Eat Pay Live

Aus der Mitte entspringt ein Bierfluss

Die dritte und letzte Woche unseres Trips führt uns nach Zentralvietnam. Hoi An ist schon wieder ein Welterbe – und diesmal eines, das den Titel verdient hat. Wir bleiben länger als geplant und betreiben interkulturellen Austausch.

Summer und ich sind müde. Wir haben den Punkt erreicht, an dem das ewige Hotelsuchen oberlästig wird, die ewigen Preisverhandlungen nur noch nerven und selbst Fliegen nicht mehr wirklich bequem ist. Hoi An verspricht Entschleunigung. Übersetzt bedeutet der Name des Städtchens am Meer (gemäss Wikipedia) «ruhige Gemeinschaft oder friedvoller Versammlungsort»: Genau das, was wir brauchen! So empfängt uns Hoi An denn auch mit Grüntee auf dem Zimmer, Pool auf dem Dach und einer ultraherzlichen Receptionistin, die leider schon zu alt ist für eine Adoption.

Von der Vergangenheit eingeholt

Zwei Tage schweben Summer und ich durch enge Gässchen, schlendern am Fluss entlang und machen Strandspaziergänge. Sogar der Muskelkater, von dem wir nach wie vor nicht wissen, woher er kommt (Summer tippt auf Alkohol), löst sich. Kurz bevor wir uns vor lauter Romantik in uns selbst verlieben, werden wir aus dem Dornröschenschlaf geweckt:  «Heeeeey, swiss giiiiiirls!», schreit es aus einer Bar. Es ist der griechische Sexgott aus Vang Vieng, in Begleitung von zwei Kate Mossen – auch er scheint in sich gegangen zu sein, beim Tubing hatte er noch Adeles dabei.

Das Treffen wird zur Zeitmaschine, die Tage werden wie von Zauberhand vorwärts gespult und plötzlich sitzen wir mit einem Schlafmanko von ungefähr 100 Stunden wieder am Flughafen. Ein Rekapitulationsversuch:

Also...

Das Sleepy-Gecko-Guesthouse bietet die perfekte Atmosphäre für den Sundowner am Fluss: Eine alte Villa, riesige Sessel, kühles Bier. Und Steve, den wohl unterhaltsamsten Gastgeber ausserhalb Englands.

Die 4U-Bar schenkt Gin Tonics im 2-für-1-System aus, aber nur für «Grils». Hat Tim, der Chef, den «Grils» genug eingetrichtert, kassiert er im 1-für-2-System ein. Trotzdem muss man da wieder hin: 1. ist es die einzige Bar in der Altstadt, die auch nach 22 Uhr geöffnet hat und 2. wählt man da seinen Chauffeur für den Weg in die Why-Not-Bar.

Die Why-Not-Bar schenkt Rum Cola im All-you-can-drink-System aus und verlangt dafür bis Mitternacht lediglich ein Lächeln. Danach wird auch klar, warum auf den Flyern ein «Fooltable» angepriesen wird: Ist die Very-happy-hour vorbei, tanzen darauf keine Kugeln mehr sondern Gäste. Also wir.

Die Drink-Specials führen unweigerlich zu vielen neuen Freunden und zur intensiven Auseinandersetzung mit Vorurteilen:

  • Deutsche können tatsächlich lustig sein und nicht alle müssen zwanghaft über Preise diskutieren.
     
  • Holländer sind eigentlich Schweizer mit starkem Akzent (oder Summer und ich sind unglaublich sprachbegabt) und selbst im hohen Alter noch sehr trinkfest.
     
  • Australische Football-Profis sind etwa so unterhaltsam wie Schweizer Fussball-Profis, nur doppelt so gross und ohne Ohrring.
     
  • Spanier sind wie Spanier, wir verstehen nur Spanisch...aber ihre Bärte wachsen schön. 
     
  • Kanadier sind laut und irgendwie wie Deutsche, also so, wie Deutsche normalerweise klischiert werden.
     
  • Engländer sind entweder jung, wild und sexy (also nett anzusehen, aber weniger nett im Umgang), oder alt, sarkastisch und zuvorkommend (also das Gegenteil).


Die langen Nächte und die vielen Unterhaltungen enden in Hoi An meist in Hotelpools und zwar erst bei Sonnenaufgang.

Der Schlafmangel führt zu Gruppenrelaxen am Cua-Dai-Strand, der übrigens locker mit den vielfach angepriesenen Stränden Thailands mithalten kann. Und: Im Zero Sea(s)mile Restaurant (Nr. 11) gibt es den bisher besten Seafood-Salad ever sowie die frischesten Prawns. Und es gibt wieder Bier, was die angeschlagene Gruppe wiederum zum Gang in die 4U-Bar motiviert.

Hier schliesst sich der Kreis. Vier Tage in Hoi An vergehen, gute Vorsätze verschwinden und am fünften Tag zieht Lanz die Reissleine. Das Ende naht. Und Ho Chi Minh wird uns beweisen, dass das Beste eben nicht immer zum Schluss kommt...