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A Bucket List

Jetzt, da die Welt nicht untergegangen ist und grad auch noch ein neues Jahr bevorsteht, darf man wieder planen. Was die Listenliebhaberin eigentlich freuen müsste, macht ihr plötzlich grosse Sorgen, denn: Ich habe keine Bucket List. Und: Ich hasse Neujahrsvorsätze!

Es gibt Zeugs, das braucht es nicht. Für mich zählt die Bucket List dazu. Menschen wollen Dinge, immer. Aber dafür braucht es keine Listen. Im besten Fall weiss man schliesslich, was man will, im allerbesten Fall weiss man, was man nicht will. Deshalb habe ich mir bei der leider nicht vermeidbaren Vor-Weltuntergangs-Bucket-List-Diskussion durchaus auch meine Gedanken gemacht über meine Ziele im Leben. Und natürlich auch über meine Wünsche für mein neues Jahr. Viele davon habe ich mir mit meinem Leben in Thailand erfüllt. Ich bin, nach mindestens 15 Jahren gejammere, endlich mal heimatlos. Ich spreche eine Sprache, die extrem unzukunftsorientiert ist. Ich arbeite nicht mehr so viel und lebe mehr. Aber dann bin ich – mit Hilfe meiner Freunde – zum Schluss gekommen, dass es vor allem vieles gibt, was ich im Leben eben einfach nicht machen möchte.

Und dass es unglaublich einfach ist, eine Liste davon zu erstellen:

Ich möchte mich nicht irgendwo in Indien in einem Ashram selbst finden.

Ich möchte um keinen Preis ein Wi-Fi-freies Leben führen...um endlich wieder «das wahre Leben» geniessen zu können.

Ich will niemals Hüte tragen müssen.

Ich möchte nicht aufhören zu rauchen und auch nicht «endlich mal ein bisschen gesünder» leben.

Ich möchte mein Facebook-Profil nicht löschen...weil es etwa «zu viel echte Zeit von mir» beansprucht.

Ich möchte nicht aufs Fleischessen verzichten.

Ich möchte weder Bungeejumping, Skydiving noch andere Extremsportarten ausprobieren - auch möchte ich auf keinen Fall den Kilimanjaro besteigen.

Ich möchte nicht mit einer Harley Davidson die Route 66 abfahren...um «das Gefühl totaler Freiheit» zu erleben.

Ich möchte, und ich werde, nie mehr meine Haare in Bangkok schneiden lassen.

Ich möchte keine Saftkur, Atkins oder Whatever-Diät machen.

Ich möchte keine Entscheidungen treffen nur weil sie «vernünftig» sind und Herz und Bauch «einfach manchmal dem Kopf nachgeben müssen».

Ich möchte keine Schuhe entsorgen müssen.

Ich will den New York Marathon nicht rennen, wirklich nicht.

Ich möchte nicht mehr Zelten gehen, eigentlich nie mehr.    

Ich will die Welt nicht verändern.

Während ich hier fast endlos weitermachen könnte mit Dingen, die ich nicht machen oder erreichen möchte, fallen mir doch auch 2-3 Sachen ein, die ich mir für mein Leben durchaus immer wieder vorgenommen habe und auch nach wie vor erstrebenswert finde. Ein Auszug: First Class fliegen, nach New York ziehen, ein Buch schreiben, einen begehbaren Kleiderschrank haben, fliessend Italienisch sprechen, die Backstreet Boys noch einmal treffen, jemandem «ich liebe dich» sagen können, Nein sagen, Ja sagen...

Und dann möchte ich es noch ganz besinnlich mit den Worten der Sportfreunde Stiller sagen: «Die alten winterkalten Gedanken verfliegen, wie Rauch im lauen Wind. Wenn wir in den Wiesen liegen und etwas Neues beginnt.» So einfach geht das nämlich mit dem Neuen, also freut euch und geniesst es!