rothebuhler-blog.png

Die Rothenbühler Kolumne

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind.

«Ein Mann hätte das nie gemacht – Sie aber pfeifen drauf»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal der Aargauer SP-Ständerätin Pascale Bruderer.
Pascale Bruderer
© Sabine Wunderlin / SonntagsBlick / RDB

Offen für Neues. SP-Ständerätin Pascale Bruderer hört 2019 auf. Was kommt danach?

Liebe Pascale Bruderer

Zuerst kam mir ein ketzerischer Gedanke, als ich hörte, dass Sie mit zarten 40 Jahren der Politik Tschüss sagen. Ein Mann hätte das nie gemacht, dachte ich. Männer, die sich auch nur die kleinste Chance ausrechnen, mal Bundesrat zu werden, bleiben dran.

Sie aber pfeifen drauf. Dabei sind Sie ein Mozart der Politik, die jüngste Nationalrätin, die jüngste Nationalratspräsidentin, begeistert, engagiert, erfolgreich. Stets gut gelaunt und allseits beliebt, Everybody’s Darling, pragmatisch und unideologisch. 

Selbst politische Gegner nicken zustimmend in Ihre Richtung, wenn die Frage aufkommt, wer wohl geeignet wäre, in sechs Jahren Simonetta Sommaruga im Bundesrat abzulösen. Klarer Fall. Gerade heute, wo in Frankreich und Österreich junge Hochbegabte die Exekutivämter erklimmen. 

Ein Mann hätte das nie gemacht – Sie aber pfeifen drauf

Und jetzt? Es ist, als ob Federer nach zehn Grand-Slam-Titeln gesagt hätte, Freunde, es gibt noch was anderes im Leben als Tennis. Oder Beat Feuz nach dem Lauberhorn-Sieg erklärt hätte, die Streif überlasse ich mal der Konkurrenz. Aber vielleicht sind Sie einfach viel raffinierter als viele Männer. Ein kleiner Umweg in die Wirtschaft macht Sie noch fitter. 

In sechs Jahren sind Sie 46, gleich alt wie Alain Berset bei seiner Wahl. Und werden nicht Nein sagen können, wenn man Sie ruft. Inzwischen werden aber noch andere Jobs frei, die Sie – als sozial engagierte Frau mit Führungserfahrung – interessieren könnten. Warum nicht IKRK-Präsidentin zum Beispiel? Um Ihr Weiterkommen muss sich also niemand Sorgen machen. Sehr schade, dass Sie gehen, ich sage nur leise: auf Wiedersehen.

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler

Im Dossier: Weitere Rothenbühler-Kolumnen