Der «Tele»-Streaming-Tipp der Woche «Pastewka» - Fremdschämen, bis es wehtut

Sie lieben Filme und Serien, wissen aber nicht, was Sie als Nächstes bei Netflix & Co. schauen sollen? Kein Problem: Die Zeitschrift «Tele» stellt hier jede Woche Sehenswertes vor. Heute mit dem Comeback von Bastian Pastewka.
tele streaming pastewka
© Amazon Prime

Bestes Startwochenende aller Zeiten! Keine Produktion im deutschen Sprachraum wurde in so kurzer Zeit so oft abgerufen wie die 8. Staffel «Pastewka», das meldete der Streamingdienst Amazon Prime Ende Januar. «Pastewka» ist zurück! Der Tollpatsch, der Schussel, der unentwegt in Fettnäpfchen tritt bzw. beim Versuch, diesen auszuweichen, noch grössere erwischt.

2005 hob Bastian Pastewka, 45, der mit der Sat 1-«Wochenshow» bekannt geworden war, die Comedyserie aus der Taufe. Er outete sich – natürlich krass überzeichnet – als eitler, feiger und mitunter wahnsinnig unsympathischer Komiker. Als Nerd, der sich mehr schlecht als recht durch seinen unausgefüllten Kölner Alltag wurstelt. Ständig darum bemüht, Lob und Anerkennung zu bekommen und sein übersteigertes Ego aufzupolieren.

Was der Zuschauer dabei fühlt? Schadenfreude wechselt sich mit Fremdschämen ab, was auch mal so richtig wehtut.

Pastewka in der Midlife Crisis

Über 30 Kollegen konnte der Komiker für Cameo-Auftritte gewinnen. Allesamt erscheinen sie in einem schiefen Licht – sind Ehebrecher (Christoph Maria Herbst), verführen Minderjährige (Axel Stein) oder kiffen (fast alle). Doch auch die Nebenfiguren sind mit viel Liebe zum Detail gezeichnet und sorgfältig besetzt.

Sieben Staffeln lang lieferte Pastewka seine Tölpeleien ab, derweil die Serie Staffel für Staffel weiter in die Nacht geschoben wurde, ehe Sat 1 sie dann auslaufen (nicht absetzen!) liess. Man habe nicht mehr den Mut gehabt, weiterzuziehen, was vorwiegend bei Humor-Feingeistern Anklang fand, wurde gemunkelt.

Die Schämschraube wurde nochmals angezogen

Vier Jahre später übernahm Amazon das Ruder und bescherte dem Komiker ein fulminantes, verdientes Comeback. Pastewka ist mittlerweile Mitte 40 und schiebt seine Midlifecrisis. Während er sich von seiner Freundin Anne (Sonsee Neu) getrennt hat und im Wohnmobil haust, spürt sein Bruder Hagen (Matthias Matschke) den zweiten Frühling.

Man glaubt es kaum: Die Autoren haben es geschafft, die Schämschraube noch stärker anzuziehen. So landet Pastewka auf einem FKK-Campingplatz (nichts für Schüchterne!) oder entlarvt sich im Kaufhaus als Sexunhold. Gelungen ist auch die Persiflage auf «Hangover».

Amazon gab übrigens grünes Licht für Staffel 9. War ja klar.

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