des Mutterschaftsurlaubs mal die Windeln ausgingen, kann die WC-Papier-Hysterie ein kleines bisschen nachvollziehen. Stell dir vor, am Hintern des kleinen Scheissers befindet sich die allerletzte Windel, und du weisst, sie wird in der nächsten Stunde explodieren, was bedeutet, dass du das Babybett inklusive Inhalt – und dazu gehört auch das Baby – stundenlang tiefenreinigen musst. Du selbst hast aber seit zwei Wochen nicht geduscht, deine Haare erinnern in Farbe und Konsistenz an Seegras und ausserdem hast du dir mal geschworen, niemals so tief zu sinken, dass du in Trainer und Ugg-Boots zum Einkaufen schlurfst. Nicht! Lustig!

«Während ich Windeln, Babybrei und Milchpulver mit einem gewissen Stolz im Einkaufswagen vor mir herschob – «schaut her, was ich ausgebrütet habe!» – ist der momentane Einkauf mit einer gewissen Scham behaftet.»

Zumal der Trip in den Supermarkt die einzige Gelegenheit ist, bei der man rauskommt. Also genau wie jetzt. Noch bin ich nicht soweit wie damals, als ich mir für dieses halbstündige «Event» sorgfältig mein Outfit zusammenstellte und mich hingebungsvoll schminkte. Aber das kommt vermutlich noch. Und während ich Windeln, Babybrei und Milchpulver mit einem gewissen Stolz im Einkaufswagen vor mir herschob – «schaut her, was ich ausgebrütet habe!» – ist der momentane Einkauf mit einer gewissen Scham behaftet: «Nein! Ich hamstere nicht! Das ist ein normaler Wocheneinkauf. Ich hab zwei Pubertierende zu Hause, die essen immer so viel. Und ich brauche WIRKLICH Klopapier. Habt ihr gesehen? Es ist nur ein Pack. Nur eines!»

Tja, nun sitze ich also hier, in meinem dritten «Mutterschaftsurlaub», und warte darauf, dass mir die Decke auf den Kopf fällt. Dann fange ich an zu putzen.

 

Von Sandra C. am 21.03.2020
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