Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Wie viel Privatsphäre braucht ein Kind?

Das Leben mit Kindern – insbesondere wenn sie älter werden – ist zuweilen ein schmaler Grat. Zum einen möchte man die lieben Kleinen ja zu eigenen Individuen heranwachsen lassen. Zum anderen ist man eben noch verantwortlich für sie. Privatsphäre ist gerade ein häufig gebrauchtes Wort im Haus von Sandra C. Und nach einem Vorfall im Umfeld ihrer Kinder fragt sich die Familienbloggerin: Wie weit darf und soll man sich eigentlich als Eltern ins Leben der Kinder einmischen?
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© Getty Images

Sollen Eltern ihre Kinder im Umgang mit sozialen Medien kontrollieren oder nicht?

Meine Kinder waren elf, beziehungsweise fast elf, als ich ihnen ein eigenes Handy und den Zugang zu sozialen Medien erlaubt habe. Unter einigen klaren Auflagen. Zu denen gehört auch, dass ich regelmässig kontrolliere, was sie da machen. Dabei geht es weniger darum, jede Lästerei über jeden Lehrer mitzukriegen, sondern vor allem darum, zu wissen, mit wem sie regelmässig in Kontakt sind, und ob Dinge passieren, die ich für untolerierbar halte, zum Beispiel Mobbing.

Vor allem geht es aber darum, mit meinen Kindern im Kontakt zu bleiben, mitzukriegen, was sie interessiert und bewegt. Wie gesagt, ich lese mich da nicht durch ihre «WhatsApp»-Chats und hüte mich davor, ihre Instagram-Aktivitäten zu kommentieren. Aber gewisse Stichproben müssen sein – und sind auch nötig, wie ich kürzlich wieder bemerkte.

Es geht nicht ums Follower-Sammeln

Dass ich meiner Tochter – trotz allen privaten Einstellungen – einen Follower mit dem vielsagenden Namen «Fickmich» aus ihrer Liste schmeissen musste, stimmte mich doch etwas nachdenklich. Und führte zu einer längeren Diskussion darüber, dass ich der Meinung bin, dass es bei Instagram nicht in erster Linie ums Follower-Sammeln geht – ausser man verdient Geld damit – und dass man – auch wenn man meine Meinung offensichtlich nicht teilt - sich die Leute, die einem folgen wollen, gopfertaminochmal ein bisschen besser ansieht, bevor man sie bestätigt, sonst kann man sich seinen Account nämlich ans Bein streichen!

Nie würde ich mich als Mutter in diesen Chat einmischen

Und dann war da noch die Sache mit dem «WhatsApp»-Chat. Ich kenne den Chat, beide meine Kinder und alle ihre Freunde sind da drin. Ich schaue ab und zu mal rein, sie erzählen mir aber auch öfter, was gerade disktutiert wird.

Nie im Leben würde ich mich als Mutter in diesen Chat einmischen. Genau das hat eine andere Mutter getan. Sie empfand den Ton, in dem diskutiert wurde, offenbar als unter aller Sau, und schrieb das in diesen Chat, mit der Bemerkung, sie werde die Schule informieren. Die Aufregung unter den Kids war riesig. Und ich fands, ehrlich gesagt, auch ein bisschen merkwürdig.

«Das ist unsere Privatsphäre»

Abgesehen davon, dass mir nie aufgefallen wäre, dass man sich echt im Ton vergreift – aber vielleicht ist da auch meine Schmerzgrenze ein bisschen höher als bei anderen – würde ich meine Kinder vor ihren Freunden niemals so blossstellen. Über direkte WhatsApp-Nachrichten empörten sich derweil die Kids: «Das ist unsere Privatsphäre. Sie hat kein Recht, sich da einzumischen!» Ich verstehe sie. Trotzdem frage ich mich: Stimmt das?

Diese Kinder sind alle minderjährig. Da hat man das Recht – und die Pflicht – hinzuschauen. Wie sehr aber darf man sich einmischen? Ich erkläre meinen eigenen Kindern, welches Verhalten ich von ihnen erwarte, online und offline. Wie aber sieht es aus mit anderen Kindern, die mit meinen im Kontakt sind und deren Verhalten meine beeinflusst?

Wie viel Privatsphäre sollen Kinder haben?

Fakt ist: Elterliches Einmischen ist einer der schmalsten Grate im Leben mit grösseren Kindern. Die Mutter, die sich im «WhatsApp»-Chat der Kids verewigte, hat ihrem Kind mit Sicherheit keinen Gefallen getan. Sie haben den alten nämlich geschlossen und einen neuen aufgemacht, mit der Auflage, dass niemand das entsprechende Kind beifügt. Nun gibt es einen Chat, in dem alle Kinder drin sind – bis auf eines.

Ob es das war, was sie wollte? Aber eben: Wenn ich das Gefühl hätte, meine Kinder sind da in etwas reingeraten, das ich nicht gutheissen kann – und das ich eben auch für andere Kids nicht gut finde – müsste ich dann nicht auch auf die eine oder andere Weise etwas machen? Und wenn ja, was? Wie viel Privatsphäre sollen Kinder haben? Ich selbst weiss es nicht. Und bin gespannt auf eure Meinungen.

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