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Die Rothenbühler Kolumne

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind.

«Ich hatte auf die glatte Nudel aus Israel gewettet»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal Netta Barzilai, der Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2018.
Gewinnerin ESC 2018 Netta aus Israel ESC-Final-Show vom 12.05.2018
© AP

Schrille Nudel! Netta räumt in Lissabon vor Millionen ESC-Fans ab.

Liebe Netta Barzilai

Ich freue mich über Ihren Sieg im Eurovision Song Contest. Denn ich hatte auf Sie, die glatte Nudel aus Israel, gewettet. Weil es heute ums Image geht. Ich erinnere an Conchita Wurst, die Frau mit Bart, die  wenigstens gut sang. 

Lys Assia, Paola oder Céline Dion hätten null Punkte heute: Sie singen zu gut, sehen zu gut aus. Die Gewinnerin darf heute nicht den gängigen Vorstellungen von Schönheit und Geschlecht entsprechen. Der Song muss modisch engagiert sein. Liebeskummer ist out, #MeToo ist angesagt. Mit Ihrem Liedchen «Toy» sind Sie im Trend. «I’m not your toy», schreien Sie. Und zeigen damit sogar Humor: Wer kommt schon auf die Idee, Sie als Spielzeug zu betrachten?

Politik ist in der Kultur zum dominierenden Kriterium geworden

Ihr Sieg war genauso voraussehbar wie die Palmen beim Filmfestival von Cannes: Sobald der Film von Unterdrückung, Verfolgung oder gar Sklaverei handelt, kriegt er einen Preis. Politik ist in der Kultur zum dominierenden Kriterium geworden (ob der Song Contest noch zur Kultur gehört, ist eine andere Frage). 

Nur eins hat mir als engagiertem Tierschützer nicht gefallen: der Chicken-Tanz, den Sie und Ihre Musiker auf der Bühne aufführen. Machen Sie sich da über Hühner auf der Flucht lustig? Was nicht nett wäre. Oder möchten Sie, dass selbst Hühner lachen bei Ihrem Auftritt? Dann ist es auch für mich in Ordnung.

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler

Das Sieger-Lied 2018 aus Israel: