Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Wo die Liebe hinfällt

Die Tochter von Familienbloggerin Sandra C. weiss bereits im Primarschulalter, wie man Jungs manipuliert. Wehe dem armen Kerl, der sich in ihrem Netz verheddert!

Vor Kurzem ist mir beim Bettenmachen das Tagebuch meiner Tochter in die Hände gefallen. Ja, ich weiss, ich hätte es zuklappen und auf ihren Schreibtisch legen sollen. Hab ich auch gemacht. Aber es lag offen auf ihrem Kopfkissen, und ich konnte nicht anders, als die geöffnete Seite anzuschauen. Sie hat die Namen all ihrer Klassenkameraden darauf notiert. Und hinter jedem Namen zwei Sätze. Entweder: «Ist nett. Ist in mich ferknallt.» Oder: «Ist doof. Ist in mich ferknallt.»

Das zeugt immerhin nicht von zu wenig Selbstbewusstsein. Auch wenn ich nicht glaube, dass es sie wirklich interessiert, ob die Jungs nun tatsächlich in sie verknallt sind oder nicht. Aber immerhin scheint sie ein bisschen mehr Ahnung zu haben, wovon sie redet - oder schreibt - wie noch vor etwa einem Jahr. Da erzählte sie nämlich mal, sie sei in einen Jungen verknallt. Ich fragte sie, was das denn heisse. Darauf sie: «Na, ich hab dem eins geknallt!» Gut, es soll ja durchaus Beziehungen geben, die so funktionieren. Ich fands dann aber besser, meiner Prinzessin zu erklären, dass Hiebe und Liebe zwei verschiedene Dinge sind - und dass ich es abgesehen davon nicht besonders lustig finde, wenn sie Buben verprügelt. 

Meine Tochter legt sehr viel Wert darauf, keine Tussi zu sein. Das führt dazu, dass sie öfter auch zu Geburtstagspartys eingeladen wird, bei denen sie das einzige Mädchen ist. In der Primarschule finden die Jungs solche Mädchen toll. Und ich staune, wie sie sich bereits jetzt von ihnen manipulieren lassen. So erzählte meine liebe Kleine vor Kurzem in einem Nebensatz, sie habe einen Klassenkameraden, der sich von ihr rumkommandieren lasse. «Der will das so.» Ich versuchte also, meinem Kind zu erklären, dass Liebe genau so wenig mit Befehlen zu tun hat wie mit Schlägen. Und dass sie kein Recht dazu hat, den armen Kerl, der sich offenbar im zarten Alter von acht Jahren schon in die falsche «Frau» verliebt hat, für ihre Zwecke zu missbrauchen. Natürlich nahm ich auch die Gelegenheit wahr, mal nachzuforschen, ob es denn einen Jungen gebe, von dem sie sich rumkommandieren lassen würde. «Sicher nicht! Ich bin ja nicht blöd!»

Tja - wenns um die Liebe geht, scheint das weibliche Geschlecht schon ganz früh die Fäden in der Hand zu halten.

Weitere Blogs von Sandra C. finden Sie im SI-online-Dossier.