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Eine Zugfahrt, die ist nicht! lustig

Wer in Thailand mit dem Zug reist, sollte eines wissen: An Feiertagen sind die Wägen etwa doppelt so überfüllt wie in der Schweiz morgens um 7 von Bern nach Zürich. Lanz weiss nach einer achstündigen Fahrt in den Süden jetzt zudem auch, woher der Ausdruck Holzklasse wirklich kommt. Und warum man manchmal besser nicht wählerisch sein sollte.

Es ist zu heiss in Bangkok. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das wirklich mal sagen, ja, zugeben muss. Aber ich muss. Und ich muss noch was anderes: weg, schon wieder. Mein Ziel soll dieses Mal das südliche Festland Thailands sein, genauer gesagt Chumphon. Von Bangkok aus fahren die Züge praktisch stündlich in die Stadt am Golf von Thailand, in der es im Moment übrigens mehrheitlich regnet. Kaum aus Kambodscha zurück mache ich mich also an die nächste Reiseplanung. Bestes Hilfsmittel in diesem Fall ist meiner Meinung nach die Website Seat61.com. Da findet man alle Infos zu Zugreisen auf der ganzen Welt, inklusive Links zu offiziellen Buchungsstellen. Ja, der Mann in Sitz 61 scheint ein ganz schöner Freak zu sein, oder einfach ein Mann mit viel zu viel Zeit.

Ein Ticket 3. Klasse

Mir solls recht sein, ich finde ohne grosse Mühen den Weg zur SBB Thailands. Ebenso schnell erfahre ich dann auch, dass meine bevorzugte Reiseart nicht mehr verfügbar ist. Egal, welche Züge ich checke, Schlafwägen 2. Klasse sind ausgebucht. Auch die in der 1. Klasse. Und auch die Sitze in der 2. Klasse. Und in der 1. Was hats denn noch? Genau, 3. Klasse. Wenn nun am Sonntagmorgen in Chumphon eine Fähre auf einen wartet und es bereits Samstagnachmittag ist, dann muss man nicht mehr gross überlegen. Buchen. 3. Klasse. 280 Baht (ca. 8 Franken).

Mir ist durchaus klar, dass 3. Klasse nichts Spezielles ist, beim Suchen meines Wagens werde ich dann aber doch noch bitz nervös. Die Züge in Thailand sind endlos lang und nach gefühlten 30 Minuten Weg weiss ich: ich bin im hinterletzten Wagen. Im wahrsten Sinne des Wortes. In der Holzklasse halt, dem Wagen mit den Holzbänken. Wäre alles noch ok, finde ich, wäre ich nicht die einzige Weisse weit und breit und somit die Attraktion des Abends. Ich höre die Gedanken der Thai-Fahrgäste förmlich: «Was macht denn die Farang hier?» Meine lieben Thais, nichts gegen euch, aber ihr könnt wirklich ganz schön fies sein. So stehe ich vor einer Familie, die sich scheinbar grad eingerichtet hat und versuche, mich auf meinen Platz zu quetschen. Das klappt nie! Also mache ich das, was ich auch in der Schweiz bei akutem Platzmangel zu machen pflege. Ich gehe in den Speisewagen.

Mein Fuss, das Eis am Stiel

Unter Reisenden aus aller Welt verbringe ich einen interessanten Abend, treffe eine Familie aus Kasachstan, die zum ersten Mal überhaupt im Ausland ist und das gleich für sechs Monate. Ich spiele ein Trinkspiel mit einer Gruppe Thai-Studenten, die wegen der Feiertage ein verlängertes Wochenende miteinander verbringt. Und ich unterhalte mich mit einem englischen Geschäftsmann, dessen Firma gerade Konkurs gegangen ist. Der ältere Herr tut mir leid und dann passiert das, was mir ja irgendwann mal passieren musste. Er bietet mir an, seinen zweiten Schlafwagenplatz zu benutzen, da das Bett über ihm angeblich frei ist. In Anbetracht der Aussichten, 6 Stunden in der 3. Klasse zu sitzen (oder wohl eher zu stehen) und kein Auge zuzutun, sage ich Ja, hole mein Gepäck und mache mich mit dem Briten auf in Richtung Schlafwagen.

Natürlich hat er nur ein Bett und natürlich bietet er mir an, mich hinzulegen. Natürlich lehne ich ab. Stattdessen setze ich mich hin und lasse ihm so viel Platz wie möglich. Irgendwann muss ich eingeschlafen sein und irgendwann wache ich wieder auf. Weil ich etwas Feuchtes an meinem Fuss spüre. Eine tropfende Klimaanlage? Eine Ratte? Nein, das Feuchte ist die Zunge des Engländers und diese wiederum küsst meinen Fuss! Nun muss man vielleicht noch wissen, dass es in meiner Welt kein verachtenswerteres Körperteil als ebendieses (Fuss, nicht Zunge) gibt. Der Mann hingegen behandelt meinen Rist gerade, als wäre er eine Glacé an einem heissen Sommernachmittag! Genug ist genug, ich weiss.

Nur noch dies: Da die Türen zwischen den Wägen scheinbar in der Nacht abgeschlossen sind, bin ich gefangen und muss die restlichen Stunden Seite an Seite mit dem komischen Kauz (der sich übrigens so sehr schämt, dass er mir nicht mal mehr in die Augen schauen kann) verbringen, bevor ich morgens um 4.30 Uhr völlig übernächtigt aus dem Zug stolpere und in der Eile dann auch noch mein Fährenticket verliere. Das ist dann wohl die gerechte Strafe für mich, schliesslich hätte ich doch gewusst, dass man nicht einfach mit Fremden mitgeht, auch nicht als Erwachsene und auch nicht in einen Schlafwagen!

Ps.: Für den Rückweg nehme ich dann also wieder die Airline meines Vertrauens.