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Der ganz normale Wahnsinn

Wie sehen Kinder ihren Alltag nach Corona?

Endlich Land in Sicht. Am 11. Mai öffnen Schulen, Restaurants, Läden. Für die Kinder unserer Familienbloggerin bis vor sechs Wochen eine Selbstverständlichkeit. Ob es nach Corona für sie zum Privileg werden?

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Lockdown? Für die Mutter schlimmer als für die Kids! 

Lucia Hunziker

Für meine Kinder ist vieles selbstverständlich, was für mich in meiner Kindheit unvorstellbar war. Restaurantbesuche gabs damals nur zu besonderen Anlässen. Heute gehen wir öfter «schnell» eine Pizza oder einen Burger essen, gerade wenn ich den ganzen Tag unterwegs war und keine Lust zu kochen habe.

Ähnlich wie früher

Ferien machten wir in der Schweiz, bei Verwandten (wobei diese mit dem Bündnerland und dem Tessin strategisch recht gut verteilt waren), ab und zu gings mal nach Italien oder Österreich, im Auto. Zum ersten Mal in einem Flieger sass ich mit 16 Jahren. Meine Kinder sind schon um die halbe Welt gereist. Kino? Konzerte? Shopping? Für mich damals ab und zu. Für meine Kids Alltag.

«Und ich gestehe: ich, die ich nicht mit all diesen Dingen aufgewachsen bin, vermisse sie je länger je mehr.»

Und plötzlich ist alles wieder ein bisschen wie damals. Keine Restaurantbesuche, keine Reisen, kein Kino, keine Konzerte, kein Shopping. Und ich gestehe: ich, die ich nicht mit all diesen Dingen aufgewachsen bin, vermisse sie je länger je mehr.

Kinder vermissen nur ihre Freunde

Und meine Kinder, die sich all das seit ihrer Geburt gewöhnt sind? Die vermissen gar nicht so viel. Klar würden sie gern wieder mal essen gehen und dass die geplanten Türkei-Ferien ins Wasser fielen finden sie doof. Aber nicht tragisch. Was sie wirklich vermissen? Das Zusammensein mit ihren Freunden, sagen sie, als ich sie frage.

«Wir dürfen von unseren Kindern nicht erwarten, dass sie irgendetwas in ihrem Leben als Privileg wahrnehmen. Auch nicht nach Corona.»

Und ich beginne etwas zu begreifen – auch im Rückblick auf meine eigene Kindheit: Kinder (auch ältere) können mit Begriffen wie «Selbstversändlichkeit» und «Privilegien» nichts anfangen. Im Gegensatz zu uns Erwachsenen, sind für sie die Dinge halt einfach, wie sie sind. Sie nehmen, was sie kriegen. Was und wieviel immer das auch sein mag.

 

Sie werden die Schule auch nach Corona nicht als Privileg wahrnehmen

Der Anspruch, dem Nachwuchs weiss ich was bieten zu müssen, ist der von uns Eltern – nicht derjenige der Kids. Auf der anderen Seite dürfen wir von unseren Kindern nicht erwarten, dass sie irgendetwas in ihrem Leben als Privileg wahrnehmen. Auch nicht nach Corona. Womit sich dann auch meine Hoffnung, dass sie am 11. Mai freudestrahlend in Richtung Schule traben erledigt hat.

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lest ihr hier.

 

Von Sandra C. am 02.05.2020
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