Eat Pay Live

Bangkok-Bars

Das Nachtleben in Bangkok ist zu vielseitig, ohne Plan endet man leicht im Seich. Bloggerin Barbara Lanz verrät ihre Geheimtipps für den Abend.

Meine Freunde und ich hier in Bangkok sind eigentlich stolze Geheimnisträger. Wir posten zwar Fotos von unseren Samstagnächten auf Facebook und flippen dazu verbal aus, wo wir aber genau Spass haben, verraten wir ungern. Jetzt reichts mit dem Kindergarten. Ganz offiziell und schriftlich gibts hier die Ausgeh-Tipps für die Stadt:

FÜR ANFÄNGER
«Cheap Charlie’s»
Das kleine Bärlein steht an der Soi 11 Sukhumvit und komische Menschen dürften es gerne übersehen, weil sie zu den bekannten Lokalitäten namens Bed Supperclub, Above Eleven und Levels tingeln. Bei Cheap Charlie's treffen sich hingegen mehrheitlich Expats zum Feierabendbier. Und das ist mit 60 Baht (ca. 2 Franken) wirklich billig. Drinks kosten pauschal 70 Baht, was unweigerlich dazu führt, dass die Gäste relativ schnell relativ betrunken sind und so den Abend klassisch «verhängen». Bei «Cheap Charlie’s» ist übrigens alles aus Holz und der alte Barbesitzer steht auf Krimskrams. Und auf Penisse - die als Sitzlehne fungieren. In dieser Bar geht eben irgendwie alles. Fast. Auf dem WC darf man nur Bisi und das wird freundlicherweise vom Barpersonal kontrolliert. Da Charlie eben schon älter ist, schliesst die Bar um Punkt 23.30, wer also dann noch laufen kann, der endet womöglich doch noch in irgendeinem In-Schuppen. 

FÜR FORTGESCHRITTENE
Ein typischer Bangkok-Abend beginnt im «WTF». Das ist die nette Bar im Nirgendwo, über die ich schon einmal geschrieben habe. Die mit den Hipstern und dem Gin Tonic für 10 Stutz. Nett für Apéro, aber danach muss man weiter.

«Iron Fairies»
Klein, voll, toll. Diese Bar ist eine Oase im chicen Thonglor-Quartier (da, wo die Reichen ausgehen). Im oberen Stock des Lokals gibts grandiose Drinks und mit etwas Glück auch einen Sitzplatz. Inklusive sind Nüssli, deren Schalen auf den Boden geworfen werden und die so für eine Art Stallgefühl sorgen. Spätestens wenn der Live-Act auf der alten eisernen Wendeltreppe Chansons trällert, ist man aber im Märliland. Wer mehr braucht, der sollte unbedingt den alten Apothekerschrank öffnen - das ist nämlich die Tür zum Heizraum, oder eben zu dem Raum, in dem die Raucher sind.

«Sonic»
Vom «Iron Fairies» ist es ein Katzensprung zum Club im alten Fabrikgebäude. Im Sonic war schon Skrillex, aber vor allem sind da die «Trasher»-Transen, die regelmässig Motto-Parties schmeissen. Ein Lady-Gaga-Abend kann angesichts der Kostüme zwar schnell beängstigend werden, die Wedding-Crasher-Party reissts aber mit wunderschönen männlichen Bräuten à gogo locker wieder raus. Ist das «Sonic» zu hip, gibts eine wunderbare Alternative.

Silom Soi 4
Die Schwulenmeile in Bangkok eignet sich, natürlich, für Schwule, aber vor allem für alleinreisende Frauen. Eine Fülle an netten, gutaussehenden, aber ganz und gar nicht aufdringlichen Männern erwartet euch. In der «Bas Bar» sollte man den Long-Island-Ice-Tea trinken (selbst wenn man dem Zeugs vor Jahren abgeschworen hat). Denn spätestens nach dem zweiten ist jeder bereit für ultimatives Halli Galli im «DJ Station». Der Club bietet schräge Live-Shows, zahlbare Drinks und gute Laune. Und: Niemand, absolut niemand, geht heim, ohne in einem der Käfige getanzt zu haben... Selbst wenn man sich auch da geschworen hat, so etwas nie (mehr) im Leben zu tun.

