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Peter Rothenbühler schreibt Emmanuel Macron

«Die haben Sie schön genervt, diese Gelbwesten»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

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Monsieur le Président unter Druck: Jetzt braucht Emmanuel Macron mit seiner Frau Ferien in der Schweiz.

Eliot Blondet / Abaca / Dukas

Cher Emmanuel Macron

Die haben Sie schön genervt, diese Gelbwesten, die «Macron démission» riefen und Paris lahmlegten, Läden und Autos abfackelten. Und dies wegen einer kleinen Erhöhung des Dieselpreises. 

Der Schock war so gross, dass Sie den Mindestlohnbezügern und Rentnern gleich Weihnachtsgeschenke für rund zwölf Milliarden Euro versprochen und die Preiserhöhung ins Kamin geschrieben haben. Hat alles nichts geholfen. 

Jetzt nerven die Gelbwesten mit der Schweiz. Dem Zufluchtsort der reichen Franzosen, die der Pariser Steuerhölle entfliehen und sich am schönen Lac Léman niederlassen. Das Heer der «Vergessenen» und «Abgehängten» ruft ausgerechnet nach «mehr Schweiz» und will jetzt mitreden, schwärmt von Referendum und Volksinitiative. Aber offenbar habt ihr Politiker in Paris nicht viel Vertrauen ins Volk: So erklärte Ihr Parlamentspräsident Richard Ferrand, in der Schweiz seien Volksinitiativen eine Sache von Geschäftemachern und Lobbyisten. Und der Anwalt und Schriftsteller François Sureau meinte gar, in der Schweiz seien Volksinitiativen sowieso nur Anliegen der Linken. 

Man kann bei einer Volksabstimmung auch verlieren, ohne gleich auf die Strasse zu gehen

Die Herren haben noch nie etwas von Blocher gehört! Ich empfehle Ihnen und Ihrer Frau Brigitte ein paar erholsame Tage in den Schweizer Bergen, wo Sie garantiert in Ruhe gelassen werden und sich darüber aufklären lassen können, warum bei uns sozialer Friede herrscht und wie vernünftig bei uns das Volk mit Referendum und Initiative umgeht. Und dabei vor allem eins gelernt hat. Man kann bei einer Volksabstimmung auch verlieren, ohne gleich auf die Strasse zu gehen. Ob das in Frankreich auch geht?

Mit freundlichen Grüssen

Peter Rothenbühler

am 19.12.2018
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