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Die Rothenbühler Kolumne

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind.

«Die Grünen predigen Wasser und trinken Wein»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem grünen Stadtrat Daniel Leupi, der sich für günstiges Wohnen in Zürich einsetzt, seine eigene Wohnung aber für einen hohen Mietzins ausschreibt.
Rothenbühler Kolumne SI Nr. 22 / Ausgabe vom 1. Juni 2018
© Steffen Schmidt/Keystone

Sorgt fürs Alter vor: Der Zürcher Stadtrat Daniel Leupi vermietet seine Wohnung für CHF 5'080.-

Lieber Daniel Leupi

Mit Schadenfreude lesen wir, dass Sie, der grüne Stadtrat, der sich für günstiges Wohnen in Zürich einsetzt, privat ein Haus besitzen, in dem Sie eine 5½-Zimmer-Wohnung für einen Mietzins von 5'080 Franken ausschreiben. Völlig überrissen, sagen die einen, ein normaler Marktpreis, wehren Sie sich, schliesslich sei das Haus Ihre Altersvorsorge! 

Andere machen es auch so, das ist nun mal der Markt, sagen Sie. Ihre lieben Partei-Kolleg(inn)en beissen sich auf die Finger und halten, mit ganz wenigen Ausnahmen, das Maul. Dieser Tolggen im Reinheft dürfte der Glaubwürdigkeit schaden: Die Grünen predigen Wasser und trinken Wein, heisst es schon. 

Wenns um den eigenen Stutz geht, wird man geizig und gierig

Ihr Fall zeigt, wie die Doppelmoral einiger Grünen und Linken funktioniert. Wenn es ums Geld der andern geht, also der Steuerzahler, dann zeigt man sich sehr grosszügig. Wenns um den eigenen Stutz geht, wird man geizig und gierig, wie jene, die man dauernd denunziert. 

Als Finanzvorsteher der Stadt Zürich haben Sie die unüblich tiefen Mietzinse in den städtischen Altstadtwohnungen so verteidigt: «Wenn die Stadt für alle ihre Wohnungen im Kreis 1 eine Marktmiete verlangen würde, wäre das ein Sargnagel für das Leben in der Altstadt.» Dass viele Mieter die Billigwohnungen zu Marktpreisen untervermieten, also den Gewinn einstreichen, der der Stadt verlustig geht, ist Ihnen da egal. Hauptsache, die Altstadt lebt. Und Hunderte von dankbaren Grün-Wählern bleiben in der Stadt. 

Aber wenns ums eigene Geld geht, da gibts keine politischen Werte und Hintergedanken. Da wird man zum Apostel des Marktes. Willkommen im bürgerlichen Hauseigentümerverband!

Mit freundlichen Grüssen

Peter Rothenbühler