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FIFA Futsal, FIFA Frenzy!

Das Wochenende stand im Zeichen der grossen Männer. Barack Obama beehrte Bangkok und auch Sepp Blatter war hier. Zweiteren traf Lanz am Final der Futsal Weltmeisterschaft, ersterer verunmöglichte ihr dann fast den Gang an die beste Afterparty des Jahres.

«King of Thailand is closing Bangkok for black King of America», sagt mir mein Taxifahrer am Samstag. Dass US-Präsident Obama kommt wird hier derzeit überall diskutiert, im Supermarkt, auf der Strasse, im Zug – und eben im Taxi. Dass der Barack kein König ist, will mein Fahrer partout nicht verstehen und auch, dass die Schweiz von einem Bundesrat regiert wird, scheint ihm kompletter Unsinn zu sein. Meine Erklärungsversuche enden in einem Kompromiss: «Switzerland has seven Kings». «And Jose F Blatter», meint der Thai dann. Neben der Obama-Diskussion ist nämlich ein anderes Thema hier gerade omnipräsent, es ist FIFA-Futsal-Weltmeisterschaft und an diesem Hallenfussball finden die Leute hier ausserordentlich gefallen. Dass ich für genau diese Weltmeisterschaft eine Einladung zum Finalspiel habe, verschweige ich meinem Taximann, er würde mich am Ende noch für eine Prinzessin halten. Dass ich das dann in den frühen Stunden des Montagmorgens selbst tue, kommt so:

Meine Freunde und ich sind wie gesagt zum Finalspiel der Hallenfussball-Weltmeisterschaft eingeladen (das andere Wort mit F ist derart hässlich, dass ich es niemals aussprechen werde und auch kaum aufs Papier bringe). Und zwar nicht einfach als Zuschauer, nein, wir sind FIFA-Gäste, zweier netter FIFA-Damen und es erwarten uns Häppchen, Getränke und die Aussicht, Sepp Blatter bei einem Glas Weissen aus der Nähe zu betrachten.

Schwitzen mit FIFA

Wir erreichen das Indoor Stadium Huamark (das ist nicht das neue, das nicht fertig wurde, denn da das eben nicht fertig war, musste man halt in ein altes ausweichen) früh genug, um sogar zwei Gläser Weissen zu trinken, bevor wir uns mit einer Menge FIFA-Personal an der Seite in die Halle begeben. Da merken wir dann, dass es selbst im Aircon-Mekka Bangkok noch Orte gibt, an denen es drinnen wärmer ist als draussen. Ich finde das super, es ermöglicht mir nämlich, mich vom trägen Spiel Spanien gegen Brasilien abzulenken, indem ich beobachte, wie sich die hellblauen Hemden der FIFA-Delegierten in unterschiedlichem Tempo zu dunkelblauen verwandeln. Ein Herr macht mir Sorgen, sein Hemd ist bereits in der ersten Halbzeit komplett durchnässt und von seinem Haar tropft es auf den gelben Plastikstuhl. Ich beobachte auch wie Herr Blatters Mundwinkel in regelmässigen Abständen zucken und meine zu erkennen, dass sie dies etwas mehr tun, wenn Spanien einen guten Spielzug macht.

Meine Freunde geben sich indes interessiert, lassen mich wissen, wenn es ein Goal gegeben hat und irgendwann schaue ich dann doch auch noch aufs Spiel. Mein Laien-Urteil: Dieses Hallenfussball ist ein bisschen wie Radball ohne Rad oder Handball ohne Action. Die Spieler sind ein bisschen wie Fussballer ohne Männlichkeit. Und während ich an einem normalen Fussballspiel stetig zwischen Tribüne, Bier- und Bratwurststand hin und her pilgere und rauche, kann ich in dieser Halle nichts von alledem tun. Umso besser, dass die Spiele kürzer dauern, am Ende dann auch einer gewinnt (ausnahmsweise hier nicht Spanien) und auf uns FIFA-Gäste eine Afterparty wartet, zu der wir standesgemäss mit einem FIFA-Car chauffiert werden.

Barack Obama, die Spassbremse

Von da an läuft irgendwie alles ein bisschen wie im Film. Zirka 20 Meter vor dem Hotel, in dem die Party steigt, bleiben wir plötzlich stehen. Überall stehen Kastenwägen, Polizisten und Militär. «King of America is here», heisst es. Und tatsächlich, Herr Obama wohnt im Four Seasons, alle Autos, die vorbei wollen, werden durchsucht und Secret-Service-Agenten stehen Spalier. Jetzt ist er zwar der Präsident von Amerika und alles, aber wir finden es nach gefühlten zwei Stunden in einem Car doch etwas daneben, dass wir die letzten 20 Meter zur ersehnten Feier nicht einfach laufen dürfen – zumal wir ja sozusagen Gesandte des FIFA-Königs sind.

Vielleicht artet die Nacht wegen dieser unschönen Verzögerung dann so aus. Vielleicht aber auch einfach, weil diese FIFA-Family in Wahrheit besser Feier-Family oder FIFA-Frenzy heissen sollte.

Sepp Blatter, der König

Zwischen Rindfleisch-Spiesschen und California Rolls werden wir förmlich mit Rotwein, Bier und Gin Tonic abgefüllt. Selbst Benji, mein Halbthai-Freund, gibt seine Zurückhaltung irgendwann auf und als Serge beim DJ Nicki Minaj wünscht, tanze ich mit einem FIFA-Mann Tango. Als das Barpersonal um 4 Uhr die letzte Runde einläutet, nimmt ein anderer der Family sich der Sache an und schon gibts Verlängerung bis 5 Uhr. Als auch dann noch keiner Anstalten macht, das Gelände zu räumen, nehme ich mir ein letztes Glas Rotwein (ich hätte es nicht tun sollen) und höre zufällig meinen Kollegen, der krampfhaft versucht, mit einem anderen FIFA-Mann über Korruption zu diskutieren. Es scheint mir in diesem Moment derart unfair, dass ich ihm ins Wort falle und dem Herrn die Geschichte vom Taxifahrer und dem König erzähle. Und dann höre ich mich sagen, dass Sepp Blatter doch eigentlich unser 8. König im Land sein sollte. Denn wer seinen Leuten nach einem Monat harter Arbeit so eine Feier schenke, der sei doch wirklich ein Supertyp. Und schliesslich mache es uns hier dann alle zu Prinzen und Prinzessinnen.

Wie der Mann auf meinen Lobgesang reagiert hat, weiss ich leider nicht mehr. Auch nicht, wann ich genau nach Hause gegangen bin. Aber während Obama im Four Seasons schlief, Sepp Blatter in der First Class auf dem Flug nach Zürich und ich in meiner Wohnung am Chao Prayah, feierte in einer längst geschlossenen Hoteldisco eine Family, die – ob FIFA oder nicht – heute einen ähnlich royalen Kater wie ich haben dürfte.