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Die Rothenbühler Kolumne

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind.

«Warum haben Sie es gemacht? Ohne Not, ohne Anlass?»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem Aussenminister Ignazio Cassis, der sich eine unschöne Bemerkung über die UN-Flüchtlingshilfe erlaubt.
 Ignazio Cassis
© Keystone

«Ein bisschen wie Trump»: Aussenminister Ignazio Cassis setzt sich munter in die Nesseln.

Lieber Ignazio Cassis

Eins gefällt mir an Ihnen: Sie sagen einfach gerade heraus, was Sie denken. Obschon Sie Aussenminister eines neutralen Landes sind, das eher friedensfördernd als konfliktfördernd wirken will. Zum Beispiel im Nahen Osten. 

Dort kann man als Schweizer Aussenminister eigentlich nur Eiertänze machen. So gesehen ist es fast bewundernswert, wenn es nicht bedauerlich wäre, wie Sie sich munter in die Nesseln gesetzt haben mit Ihrer Bemerkung, die UN-Flüchtlingshilfe für Palästinenser (UNRWA) sei eher ein Hindernis für Frieden im Nahen Osten, sie verhindere die Integration von Palästinensern in Jordanien und im Libanon, weil sie für die Flüchtlinge den Traum von der Rückkehr in die Heimat aufrechterhalte. Auch wenn das viele Experten so sehen, dürften Sie als Aussenminister so was nicht verkünden. Schon gar nicht ohne Rücksprache mit ihren lieben Kollegen. 

Ihre Vorvorgängerin Micheline Calmy-Rey hat schon recht, wenn sie am Radio sagt, Sie würden halt ein bisschen wie Donald Trump agieren. Einfach mal eine Provokation fallen lassen und dann schauen, was für Kreise sie zieht. Ich hoffe nur, Sie fangen jetzt nicht an, auch zu Nordkorea und zu Iran und zur Fussball-WM in Russland heisse Sprüche rauszulassen. Ein Aussenminister, der dauernd seine persönliche Meinung kundgibt, am Ende noch per Twitter am Morgen beim Rasieren, das wäre ein Albtraum. 

Eins bleibt mir ein Rätsel: Warum haben Sie es gemacht? Ohne Not, ohne besonderen Anlass? Privat dürfen Sie US- und Israel-Fan sein, im Amt müssen Sie wohl oder übel in diesem unseligen Nahostkonflikt strikt unparteiisch bleiben. 

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler