Die Rothenbühler Kolumne

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind.

«Ungestraft zeigen Sie: Der geklaute Kuss gehört zum Leben»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal der Drehbuchautorin und Filmregisseurin Güzin Kar.

© Tanja Demarmels / 13 Photo

Sexserie in der Sexwüste Schweiz: Autorin Güzin Kar, 47, machts fürs SRF.

Liebe Güzin Kar

Sie waren knapp 13, als im Schweizer Fernsehen für ein paar Sekunden ein nackter Busen aufblitzte. Bei einer Bettszene zwischen Gouvernante (Silvia Jost) und Koch (Jörg Schneider) der Erfolgsserie «Motel» rutschte das Leintuch. Jessesgott! «Blick» bashte das Fernsehen tagelang. 

Heute darf die Nele in Ihrer Serie «Seitentriebe » Busen mehrmals zeigen. Und niemand macht nur «ups». Der Zuschauer ist abgebrüht. Herr und Frau Schweizer durchqueren sowieso gerade eine Sexwüste. Könnte man meinen, wenn man die Moral Ihrer wirklich witzigen Kleinserie zusammenzufassen versucht: Bei Langzeitpaaren (und Langzeit beginnt heute bei sechs Monaten!) herrscht tote Hose, Unlust. 

Ungestraft zeigen Sie: Der geklaute Kuss gehört zum Leben

Und wenn Geilheit, dann auf andere, darum «Seitentriebe». Echt erfrischend, was Sie gerade mitten in der «MeToo»-Welle (ungestraft) zeigen: der geklaute Kuss gehört zum Leben, und die geilsten Figuren, die Abenteuer suchen, sind nicht die Männer. «Ich will im Bett nicht die dargebotene Hand», sagt Ihre Heldin, «ich will eine Wildsau!» – «Beute von einem Mann sein» will eine andere. Und ein Mann sagt, er sehe bei der Frau zuerst «Gesicht und Arsch». 

Einer Frau, die Kunst studiert und Simone de Beauvoir gelesen hat und jetzt am Hosenbein eines Mannes hängt, werden streng die Leviten gelesen. «Ich wollte einen Job und mehr Sex und habe einen Mann mit Kinderwunsch», stöhnt die Arme. Und ihre Freundin träumt von Analsex. Das kann ja noch bunt werden. 

Vielleicht kommt ja auch mal einvernehmlicher, ehelich legitimierter lustvoller Sex vor. Das soll es geben! Ich freue mich auf die nächsten Folgen.

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler

Im Dossier: Weitere Rothenbühler-Kolumnen

Peter Rothenbühler am 28. Februar 2018, 16.15 Uhr