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Die Rothenbühler Kolumne

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind.

«Will mich jetzt meine Versicherung entsichern?»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal CSS-Chefin Philomena Colatrella.
Philomena Colatrella
© Peter Mosimann/Sonntagsblick

Radikalkur für kranke Krankenkassen? CSS-CEO Philomena Colatrella hat eine Idee: die 10 000-Franken-Franchise!

Liebe Philomena Colatrella

Sie haben recht. Es braucht völlig neue Ideen zur Senkung der Gesundheitskosten und vor allem der Krankenkassenprämien. Ich frage mich aber, wie christlich und sozial der Vorschlag ist, den Sie in die Luft geworfen haben, die Mindestfranchise der Versicherten von heute 300 auf 5'000 oder gar 10'000 Franken anzuheben. 

Ist das Ihr Ernst oder nur eine Petarde, um Aufmerksamkeit zu erregen? Letzteres ist Ihnen gelungen. 

Alle wissen jetzt, dass die CEO der christlich-sozialen Krankenkasse CSS fast so heisst wie die Kollateralschäden, die sie mit ihrem Hammerschlag (im «SonntagsBlick»-Interview) ausgelöst hat: Den Leuten wird angst und bange. Die fragen sich: «Will mich jetzt meine Versicherung entsichern?» Die meisten würden doch bei einem solchen Selbstbehalt einfach nicht mehr zum Arzt gehen, was ja – wie Sie wissen – die Kosten im Gesundheitswesen eher erhöhen würde: Wer zu spät zum Arzt geht, wird teuer. 

Die Realität Ihrer Kunden

In den schönen Werbekampagnen Ihrer CSS werden «Geschichten erzählt von Menschen, die sich die Mühe nehmen, sich in andere einzufühlen, und dadurch ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen», die «für Geborgenheit sorgen», «Verständnis zeigen», «mit Rat zur Seite stehen». 

Was mich betrifft, bin ich zurzeit eher ratlos und kann für Ihre Vision kein Verständnis zeigen. Bundesrat und Parlament haben schon grosse Mühe, den tiefsten Selbstbehalt von 300 Franken auch ganz wenig zu erhöhen, weil das für viele Menschen eine finanzielle Zumutung wäre. 

Vielleicht sollten Sie sich doch einfach mal die Mühe nehmen, sich in die Realität Ihrer Kunden einzufühlen.

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler