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Detox-Yoga mit Joy: Der Widerspruch

Schon immer wollte Bloggerin Barbara Lanz zu denen gehören, die von der Detox-Woche in Thailand schwärmen. Und das tut sie jetzt, zumindest pro forma.

Das Leben in Bangkok geht an die Substanz. Generell. Mehr aber noch, wenn der Vater mit Anhang zu Besuch ist (man lese die Klagelieder hier, hier und hier). Während ich den Beitrag von Kollegin Kruse über ihre Yoga-Detox-Woche in Thailand lese, weiss ich deshalb: Barbara, jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt tust du das, was Frauen in deinem Alter tun. Ich begleite also meinen Vater nach Koh Chang, überlasse ihn seinem netten Resort und dem Meer und begebe mich in die Hände von Joy. Die Französin und ihr Mann wohnen in einem idyllischen Häuschen an einer wunderschönen Lagune und bieten, eben, Detox-Yoga. In einer Light-Version. Ja, es mag jetzt etwas ärmlich klingen, aber ich bin neu in diesen Gefielden und ich habe viel recherchiert über die verschiedenen Detox-Programme. Und da ich mich weder mit dem Gedanken an einen Schlauch in meinem Hintern noch mit veganen Grasdrinks anfreunden kann, mache ich eben die Light-Version - 2x2 Stunden während 5 Tagen:

Tag 1: «You äf to work wis your böms»

Zu dritt starten wir unsere Yoga-Woche: die Lehrerin, die schöne Rothaarige und ich. Wir atmen mit dem Bauch, mit dem Rachen, mit dem Herzen. Zählen tun wir in Ohms - einatmen, ein Ohm, zwei Ohm, drei Ohm, ausatmen, ein Ohm, zwei Ohm, drei Ohm. Und immer wieder heisst es: «You äf to work wis your böms.» Mir scheint Joy zudem anzusehen, dass ich mir so meine Gedanken über diese «böms»-Übungen mache. Ihr «control your mönkey mind» wiederholt sich ähnlich wie die Ohms. Am Abend sitze ich in meinem Guesthouse - kann nicht mit Vater essen gehen, da ich ja meine Seele reinigen soll -, nippe an einem Mineral und frage mich, ob das wirklich das ist, was ich brauche.

Tag 2: «Opään sä böx, it can take long time, a lifetime, böt you äf to opään sä box. Now»

Wir sind jetzt zu viert: Zur schönen Rothaarigen kommt eine schöne Dunkelhaarige. Während wir atmen und uns verbiegen, frage ich mich, wie lange ich wohl Yoga machen muss, um einen Körper wie eine der drei Elfen zu bekommen. Joy weist mich erneut darauf hin, mein «mönkey mind» zu kontrollieren. Während ich bei den Dehnübungen ziemlich alt aussehe, scheine ich dafür ein Talent für «opening sä böx» zu haben. Beim «Kapalabhati» machen wir unschöne Bewegungen mit dem Magen und ich bin wohl klar im Vorteil, da ich als einzige einen sichtbaren Bauch habe. Als einzige habe ich aber auch vergessen, dass wir vor dem Yoga nichts essen dürfen, die Folgen sind unschön. Auch die zweite Stunde macht mich nicht glücklich. Die Elfen demonstrieren mir fortlaufend, wie unbeweglich ich bin. Zum Beispiel beim «Halasana», bei dem man auf dem Rücken liegt, die Füsse hinter seinen Kopf bringt und scheinbar total entspannen kann. Ich gehe in dieser Zeit zur Toilette, mir ist wieder übel.

Tag 3: «It’s good for sä lettins go»

Ich bin übermüdet und mir tut jeder Muskel am Körper weh. Joy hat uns vorgewarnt: Der dritte Tag sei der schlimmste, hat sie gesagt. Das Loslassen sei anstrengend, hat sie gesagt. Ich kann das bestätigen. Mein «mönkey mind» lässt mich noch immer nicht in Ruhe, ausser beim «Anuloma Viloma», dem alternativen Atmen, da muss ich mich konzentrieren, nicht zu ersticken. In der «Child Pose» wird mir übel. Am Ende der Abendstunde kündigt Joy an, dass am nächsten Tag ein Mann zu uns stossen werde, ein Amerikaner. Es kommt so etwas wie ein Damenturnverein-Gefühl auf, als die schöne Rothaarige, die schöne Dunkelhaarige und ich uns vorstellen, wie schön der Mann wohl sein könnte.

Tag 4: «This is not fön, I tell you!»

Der Amerikaner ist heiss, aber er fährt mit Rollerblades vor. Die Elfen und ich sind uns einig: Das ist nichts für uns. Zudem nimmt uns Joy härter dran als zuvor, wir müssen dehnen und atmen und erstmals so richtig aktiv meditieren. Ich freue mich, weil ich mein «mönkey mind» langsam kontrollieren kann und überlege mir, ob ich als nächstes in ein Meditationscamp gehen soll. Das Thema erledigt sich, als Joy bei Kerzenschein verschwörerisch flüstert: «Be careful if someone tells you meditation is fön. You will find yourself in meditation camp where you cannot speak 10 days. This is not fön, I tell you. Not fön!» Der Amerikaner fragt, ob Gras beim Meditieren helfe. Ich will zu meinem Mineral.

Tag 5: «You can buy us a glass of wine»

Ich kann tolle Dinge mit meinem Bauch machen! Es ist der letzte Tag und Joy verordnet uns Teamübungen. Während die schöne Dunkelhaarige im Liegen Entspannungsübungen macht, soll ich im «Downward Facing Dog» ausharren. «It’s about control», sagt Joy. Die habe ich offensichtlich nicht. Auch bei der letzten Meditationsübung tanze ich aus der Reihe und muss zur «Strafe» in der «Child Pose» verharren, bis alle anderen mit ihrer Übung fertig sind. Der Amerikaner braucht 40!!! Minuten. Von weitem höre ich Joy sagen: «Barbara, you can buy us a glass of wine tonight.» Wein? Ich flüstere: «But we are not allowed to drink alcohol.» Jemand flüstert: «Ever heard of after work drinks?»