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Big fun in Japan!

Es ist Wochenende in Bangkok und zwar ein besonderes: Die Gay-Community «Trasher» lädt zur Japanese Fetish Party und Lanz merkt mal wieder wie schön Peinlichkeiten sein können.

Bevor ich hier aufschreiben werde, wie unglaublich unterhaltsam ein Samstagabend in Bangkok sein kann, möchte ich Dir, lieber Mail-Terrorist (in den letzten Tagen erreichten mich ca. 40 Mails mit...sagen wir unschönen Ausdrücken) etwas sagen: Feiern ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Du magst Hobbies haben, ich verzichte gerne auf diese Angabe im Lebenslauf. Interessen habe ich aber durchaus und zwar auch andere als Alkohol und Männer – oder wie du es nennst «besoffen flachlegen lassen». Trotzdem gehe ich am Wochenende wirklich sehr gerne in den Ausgang und habe Spass – oder wie du es nennst «kindisch peinliche Abstürze». Und das sieht dann eben zum Beispiel so aus:

«Lanz, wir gehen an eine Japanese Fetish Party, eine Schwulenparty», lässt mich mein Freund, nennen wir ihn Benji, via Facebook wissen, «Trasher» (die machen solche Sachen) lädt ins Sonic, einen Club im In-Viertel Ekkamai. Aber unbedingt, finde ich und kann mir dabei nicht wirklich vorstellen, was mich erwarten könnte. Deshalb lasse ich mich auf ein Erlebnis ein, das für Thais am Wochenende durchaus zum Standardprogramm gehören kann.

18 Uhr: Ich treffe mich mit Benji – er bezeichnet sich übrigens als «Resultat aus den ersten Direktflügen von Zürich nach Bangkok in den späten 70ern» - am Siam Square mit dem Ziel: Verwandlung in etwas Japanisches. Wir suchen nach Kleidern, Perücken, ja, nach dem Look halt. Wir finden nichts.

19 Uhr: Ein Coiffeur solls richten und uns beide wenigstens entsprechend frisieren – und schminken. Während Benji mal eben zum japanischen Teenie-Idol wird, sehe ich in zwei ratlose Augen. Meine Stylistin weiss nicht, was sie mit mir anfangen soll: «You blonde, lady.» Selbst meinen Wunsch nach falschen Wimpern schmettert sie eiskalt ab: «You have lashes, lady.» Mir bleibt ein Verzweiflungskauf – ein Haarreif mit Schleife – und die Hoffnung, dass nach der Flasche Prosecco, die Benji dabei hat, mindestens mein «Konnichiwa» verhebet.

19.45 Uhr: Es folgt der Gang zu dem, was wir in der Schweiz als Passföteliautomat kennen. Wir stellen uns in eine Schlange von Teenies und erleben ein 5-minütiges-pre-Party-Highlight: Hier setzt man sich nicht einfach in die Box und macht 4x Faxen, nein, man durchläuft einen Parcours von Automaten, stellt sich vor bunte Wände, befolgt Anweisungen wie «crazy smile» oder «aaaaaaaaa» und bearbeitet die Fotos am Ende noch mit Bravomässigen Herzli und Stempeln.

20.00 Uhr: Zeit für Drinks. Das «WTF» ist Galerie, Bar und Ruhepol in einem. Hier sitzt, trinkt, diskutiert man. Und man beschäftigt sich intensiv mit seinem Mobiltelefon. Jeder. Nippen, tippen, nippen, tippen. Wir treffen weitere Freunde (aus der Schweiz und Thailand) und beschliessen um ca. 22 Uhr, dass wir bereit sind für den Gang ins Sonic.

02.00 Uhr: Wie ist das passiert? 4 Stunden sind vergangen wie im Flug. Ich habe mittlerweile wahrscheinlich schon 2 Kilo weniger (schwitzen), meine Füsse schmerzen (hohe Schuhe) und ich bin heiser (singen). Ich erinnere mich, mit Männern in Frauenkleidern getanzt zu haben, in einem Kreis aus Menschen ein Silly-Dance-Battle gewonnen zu haben und ungefähr 30 Minuten habe ich in einen Freudentanz investiert. Weil ich die einzigen drei Heteromänner im Club auf ein Foto bekommen habe. Es gab angeblich auch Momente, in denen Benji und ich uns auf Japanisch unterhalten haben. Sagen Leute. Und ich habe ein Video gemacht im Club und dann erst gemerkt, was die da so zeigen auf der Grossleinwand.



Ich erlebe an diesem Samstag in Bangkok einmal mehr, wie entspannend es sein kann, wenn man sich ganz unzürcherisch einen Abend lang zum Affen macht. Wenn Männer lieber meine Haare anfassen, als meinen Hintern. Wenn die Musik, die gespielt wird weder cool noch hip sondern ganz einfach «trasher» ist. Es ist ein echter Abend mit echt lieben Menschen. Einer von den Abenden, die mich am nächsten Tag fast ein wenig sentimental werden lassen. Deshalb beuge ich vor und beende diese Geschichte mit einem letzten Dialog mit Terror-Toni:

«Du schiesst dich ab und findest es auch noch cool.»

Ja.

«Am Morgen danach schämst du dich hoffentlich, wenn du in den Spiegel schaust.»

Nein, mein Lieber, das tue ich definitiv nicht. Sich über diesen Abend zu schämen, wäre, wie sagst du so schön: «unter aller Sau».

Ach und, ps.: Woher auch immer Du diese eine E-Mail-Adresse hattest, sie existiert ab sofort nicht mehr.