Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Wie viel Sackgeld braucht ein Kind?

Es ist ein ewiges Thema zwischen Eltern und Kindern: Wie viel Sackgeld sollen die Kids bekommen und was sollen sie davon selbst bezahlen und was nicht? Familienbloggerin Sandra C. hat sich für eine Mischform entschieden.
Familienblog_Sackgeld
© Keystone

Wenn es unbedingt die Sneakers für 120 sein müssen, soll das Kind selbst was dranzahlen, findet Sandra C. 

Neulich war es wieder so weit: Mein Sohn brauchte neue Schuhe. (Kleine Information am Rande: Das Kind hat in Sachen Schuhgrösse inzwischen nicht nur mich, sondern auch seine ältere Schwester überholt – welche mich schon lange überholt hat.) Wir zogen also los, und es kam, wie es kommen musste: Alles, was ich für preismässig einigermassen akzeptabel hielt, kam für ihn gar nicht in Frage.

Wie viel zahlst du denn?

Wir mussten also über die Bücher: Was machen wir? «Wie viel zahlst du denn?», wollte mein Sohn wissen. Nun, angesichts der Tatsache, dass er mittlerweile Schuhgrösse 40 (!) trägt, und diese Grösse nicht mehr zum gleichen Preis zu haben ist wie eine niedliche 30, würd ich sagen, meine Schmerzgrenze liegt bei 80 Franken. Die, die er will, kosten 120. «Ok, ich zahle 40 Franken selbst», sagt er.

Das ist für meinen Sohn ein ganzer «Monatslohn». Gut, es handelt sich dabei um ein bedingungsloses Grundeinkommen, aber trotzdem, wenn ihm diese Schuhe das Wert sind, hab ich die Hoffnung, dass er sich vielleicht zweimal überlegt, ob er sie zum Skaten anzieht (bzw. mit denen er auf dem Skateboard bremst, was sie innerhalb von zwei Wochen so aussehen lässt, als hätte der Hund des Nachbarn sie zu fassen gekriegt.)

Neue Kleider gibt’s zweimal pro Jahr.

Geld. Wir haben immer und immer wieder darüber verhandelt. Mit zunehmendem Alter ändern sich die Bedürfnisse der Kinder. Die erste Frage ist: Sollen die Kinder Taschengeld unabhängig davon erhalten, ob und wie viel sie im Haushalt mithelfen – also eben ein bedingungsloses Grundeinkommen – oder sollen sie sich das Geld verdienen?

Kaninchen misten gehört zur Pflicht

Wir haben uns für eine Mischform entschieden. Es gibt ein bedingungsloses Grundeinkommen – für meine Tochter etwas mehr als für meinen Sohn, da ihre Bedürfnisse anders sind – es gibt aber auch nicht hinterfragbare Pflichten. Kaninchen misten oder Tisch abräumen zum Beispiel.

Von ihrem Taschengeld müssen sie allerdings ziemlich viel selbst zahlen, zum Beispiel Ausgaben für Freizeit (Kino etc.), Shopping, Spielzeug. Wenn meine Tochter findet, sie möchte lieber zu Subway zum Mittagessen als nach Hause zu kommen, soll sie das selbst zahlen. Und wenn mein Sohn findet, er brauche tatsächlich noch einen siebten Rubiks Cube, soll er ihn sich auch selbst kaufen.

Neue Kleider gibt’s zweimal pro Jahr, und wenns eben unbedingt das Shirt für 80 Franken oder eben die Sneakers für 120 sein müssen, muss man selbst was dranzahlen -  oder es sich zu Geburtstag oder Weihnachten wünschen.

Die Kids scheinen gewisse Dinge mehr zu schätzen

Momentan scheinen wir ganz gut damit zu fahren. Die Schuhe, die mein Sohn zu einem Drittel selbst bezahlt hat, «parkt» er derzeit jede Nacht direkt vor seinem Bett. Sie haben bisher weder Bekanntschaft mit seinem Skateboard noch mit seinen Fussbällen gemacht. Meine Tochter überlegt sich seit Wochen, ob sie dieses Spotify-Abo wirklich braucht –oder ob sie lieber etwas für Konzerttickets für eine ihrer Lieblingsbands spart.

Vielleicht bilde ich es mir ja nur ein, aber ich glaube, seit meine Kinder zumindest ein bisschen selbst mit ihrem Geld haushalten müssen, wissen sie gewisse Dinge mehr zu schätzen. Ich bin gespannt, wie lange diese Sneakers, Grösse 40, diesmal halten...