Eat Pay Live

Per Gefangenentransport nach Koh Samui

Lanz wurde beklaut. Nicht etwa von Touristen oder irgendwelchen Streunern, nein, von der Polizei persönlich. Dabei habe ich doch nur meinen Job gemacht, oder es zumindest probiert.

Vorab dies: Ich verspreche, mich nie mehr über langweilige Reisen in Thailand zu beschweren. Nicht nach der grusigen Zugfahrt vom letzten Mal und schon gar nicht nach dieser Geschichte hier.

Die Fähre von Koh Tao nach Koh Samui kenne ich mittlerweile in- und auswendig. Lower Deck = klimatisiert, Upper Deck = Bänkli an der Sonne. Und dann gibt es da noch den VIP-Room, der auf gefühlte minus 20 Grad gekühlt und gegen ein Entgelt von 100 Baht vor allem von russischen Touristen frequentiert wird. Bis jetzt. Ich sonne mich gerade gemütlich an der Seite eines spanischen Koh-Phangan-Gängers, höre Songs von Biffy Clyro und da sehe ich sie, die Horde Polizisten die nach Boarding noch auf die Fähre stürmt. Nun geht es mir bei der hiesigen Polizei in etwa so wie bei der VBZ-Kontrolle in Zürcher Trams. Auch wenn ich weiss, dass ich nichts Verbotenes mache, werde ich leicht nervös.

Das ist ein Gefangenentransport!

Richtig nervös werde ich, wenn die besagten Männer direkt auf mich zusteuern. Oh shit, es herrscht also doch Rauchverbot hier und jetzt werde ich gebüsst, denke ich mir. Dann geht es ganz schnell: «Move», schreien die Uniformierten, wir Touristen springen auf, wissen nicht wohin, werden ans Ende der Fähre gedrängt. Sekunden später sehe ich den Grund, den ungefähr 50-jährigen Weissen, der in Handschellen in den VIP-Raum geführt wird. Und jetzt ist plötzlich klar: Das ist ein Gefangenentransport! Die rund zwei Stunden auf der Fähre erinnern mich dann an den Pausenhof in der Sek-Zeit. Es wird diskutiert, spekuliert und wie es so ist, weiss einer ganz genau, was hier läuft. Der Tourist habe Hasch gekauft und sei bei einer Razzia verhaftet worden, heisst es. Jetzt gehe es auf direktem Weg ins Gefängnis, One Way!

Kurz vor Koh Samui kommen die Polizisten wieder. Wir müssen erneut eine Gruppe bilden und Platz machen für die Eskorte. Was ich aber dann sehe, lässt mein Journi-Herz höher schlagen. Kamerateams, Fotografen und Journalisten warten am Pier auf die Ankunft des Gefangenen. Da muss ich mitmachen! Lanz also mal schnell die Kamera parat gemacht, Tasche geschnallt und als erste die Fähre verlassen. Ich geselle mich zu den ausschliesslich asiatischen Journalisten und verhalte mich ungefähr so, wie ich es in der Schweiz an einem Roten Teppich tun würde. Dezentes Drängeln nennt sich das wohl. Als der Trupp losmarschiert, schreit auch die Meute los. Auf Thai. Da der Häftling offensichtlich kein Thai spricht, wittere ich meine Chance und rufe nach ihm, frage, wie er heisst und was er verbrochen hat.

Geld oder Knast

Der Mann kann mir gerade noch antworten «Ich bin unschuldig, ich habe nur Hasch geraucht», da packt mich etwas von der Seite. «Give me Camera». Es macht zack, und meine Fotos sind gelöscht. «No Face», heisst es. Und: «Now you go away». Und während ich in der Schweiz ganz sicher nicht away gegangen wäre (und einen riesen Streit wegen meiner gelöschten Fotos angezettelt hätte), mache ich hier ganz schnell einen Abgang. Schliesslich lernt man eines doch sogar, wenn man noch nie in Thailand gewesen ist: Leg dich nicht mit der Polizei an. Oder kennt etwa irgend jemand die Horrorstorys, die Filme, die Bücher zum Thema noch nicht?

Nun, während ich noch mit einem blauen Auge davon gekommen bin, sehe ich, wie der Tourist zu einem Transporter gebracht wird und schiesse mit einem Puls von ungefähr 200 noch ein Foto. Dann nehme ich mir ein Taxi zum Flughafen. Und erfahre von der Fahrerin, dass dem Farang vielleicht doch noch ein Fünkchen Hoffnung bleibt. Normalerweise stoppe man noch bei einer Bank. Und wenn er Geld habe, könne man vielleicht noch etwas machen.

Vielleicht verbringt er aber auch mindestens 1 Jahr in einem Thai-Gefängnis. So sieht nämlich die Mindeststrafe für den Konsum von Marihuana aus. Das habe ich gegoogelt, in einer Minute. Hätte das der Herr doch bloss auch mal gemacht....