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Der ganz normale Wahnsinn

Wenn Sommerferien mit Teenies völlig ausarten

Fünf Wochen Sommerferien und die Nerven unserer Familienbloggerin liegen blank. Ferien mit zwei Kids, die so unterschiedliche Interessen haben wie die von Sandra C. ist nämlich eine doppelte Herausforderung.

Teenager Selfie Strand

Ferien mit Teenagern: das Handy ist immer dabei! 

Getty Images

Ich erinnere mich an das Gefühl am ersten Ferientag der Sommerferien als Kind: fünf Wochen Ferien, fünf Wochen Freiheit, fünf endlos lange Wochen Friede, Freude und keine Schule! Dieses Jahr habe ich mich zwar auch gefreut, als meine Kinder endlich, endlich Urlaub hatten. Zumal die letzten Schulwochen vor diesen Ferien jeweils die Agenda fast sprengen: Grümpelturniere, Aufführungen, Abschiedsfeste und ein letztes Aufbäumen von Notenstress. Horror.

Ferienzeit gleich harmonische Familienzeit?

Dann sind sie endlich da, die ersehnten Sommerferien. Das bedeutet auch für mich kein Gerenne am Morgen, kein Schulstress und keiner mit den Freizeitaktivitäten. Und endlich mal ein bisschen Familienzeit. Wandern, Biken, Städtetrips. Die pure Harmonie!

Ich kann mich nicht wirklich erinnern, was ich genau konsumiert hatte an diesem ersten Ferientag, dass ich dieses vernebelte Bild vor Augen hatte! (Zu eurer Beruhigung – es muss sich niemand beim Kesb melden, es reicht schon ein Abendessen ohne Diskussionen, um in mir die Hoffnung auf total harmonische Familienferien keimen zu lassen.) Denn zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr zeigt sich deutlicher als jetzt, wie verschieden meine Kinder sind. Und da ich es unmöglich beiden gleichzeitig rechtmachen kann, versuche ich es abwechslungsweise. Mit dem Resultat, dass immer eines von beiden hässig ist auf mich.

«Sie spricht den Rest des Tages kein Wort mehr mit mir. Und ist erst wieder milde gestimmt, nachdem ich eine halbe Staffel «Stranger Things» mit ihr geschaut habe.»

Die Tage in den Bergen sind ein Fiasko für die Mutter-Tochter-Beziehung. Während mein Sohn und ich die totalen Bewegungsmenschen sind, und uns am liebsten schon frühmorgens aufs Bike schwingen, empfindet meine Tochter zu viel Bewegung in  den Ferien als totale Zumutung. Ich versuche irgendwie, einen Mittelweg zu finden, lasse sie schlafen und Netflix schauen, unter der Bedingung, dass sie wenigstens einmal am Tag mit rauskommt. Irgendwann habe ich genug davon, sie «rauszuprügeln», nur damit ich gnädigerweise noch Geld für sie ausgeben darf. «Dann lieg halt hier rum und verfaul!», meine ich genervt. «Du findest mich fett!», kreischt sie entsetzt.

Oh Mann. Auch wenn ich das mit keinem Wort gesagt – und auch nicht gemeint – habe, hätte ich wissen müssen, dass irgend sowas bei ihr ankommt. Der Schaden ist kaum wiedergutzumachen. Sie spricht den Rest des Tages kein Wort mehr mit mir. Und ist erst wieder einigermassen milde gestimmt, nachdem ich eine halbe Staffel «Stranger Things» mit ihr geschaut und versprochen habe, dass ich auf den bevorstehenden Städtetrips mit ihr shoppen gehen und ihr auch etwas kaufen würde.

Sand-Phobie statt Ping-Pong-Tisch

Dann kommen die Städtetrips. Im Wissen, dass Sightseeing für meinen Sohn eine Tortur ist, versuche ich, ab und zu etwas einzubauen, was auch für ihn halbwegs akzeptabel ist. Zum Beispiel einen Tag am Strand. Dass es weit und breit weder einen Sprungturm noch einen Ping-Pong-Tisch gibt, verzeiht er mir noch gnädig. Dass er sich genau diesen Tag aussucht, um seine Sand- und Salzwasser-Phobie zu entdecken, finde wiederum ich eine Zumutung. Und als er eine einzelne Qualle im Wasser entdeckt, ist der Tag sowieso gelaufen.

«Ich sage also nichts, wenn sie mit dem Handy vorm Gesicht durch die Stadt trotten und mit ihren Freunden chatten, statt sich mein brillantes Halbwissen über die jeweiligen Sehenswürdigkeiten anzuhören.»

Nun gebe ich zu, dass es etwas viel verlangt wäre, von Teenagern grosse Begeisterung zu erwarten, wenn man sie zu historischen Stätten schleppt und versucht, ihnen deren Bedeutung zu erklären. Auch wenn ich mich im Gegenzug in diverse Bubble-Tea-Shops zerren und breitschlagen lasse, die furchtbarsten Kombinationen des süssen Gesöffs zu versuchen. Ich sage also nichts, wenn sie mit dem Handy vorm Gesicht durch die Stadt trotten und mit ihren Freunden chatten, statt sich mein brillantes Halbwissen über die jeweiligen Sehenswürdigkeiten anzuhören. Als sie es aber nicht mal mehr für nötig halten, die Dinger während dem Essen aus der Hand zu legen, platzt mir der Kragen. Handy einsammeln, böse Worte, noch bösere Blicke, Tränen – genauso stellt man sich einen gemütlichen Ferien-Familienabend vor.

«Das waren die schlimmsten Ferien überhaupt!», resümiert mein Sohn, als wir wieder zu Hause sind. Gut zu wissen. Ich werde ihn nächstes Jahr, wenn er sich mit einem Ferienjob sein heiss ersehntes Töffli zusammenspart, daran erinnern, wie toll es doch ist, in den Ferien arbeiten zu dürfen und wie schlimm die letztjährigen Ferien waren.

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lest ihr hier.

Von Sandra C. am 10.08.2019