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«Backpacking ist gar nicht mal so schlimm»

Eine Woche Ferien für Lanz! Wie sich ein Road Trip mit dem Zug nach Chiang Mai als must have in jedem Traveler-CV entpuppt und warum Rucksacktouristen eben nicht gleich Rucksacktouristen sind.

Pauschaltourismus in Thailand ist ungefähr so unsinnig wie Individualtourismus in Aserbaidschan.

Es gilt also, meinen Besuch aus der Schweiz in die Vorzüge des Backpacking einzuführen und das geht – habe ich mir sagen lassen – am besten mit einer Zugreise durch Thailand. Mit Rucksack und in Vollmontur (Shorts und Shirt am Leib, Hosen, Jacke und Schal in der Tasche) machen sich Amélie und ich auf den Weg zum Hauptbahnhof in Bangkok. Das Ticket nach Chiang Mai haben wir innert Minuten: 2. Klasse (man will ja nicht auffallen), Schlafwagen (man will ja doch noch ein wenig Komfort), Frauenabteil (wollte man eigentlich ausdrücklich nicht). Was wir sonst noch alles erwarteten, und was wir am Ende bekamen, haben wir in der «Damit haben wir gerechnet und das hat uns total überrascht»-Liste zusammengetragen:

Erwartet: absolutes Rauchverbot im Zug
Entdeckt: den für Schweizer Verhältnisse unwahrscheinlichsten Ort mit Erlaubnis zum Rauchen – den Speisewagen

Erwartet: 4er-Frauenschlafabteil
Vorgefunden: Mann und Frau und Kind (Thai-Familie mit Gepäck für ein ganzes Dorf)

Erwartet: nette Bekanntschaften mit australischen Surfern
Getroffen: den schweigsamen Corey aus Alaska und den Ladyboy erprobten Jêrome aus Frankreich

Erwartet: Verspätung...aber keine dreieinhalb Stunden!!!!

Erwartet: Mieses Essen
Bekommen: Fried Rice mit Chicken, frisch zubereitet

Erwartet: Miese Toiletten
Vorgefunden: Thai-WC (zum Stehen) inkl. regelmässiger Räucherstäbli-Weihung

Erwartet: eine holprige Fahrt (man hört ja so einiges)
Bekommen: den Neigezug from Hell! «mal füre, mol hindre, mol links, mol rechts...»

Nach besagten 17!!!! Stunden Fahrt, etlichen Zigaretten, einigen Changs und doch noch ein paar Stunden Schlaf haben wir Chiang Mai erreicht. Am Bahnhof der Stadt steht übrigens eine Original-Dampflokomotive der Rhätischen Bahn und auch sonst ist die Schweiz gut vertreten im Norden Thailands. Unser Guesthouse gehört einem Schweizer, die Gäste sind es auch mehrheitlich und die meisten davon leben in Chiang Mai. Amélie und ich haben deshalb entschieden, gänzlich unschweizerische Dinge zu unternehmen – was wir jedoch nicht gänzlich geschafft haben:

  • Tour zum Suthep-Tempel mit Töff – CHECK
  • Tour zum Kristall-Buddha – FAIL (nicht gefunden)
  • Tour zum Ruinen-Tempel – FAIL (gar nicht erst gesucht, da am Ende mit den Nerven vom Töfffahren)
  • Thai-Massage – CHECK
  • Fuss-Massage – CHECK (inkl. Muskelkater am Tag danach)
  • Pedicure - CHECK
  • Night-Bazaar – CHECK
  • Trekking-Tour – FAIL (kommt schlicht nicht in Frage)
  • Party-Wagon – CHECK (mehrmals, da direkt vor der Haustür)
  • Zimmer ohne Air-Condition – CHECK (im Hitzedelirium erinnert man sich an die Geschichte von Hänsel und Gretel...was vielleicht auch mit dem Party-Wagon zusammenhängt)
  • Moskito-Stiche – CHECK (what else)

Das Fazit von Amélie zum Trip gen Norden: «Backpacking ist gar nicht mal so schlimm, die zwei Tage waren echt noch schön.»

Mein Fazit zum Trip gen Norden: Wir beide schaffen eine Stadt, in der es tatsächlich Menschen gibt, die zwei Wochen bleiben, auch in zwei Tagen - und Backpacking scheint eine Definitionssache (zumindest in unserem Fall).

Und jetzt geht's weiter nach Süden – mit dem Flieger. Und wenn Dominik  - « I’m not kidding» - noch nicht von einem Taxifahrer ermordet worden ist, sind wir bald wieder zu dritt...