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Die Rothenbühler Kolumne

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind.

«Pierre-Yves Maillard, Sie haben ein geöltes Mundwerk»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem künftigen Präsidenten des Gewerkschaftsbundes und Nationalratskandidaten Pierre-Yves Maillard. 
Pierre-Yves Maillard
© KEYSTONE / LAURENT GILLIERON

Als oberster Gewerkschafter so etwas wie der achte Bundesrat: Pierre-Yves Maillard, 50.

Lieber Pierre-Yves Maillard

Jetzt gehts doch weiter mit der Karriere. Als Bundesratskandidat hatten Sie 2011 ein Handicap, waren in der Deutschschweiz als aggressiver Gewerkschafter verschrien. Da hatte Alain Berset die besseren Karten. Nur im Welschland war bekannt, wie pragmatisch Sie als Regierungsrat der Waadt agierten. 

«Links» ist für Sie kein Schimpfwort, aber Sie verkörpern geradezu idealtypisch die drei schweizerischen Ks: Konkordanz, Kollegialität und Kompromiss. Und Sie haben ein geöltes Mundwerk, als grosser Fussballfan könnten Sie jederzeit Radioreporter werden. 

Sie verkörpern geradezu idealtypisch die drei schweizerischen Ks: Konkordanz, Kollegialität und Kompromiss

Gemeinsam mit dem freisinnigen Pascal Broulis, dem anderen Alphatier der Regierung, haben Sie im Kanton die Unternehmenssteuerreform beim Volk durchgebracht, weil es Ihnen gelang, diese mit entscheidenden Ergänzungsleistungen für die Familien zu verbinden. Schon früher, als Gewerkschafter, haben Sie bewiesen, dass Sie kein Haudrauf sind, vielmehr ein überzeugender Volkstribun, Verhandler und Vermittler, der für seine Leute konkrete Tore schiessen will. Dank Ihnen wurden gewisse Firmen nicht ausgelagert (etwa der Maschinenbauer Sapal in Ecublens) oder geschlossen. 

Jetzt treten Sie in die Fussstapfen von Paul Rechsteiner als Präsident des Gewerkschaftsbundes und kandidieren für den Nationalrat. Das wird spannend: PYM als «achter Bundesrat», der für den 13. Monatslohn und gleichen Lohn für alle kämpft und in der Gesundheitspolitik ein gewichtiges Wörtchen mitreden will. 

Schwierig wird es nur privat: Die Herumreiserei im ganzen Land wird nicht vermeidbar sein. Ihre neun- und elfjährigen Kinder werden Sie öfter vermissen. 

Mit freundlichen Grüssen

Peter Rothenbühler