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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Willkommen in meinem Haus – oder lieber doch nicht?

Sandra C. war immer stolz darauf, ein offenes Haus zu haben. So gingen nicht nur ihre eigenen Freunde regelmässig bei ihr ein und aus, sondern auch die ihrer Kinder. „Ja klar, kommt nur rein“, sagte die Familienbloggerin jeweils, als die lieben Kleinen mit grossen Kulleraugen vor ihrer Tür standen. Woran sie damals nicht gedacht hatte: Die kommen auch zehn Jahre später noch einfach rein, wenn sie nicht mehr lieb und klein sind! 

Hach, was war das doch für ein herrlicher Anblick, wenn sich die niedlichen Schühchen vor der Haustür stapelten. Und das süsse Kichern aus dem Kinderzimmer. Ich fand es immer toll, die Freundinnen und Freunde meiner Kinder bei uns zu haben.

Meist spielten sie friedlich, Tochter und Sohn zofften sich nicht, und wenns doch einmal Streit gab, brauchte es meist nur ein feines Zvieri, um sie zu beruhigen. Wenn ich heute nach Hause komme, und vor der Tür stapeln sich Treter ab Grösse 40, muss ich erst mal tief Luft holen, bevor ich das Haus betrete. Ich weiss schon ziemlich genau was mich erwartet.

Ich kann die nicht einfach fragen, ob sie mit mir zusammen sein will!

Von der Küche führt eine Spur von Babybel-, Darvida- und sonstigen Papierli ins Bubenzimmer. Wäre mein Sohn allein da drin, würd ich ihn natürlich rauszitieren, um die Schweinerei aufzuräumen. Aber ich werde mich hüten, diese Höhle zu betreten, solange die Biester da drin sind.

Ich kann nicht genau sagen, wie viele es sind, aber sie klingen wie etwa zehn. Hinter der Zimmertür hämmert der Sound und es rappt vielstimmig mit: «GucciGangGucciGangGucciGang» oder «GooooodsPläääänGooodsPlääään». Besonders lustig klingt das, wenn einer oder mehrere gerade den Stimmbruch haben. Dazwischen Gesprächsfetzen: «Waaaas? Du hast Lunala GX einfach so bekommen, ohne Geburtstag oder so? Die isch huere tüür Mann!» (PokemonGesülze), oder, eher selten, aber auch schon gehört: «Ich kann doch die nicht einfach fragen, ob sie mit mir zusammen sein will.»

Meine Ausreden waren sicher nicht glaubwürdig

Ich schwöre, ich halte nie wieder mein Ohr an die Zimmertür, wenn ich das höre! Die Beule war halb so schlimm, aber die Ausrede, die ich mir so schnell fürs Lauschen überlegen musste, war ganz sicher nicht glaubwürdig. 

Ausserdem verkrümelt man sich als Mutter eh lieber schnell, wenn der ganze Tross Richtung Küche walzt oder rollt – auf diesen Smartwheels. Ich kann ja nicht vor fünf Jungs einen Aufstand machen, weil ich diese Dinger nicht in meiner Küche will!

Und seinen Freunden zu erzählen, dass mein Junior letzthin mit so einem in den Tisch knallte, weil er sich beim Fahren den Pulli über den Kopf zog, und dass er dann heulte wie ein Baby, wäre auch etwas fies.

Ich greife erst ein, wenn sie die Kaninchen rumschleppen

Normlerweise versuche ich wirklich, so wenig wie möglich einzuschreiten. Ich tue es eigentlich nur, wenn sie die Kaninchen rumschleppen. Die sind sich zwar schon einiges gewöhnt, aber irgendwann reichts. Wenn die Riesentreter vor der Tür den Freundinnen meiner Tochter gehören, geht’s meist gesitteter zu.

Wir räumen die Küche auch wieder auf, versproooooochen!

Die Mädchen unterhalten sich, whatsappen gemeinsam mit irgendwelchen Jungs oder schauen Harry Potter oder sonstwas. Je nachdem machen sie sogar Hausaufgaben zusammen – was den Jungs nicht im Traum einfallen würde! Gefahr lauert nur, wenn sie zu dritt breit lächelnd im Wohnzimmer auftauchen und ganz süss fragen: «Dürfen wir etwas backen?»

Kommt nur rein, ihr lieben Kleinen

Und auf mein Augenverdrehen noch süsser meinen: «Wir räumen auch die Küche wieder auf, versprooooooochen!» Wie kann ich da nein sagen, obwohl ich weiss, dass meine Tochter dann ganzganz plötzlich und schnell ins Fussballtraining und die anderen beiden nach Hause müssen. Und es tut ihnen wirklich Leid, das nächste Mal räumen sie ganzganz sicher selbst auf, versprochen! Und es wäre auch super, wenn ich in einer halben Stunde den Kuchen aus dem Ofen nehmen könnte. Ja klar, mach ich.

Wie gesagt – kommt nur rein, ihr lieben Kleinen, ihr seid jederzeit Willkommen. Auch noch in zehn Jahren.