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Peter Rothenbühler schreibt Pierre Maudet

«Seit Jahren fragt man sich, wem es je gelingen würde, Sie zu Fall zu bringen»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem Genfer Regierungspräsident Pierre Maudet.

Ein Bild

Lieber Pierre Maudet

Sie sind ein Phänomen. Aufgestiegen wie eine Rakete, vom Jugendparlament bis zum Regierungsrat. Freisinnig, mit Herz für Arme. Als «Sheriff von Genf» beliebt. Die Medien überhäuften Sie mit Lobeshymnen. Sie hatten ein erstklassiges Beziehungsnetz. Selbst Bundesrat hat man Ihnen zugetraut. Beim zweiten Anlauf wird es reichen, sagten alle. Man verglich Sie mit Emmanuel Macron, auch er weder links noch rechts. 

Und jetzt das: Sie stürzen vom Podest des Wunderkindes. War es Hybris oder Naivität? Wie konnten Sie nur glauben, aus einer Untersuchung wegen Annahme eines Vorteils ungeschoren rauszukommen? Indem Sie einfach alles abstreiten? Indem Sie alle anlügen, die Medien, die Kollegen, das Parlament?

Pierre Maudet
«Sheriff von Genf»: Regierungspräsident Pierre Maudet hat seine Glaubwürdigkeit verspielt. Remo Nägeli

Nein, die Reise mit Familie an ein Formel-1-Rennen in Abu Dhabi war nicht eine Einladung des Scheichs, haben Sie steif und fest behauptet. Das war rein privat. Den Scheich hätten Sie zufällig in der Hotelhalle getroffen. Bezahlt hätte der Freund eines Freundes. 

Pierre Maudet hat gelogen

Dann kommt, wie ein Hammerschlag, der Bericht des Staatsanwaltes: Pierre Maudet hat gelogen. Es war eine offizielle Einladung des Scheichs inklusive Businessclass, Luxussuite, Loge am Rennen etc. Wie konnten Sie nur? Jeder weiss, dass in der Politik die Annahme eines Vorteils gestraft wird, aber irgendwann verziehen werden kann.

Wie konnten Sie nur?

Brandschwarz lügen aber, um den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, das ist unverzeihlich, weil die Glaubwürdigkeit futsch ist. Seit Jahren fragt man sich, wem es je gelingen würde, Pierre Maudet zu Fall zu bringen. Sie haben ihn selbst gefunden: Er heisst Pierre Maudet. 

Mit freundlichen Grüssen

Peter Rothenbühler

am 12. September 2018