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Der Koh-Kodex

Nach der eindrücklichen Reise in den Norden Thailands gönnt sich Lanz ein paar Tage am Meer. Weshalb sich Frauen ab 30 Jahren auf Koh Tao schnell strafbar machen können und warum die Strandgarderobe plötzlich schnellstens aufgemotzt werden muss, erfahren meine Freunde und ich schon kurz nach Ankunft.

Yay! Nach genau 30 Tagen in Thailand sehe ich endlich mal Meer! Meine Freundin Amélie und ich sind wie angekündigt bequem per Flugzeug gen Süden geflogen. Und haben auf Koh Samui tatsächlich auch Dominik wieder getroffen. Zu dritt geht’s mit der Fähre nach Koh Tao (mit Zwischenstopp auf Koh Phangan, ohne Aussteigen, ohne Fullmoon-Party).

Die Insel empfängt uns mit Sonne, kristallklarem Wasser und Zimmer mit Air-Con. Schnell zeigt sie uns aber ihr wahres Gesicht. Mit all den schönen, jungen Skandinavierinnen und ihren perfekten Körpern. Den jungen Männern, die sich an all der Schönheit nicht sattsehen können. Es fällt uns wie Schuppen von den Augen: WIR SIND ALT! Wir, alle um die 30, könnten biologisch gesehen schon fast die Eltern dieser wunderbaren Kinder sein. Der angestrebte Flirtmarathon fällt buchstäblich ins Wasser. Und da wir drei nun fast schon überwältigt sind von so viel Freizeit – ja, man könnte fast sagen gelangweilt – haben wir uns entschieden, das zu tun, was in den Ferien einfach immer funktioniert: Leute beobachten, Leute beurteilen, Leute abstempeln. Kurz, lästern.

Wir präsentieren: den Koh-Kodex

Hippie (ca. 9% der Inselbevölkerung und extrem freundlich - zu Mensch und Tier):

  • Der Hippie plant seine Reise nach Koh Tao am besten 1 Jahr im Voraus, denn er braucht Rastas. Die Alternative für Kurzentschlossene: Zöpfli (mit Chrälleli) => siehe Bildergalerie
     
  • Wickelhose oder für Frauen Sarong
     
  • Tattoo: am besten mit Henna beginnen, da man den Rücken zu Hause vielleicht wieder Ganesha-frei haben möchte
     
  • Kind - scheint in der Szene ein Must zu sein


Tourist (ca. 11% der Inselbevölkerung und so extrem austauschbar, dass er auch auf Gran Canaria sein könnte):

  • Sandalen! Erhältlich bei...ähm...keine Ahnung
     
  • Hut oder Kappe, auch gerne mit Werbe-Aufdruck und Nackenschutz
     
  • Trägerloses T-Shirt, ebenfalls mit Aufdruck («Same Same....but different» ist in diesem Fall Erfolgsgarant)
     
  • Sonnenbrand: vorzugsweise auf der Nase – überdeckt mit einer Schicht Sonnencrème => siehe Bildergalerie
     

Hipster (ca. 80% der Inselbevölkerung und deshalb extrem omnipräsent):

  • Fuck Bubble – ihr erinnert euch? Die Fickpalme aus den 90ern ist wieder da, die Frauen tragen die Haare geknotet AUF dem Kopf
     
  • Schlüttli – natürlich auch nur für Frauen (wahlweise auch Schlüttli-Shirt mit Shorts)
     
  • Party Glasses – man trägt hier die Sonnenbrille auch gerne nachts
     
  • Maximalgewicht für Frauen: 40 Kilo => siehe Bildergalerie
     
  • Maximalgewicht für Männer: 60 Kilo (oder für die trainierten American Footballer: 100 Kilo)
     
  • Flip Flops, ja, die hatten wir auch im Gepäck
     
  • Bändeli am Arm, viele => siehe Bildergalerie
     
  • Tiefenbräune


Wir (3):

  • keine 40 Kilo
     
  • keine Schlüttli (haben jetzt mal ein paar gekauft, Grösse L!)
     
  • rot-braun Mischung (morgen dann bestimmt braun)
     
  • Puder! Der mit der Schlange drauf für den Körper: er deckt die rot-braunen Stellen ab und kühlt und riecht nach Seife. Und ausser den Thais hat ihn hier noch niemand entdeckt!


Das Pflicht-Accessoire der Saison ist glücklicherweise gültig für alle Kategorien: der Verband (wahlweise auch grosses, buntes Pflaster). Und da können wir selbst nach kurzer Zeit schon gut mithalten.

Dominik
hat sich das Knie an einem Korallenriff aufgeschlagen: «Da glaubsch gar nid, do muesch jo öppe 500 Meter wie e Wasserliiche usetriebe, damit nid alles offe häsch!»

Amélie
hat sich das Knie im Zimmer geprellt (sie hat nachts im äusserst hübschen Strandbungalow eine Bettstufe übersehen): «Das isch es verdammts Fallezimmer!»

Ich habe zwei blaue Knie – vom Yoga! Ich war schon zweimal da in zwei Tagen. Und sobald ich mir merken kann, was Cynthia, Tracy und Co. eigentlich genau von mir wollen (man spricht ja Sanskrit), werde ich ein OM bloggen.