Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

«Warum haben die nicht ein Taxi genommen?»

Familienbloggerin Sandra C. findet es wichtig, dass ihre Kinder wissen, dass Weihnachten nicht in erster Linie eine Geschenkeschlacht ist. Also unternimmt sie den Versuch, ihrem Nachwuchs die Weihnachtsgeschichte näher zu bringen. Aber die Kinder von heute denken einfach zu viel. Und stellen zu viele Fragen.
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Weihnachten sind nicht nur Geschenke - das versucht Sandra C. ihren Kindern begreiflich zu machen. Gar nicht so einfach!

Da wäre zuerst einmal die Sache mit dem Engel Gabriel. «Ist zu dir auch ein Engel gekommen, bevor ich auf die Welt kam?», fragt mein Sohn. «Äh, nein. Aber du bist ja auch nicht der Erlöser.» - «Woher willst du das wissen?» - «Na, weil ja sonst eben ein Engel dich angekündigt hätte.» - «Mmmh, ja. Warum musste der Jesus eigentlich die Leute erlösen?» - «Weil sie zu viel gesündigt hatten.» - «Was heisst das?» - «Ääähm…» Meine Tochter kommt mir zu Hilfe: «Zu viel Schoggi gegessen!» - «Genau», sage ich. «Dann muss dich ja sowieso niemand erlösen», sagt mein Sohn. Oh je, Kind, wenn du wüsstest! Aber das ist ein anderes Thema.

Also, dann machten sich Josef und die schwangere Maria auf nach Bethlehem, mit einem Esel. «Warum haben die nicht einfach ein Taxi genommen wie der Samichlaus?», fragt der Junior. Notiz für mich selbst, und ich hoffe, ich erinnere mich nächstes Jahr dran: Wenn ich bei der Samichlaus-Gesellschaft anrufe, um den Chlaus zu bestellen, nett aber bestimmt erklären, dass es mir ja egal ist, ob er mit dem Taxi kommt, aber dass er doch bitte hinter dem Haus aussteigen soll und nicht direkt davor, wo die Kinder am Fenster klebend seine Ankunft erwarten. «Zu der Zeit, als Jesus geboren wurde, gab es noch keine Autos», erkläre ich meinem Sohn. Aber seine Religionslehrerin habe gesagt, die Weihnachtsgeschichte gelte auch heute noch. Also gut, Josef und Maria nahmen sich also ein Taxi und fuhren nach Bethlehem. Danach waren sie pleite und konnten sich kein Hotelzimmer mehr leisten. Darum kam Jesus in einem Stall auf die Welt. «Gab es dort kein Spital?», fragt meine Tochter. «Nein.» - «Bin ich auch in einem Stall auf die Welt gekommen?», fragt mein Sohn. «Nein. Aber wenn ich dein Zimmer anschaue, habe ich heute manchmal das Gefühl, du lebst in einem!» Er habe gerade gestern aufgeräumt, erklärt mir mein Sohn. «Alles, was noch auf dem Boden liegt, ist Dekoration!» Eines muss ich ihm lassen: In Sachen kreativer Ausreden macht ihm so leicht niemand etwas vor.

Weiter im Takt: Stern von Bethlehem («Wo ist der hingegangen, als alle den Weg zu Jesus gefunden haben?»), Hirten («Warum gab es da nicht einfach Zäune, damit die Schafe nicht davonlaufen?»), Die drei Heiligen Könige und ihre Geschenke («Was ist Weihrauch?» - «Das Zeug, das immer so stinkt in der Kirche.» - «So wie als du letzte Woche die Weihnachtsguetsli im Ofen vergessen hast?» Ja, das kommt etwa hin.), Chor der Engel («War da das Christkind auch dabei?» - «Nein, Jesus war doch das Christkind.» - «War er ein Engel?» - «Nein. Er ist Gottes Sohn und ein Mensch geworden.» - «Ist Gott ein Engel?» Oh je, jetzt wirds kompliziert. «So ähnlich.» Dem Betreffenden sei Dank, dass sich meine Kinder manchmal mit erstaunlich einfachen Antworten zufrieden geben.)

Die Sache mit dem Erlöser lässt meinem Sohn allerdings keine Ruhe. «Wie hat er die Menschen erlöst?» - «Weil er gestorben ist», erklärt ihm seine ältere Schwester. Er überlegt: sein Grossvater, seine Urgrossmutter, die Katze seiner Grossmutter - alles Erlöser? «Nein, nur Jesus war der Erlöser», sagt seine Schwester, leicht genervt. «Und dann kommt nur der in den Himmel?», fragt der Kleine. - «Nein, da kommen alle hin, wenn sie sterben.» Ja, super. Das nützt einem in dem Fall ja auch nichts, Erlöser zu sein, wenn man nicht mal eine Spezialbehandlung dafür kriegt. Noch schlimmer: Seit seinem Tod muss Jesus als Christkind alljährlich Millionen von Geschenken verteilen. Und kriegt selbst kein einziges. «Bekomme ich von dir eigentlich auch eines?», frage ich meinen Sohn. Mir ist doch fast lieber, wir reden über Geschenke - diese Weihnachtsgeschichte ist mir irgendwie entglitten. Er grinst. «Sicher nicht. Ich bin doch nicht dein Erlöser.»

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