FÜR TOURISTEN
Hä jo, es ist halt einmal mehr die Khao San Road, an der sich die Touristen mindestens einmal während ihres Bangkok-Aufenthalts austoben müssen. Aber auch da gibts Dinge, die besser sind als andere. Und schwieriger zu finden. Deshalb gehen alle nachfolgenden Tipps von der Chakkapong Road aus:

«Kim’s Cocktails»
Eine typische Bucket-Bar, die erst am Abend ihre Stühle aufs Trottoir stellen darf. Nach dem McDonald's, der sich auf der linken Seite der Strasse befindet, sollte man sich auf Männer in violetten T-Shirts achten. In der Regel halten sie ein Kartonschild mit der Aufschrift «Best Cock in Town» in die Höhe. Für 10 Stutz gibts bei den freundlichen Menschen ein Bucket («London Calling» ist empfehlenswert) und von den Plastikstühlen aus zudem beste Sicht auf die flanierenden Touris. Eigentlich ist die Bar aber vor allem wichtig, um die nächste überhaupt annähernd finden zu können.

«Hippie de Bar»
Sie liegt schräg gegenüber von «Kim's Cocktails» in einem Innenhof. Das Schild an der Strasse geht inmitten von all den anderen fast unter, aber hat man den Eingang mal gefunden, kann man dort gut und gerne einen ganzen Abend verbringen, auf rostigen Gartenmöbeln den aktuellen Fussballmatch verfolgen oder sich zu einer Gruppe Thais gesellen. Das Retro-Lokal ist eines der wenigen, das zwar mitten im Khao-San-Epizentrum liegt, jedoch weitgehend vor dämlichen Backpackern verschont geblieben ist. Sie findens wohl einfach nicht.

«The Roof»
Auch wenn der Name etwas übertrieben ist, Treppen laufen muss man trotzdem, um diese Bar zu finden. Vom «Hippie de Bar» ausgehend weiter die Khao San Road runterlaufen bis fast zum Ende. Nach dem Club namens «The Club» gehts links in eine Einkaufspassage und von da rauf unters Dach. Im Roof spielen tolle Thai-Live-Bands weniger tolle internationale Hits, aber irgendwie steht dennoch jeder spätestens nach einer Stunde auf dem Tisch.

«Neverland San-Mars»
Ein alter, zur Bar umfunktionierter VW-Bus, wie man sie oft sieht in Bangkok, aber sicherlich der mit Abstand schönste und beste der ganzen Stadt. Wer ihn findet, darf sich auf entspannte Stunden unter freiem Himmel freuen. Ein Tipp: Immer der Soi Rambuttri nach, vorbei an kleinen Guesthouses und Essenständen... Irgendwann gehts rechts und gegenüber eines Buchladens steht: «Neverland San-Mars». Sorry, aber diesen Ort muss man sich einfach selbst verdienen.

FÜR DEN REST
«RCA»
Die Royal City Avenue liegt weit ausserhalb der Stadt. Muss sie auch. Es ist die Chilbi für Erwachsene, mit Open-Air-Clubs am Laufmeter, Bars und Imbissen. Am bekanntesten ist wohl das «Route 66», eine Art Mini-Street-Parade ohne Wägen. Die Nächte in der «RCA» sind lang, die Laser fleissig und die Asiaten gut gelaunt. Aber hey, es ist der Ballermann Bangkoks! Tipp: Auf keinen Fall mit dem Tuk-Tuk anreisen. Die letzten, die das gemacht haben, mussten den Ort der Sünde nüchtern wieder verlassen. Sie haben sich noch vor der grossen Party übergeben...

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