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Babs im Wunderland

Bangkok ist im süüüüüüss! Zumindest bei mir im Wohnblock und im Einkaufszentrum Central World, wo sich ein paar junge Männer aus Singapur «Candy Men» nennen: Zu Besuch bei «Made in Candy» - wo nicht nur der Zucker schmilzt.

Mein Zuhause ist anders! Da komme ich von meinem Hausarrest in Kuala Lumpur zurück nach Bangkok und finde die sonst einer Leichenhalle ähnliche Shopping-Arkade im Erdgeschoss meines Wohnblocks seltsam belebt vor. Dort, wo sonst leere Schaufenster vor sich hingähnen, finde ich plötzlich einen Kleiderladen, ein Beauty-Studio und...eine Küche, in der junge Leute wild herumwirbeln. Bei näherem Hinschauen entdecke viel buntes Zeugs und dampfende Töpfe und dann ist da dieser Geruch: wie an einem Sommernachmitag im Garten beim Himbeerstrauch. Oder beim ersten Biss in die superreife Wassermelone.  Ich kann nicht anders, ich muss rein und wissen, was da läuft.

Folgendes:

  • zwei Brüder haben hier einen Ableger ihres Süssigkeiten-Imperiums namens «Made in Candy»
     
  • Wayne und Ruan Lim sind ursprünglich aus Singapur, haben dort zwei Shops, zwei weitere jetzt in Bangkok (die Schwester lebt übrigens in Zürich, die Welt ist klein, ich schicke Grüsse!)
     
  • in der Küche in meinem Haus bilden sie gerade die Truppe für den nächsten Shop auf den Philippinen aus
     
  • flüssiger Zucker wird uuuuuuuh heiss (ja, gut, das wussten wir schon)
     
  • aus ganz viel Zucker, mit viel Farbe und ganz viel Show kann man ganz viel tolles Schleckzeug machen (ja, auch das wussten wir, aber dieses Video zeigt, wie toll in diesem Fall toll ist)

  • und jetzt das Beste: das Team besteht aus ca. 40 Leuten insgesamt und...eingestellt werden nur gutaussehende Menschen!


Da Lanz nicht aufhört, fasziniert zu sein, laden mich die beiden ein in ihren Shop im Einkaufszentrum Central World. Sozusagen also in den «Hollister» der Süssigkeitenbranche, ins Wunderland für Candy-Fans, ach, halt einfach ins Mekka der Konditoren-Tochter! Und nein, das wird keine I'll-take-you-to-the-candy-shop-I'll-let you-lick-undsoweiter-Geschichte!

Martial Arts in süsser Form

Nun muss man wissen: die Thais lieben Drama und genau das erlebe ich in meinen zwei Stunden bei den Candy Men in der Mall. Es dröhnt Psys «Gangnam Style» und ab und zu irgendwas von Lady Gaga durch die Food-Meile, Thai-Teenies scharen sich wie Groupies um die offene Küche und dann legen die Melassen-Ninjas los. In Zweierteams werden Zuckerklumpen bearbeitet (ich kann mir nicht helfen, das Schaben und Verteilen erinnert irgendwie an Raclette), es wird gezogen, geknetet, gehackt - bis die Männer ganz schön ins Schwitzen geraten. Spätestens als der Chef (Ruan) persönlich an die heisse Platte steht und frisch gemachte Zeltli verteilt, schmilzt im 7. Stock des Central World nicht mehr nur der Zucker.

Aus den Töpfen riecht es jetzt nach Grapefruit, die nächste Ladung Zucker steht bereit. Ich will schon fast meinen Finger in die 130-Grad-heisse Masse stecken, da werde ich kurz und hart aus meinem Zuckerschock gerissen. Ich habe das Skizzenbuch fürs Wassermelonen-Zückerli fotografiert: «Das ist streng geheim», werde ich von Ruan ermahnt. Klar, werden doch die Vorlagen eigens designt und in hartem Training einstudiert.

Ja, ich weiss jetzt, dass Zeltli machen wohl definitiv als Kunst definiert werden kann. Hier in Thailand vielleicht sogar als Martial Arts in süsser Form. Und ich weiss jetzt endgültig, weshalb mich dieser unscheinbare Laden im meinem Haus so magisch angezogen hat. Es waren nicht die Männer. Es waren nicht die Farben. Es war dieser Duft, den ich zuletzt in dieser Form als kleines Mädchen gerochen hab. Als ich mich an die verbotene Schublade in der Konditorei meiner Eltern schlich...