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Check one two: Bühne frei für Vater Lanz

Bloggerin Barbara Lanz reist mit ihrem Vater durch Thailand. Nach zwei Blogs, die der Mann nur widerwillig ertragen hat, darf er deshalb jetzt seine Sicht der Dinge schildern. Ganz ohne Kommentar der Tochter.

Zweimal habe ich nun die spitze Feder meiner Tochter ertragen, heute darf ich zurückschlagen.

So wie die Lanz heute ist, war sie eigentlich schon von Anfang an, hat als Baby die Nacht zum Tag gemacht und damit ihre lieben Eltern und Geschwister terrorisiert. Hätte der Vater damals etwas weniger Arbeit mit der Erziehung seiner Tochter gehabt, hätte er vielleicht Zeit gefunden für eine Weiterbildung als Fotograf oder Ornithologe. Als «Noohuseli» wurde sie nicht nur allseits verwöhnt sondern war auch schon früh altklug, auffällig und grossmaulig.

Deshalb möchte ich also die vergangenen Tage in Bangkok aus meiner Sicht darstellen:

Im Tempel
Es ist unwahr, dass ich in diesem Prat Sakat (oder so) nur Flora und Fauna bestaunt habe. Wahr ist:

  • Ich habe die vielen Glocken beim Aufstieg beachtet und fotografiert.
  • Wir haben andächtig den riesigen Gong geschlagen.
  • Wir haben beim Mönch Kerzen und Räucherstäbli gekauft und unserer Lieben gedacht.
  • Barbara ist derweil «wie e gstochni Sau» die Treppen rauf und runter gehüpft, ist um das goldene Dach (ich erfinde hier bewusst keinen Namen) gerannt und hat mehr auf ihr Handy geschaut als auf etwas anderes. Fragen zur Aussicht oder zu religiösen Praktiken ist sie dabei geschickt aus dem Weg gegangen. Es blieb mir also nichts anderes übrig als eine eigene Wahrheit zu erfinden. Dies zur sogenannten Faktentreue!

Im Taxi
Lanz behauptet, auf Taxifahrten auch im Stau immer relaxed zu sein. Eine belegte Unwahrheit. Sie kann fluchen wie ein Stallknecht, wenn sie länger als eine Stunde nicht rauchen darf oder den Sunset in der Roofbar im Sofitel verpasst. Zudem hat sie eine zart keimende Liebe (Ruth und ich sind noch kein Jahr zusammen) gefährdet mit ihren Äusserungen im letzten Blog! Dass ich einen Monolog zur Stadt gehalten habe, lag daran, dass die Tochter auch im Taxi ständig am Natel war und demonstrativ ihre Kopfhörer aufgesetzt hat. Den vorgängigen «Trilog» möchte ich aber an dieser Stelle noch auflisten:

Vater: «Häsch gsäh dert, d’Mur vom Königspalascht isch schneewiiss!»
Ruth: «Jo, gäll die moleds tänk allpot neu.»
Barbara: «De Name vom König tarsch nid luut säge!»
Vater: «Ich hanen jo gar nid gsaat!»
Barbara: «Du waasch en jo au nid!»
Ruth: «Aber dMuur isch emel scho idrücklich.»
Vater (in Gedanken): «Di Chlii schnorret im Pfarrer mol no id Abdanking.»

Beim Fotografieren
Barbara lebt seit bald einem Jahr in Bangkok. Für sie mögen vermummte Strassenputzerinnen oder nicht isolierte Kabel an Häusern zum Alltag gehören, mich Erstbesuchenden faszinieren diese Dinge. Weil die Kleine sich partout nicht dem Schritttempo der älteren Generation anpassen möchte, entstehen teilweise verschwommene Bilder oder solche mit meinem Daumen drin. Ihr ständiges «chömeder?» und «da chasch au nochher no fotografiere» schallt noch jetzt in meinen Ohren. Trotzdem: Die Urheberrechte der im letzten Blog veröffentlichten Fotos wurden wahrscheinlich grob verletzt. Mir wurden Bilder ab der Kamera geklaut, was ich gar nicht fein finde. Von mir hat sie das nicht.

Heute stellt mich Barbara in ihren Blogs gerne als sturen alten Bock dar. Auch das ist nicht neu. Hätte sie mit 8 Jahren schon Internet gehabt, hätte sie vielleicht nicht unser frisch gestrichenes Haus mit den Worten «Papi ist ein Tubel» versehen. So ist es also nicht verwunderlich, dass das schwierige Kind mit der grossen Klappe einen entsprechenden Beruf gewählt hat. Ich als ehemaliger Wegglibeck bin es gewohnt die Realität mit den Händen zu formen und diese nicht wie Barbara im Kopf zu produzieren - und das schon frühmorgens, nicht wie Barbara spätnachmittags. Aber mein «Wer länger schläft als süben Stund, ist führwahr ein fauler Hund» räumt sie mit fadenscheinigen Argumenten aus dem Weg, worauf mir nur zu sagen bleibt: «Dere mo me dSchnorre mol separat totschloh.»

Es bleibt zu hoffen, dass damit eine Trilogie ein Ende findet. Wir erholen uns jetzt auf Koh Chang von den Strapazen in Bangkok und sind froh, dass die Tochter sich für eine Yoga-Detox-Woche entschieden hat. Es kann nicht schaden. Anmerken möchte ich noch, dass ich von Barbara auf dieser Reise doch noch etwas gelernt habe. Die Sonnencrème «Daylong 50» schützt nicht 50 Tage nach dem Auftragen...

Herzlich und hoffentlich endgültig, G. Lanz