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Happy End im Thai-Tessin

Lanz ist für einen Kurzaufenthalt nach Koh Samet gereist. Ist so ein bisschen wie für uns Schweizer ins Tessin zu fahren. Der Grund meiner Reise ist aber nicht das nette Wetter hier unten, sondern mein Coiffeur aus der Heimat, der hier gerade Ferien macht. Und Haare schneidet!

Ihr geht nach Ascona, Locarno oder Lugano, wir hier in Thailand fahren mal eben nach Koh Samet. Die Insel ist Erholungsziel für alle Bangkok-Smog-Geplagten – so also auch für mich. Ok, so geplagt war ich gar nicht. Zumindest nicht von der Grossstadt. Nein, geplagt haben mich seit meinem Besuch beim Thai-Coiffeur vor allem meine Haare. Stört euch jetzt ruhig an meiner Oberflächlichkeit, aber sie ist in Sachen Frisur ein essentieller Bestandteil meines Wesens. Und dieses Wesen war in letzter Zeit arg gestört. Ich nervte meine Freunde in Bangkok, meine Freunde in der Schweiz, und ich nervte vor allem mich selbst täglich vor dem Spiegel. Und genau diese unglaublich miese Phase ist ab sofort vorbei.

Denn seit dieser Woche sind mein Schweizer Coiffeur und ich wieder vereint. Mein Held, mein Vidal Sassoon (Vidal, du hättest diesen Kerl gemocht), mein Haar-Buddha. Er ist tatsächlich in Thailand in den Ferien, und er hat tatsächlich seine Ausrüstung mitgebracht, und er schneidet mir tatsächlich die Haare.

Ewige Treue für meinen Vidal
Haarewaschen im Backpacker-Bad, Frisierstuhl auf einem Balkönli direkt am Meer, mein Figaro beweist Improvisationstalent. «Ui nei!» und «Was hät de bloss gmacht?» bringen mich nicht aus der Ruhe, ich weiss, mein Coiffeur hat ab jetzt alles im Griff. Er macht mich wieder so, wie ich mich kenne und ein bisschen so, wie es Vidal eben auch gemacht hätte. Nach vielen Zigaretten, vielen ungläubigen Blicken von passierenden Thais und vielen peinlichen Fotos sind wir fertig und ich bin happy. Ungefähr so sehr, wie damals, als ich 16 war und mir meine Dorfcoiffeuse mit einer magischen Tönung mein grünes Henna-Desaster vom Kopf zauberte. Oder wie mit 24, als ich zum ersten Mal ein Streckeisen in den Händen hielt und wusste, dass diese Liebe für immer halten würde. Oder eben wie mit 26, als ich den Laden meines Coiffeurs betrat und diesem kleinen Männchen mit den flinken Händen vom Fleck weg meine ewige Treue schwor.

Das Beste an Ferien mit dem Haarbuddy sind übrigens die Gratis-Stylings. So hab ich jetzt jeweils vor dem Znacht einen Strecktermin, schliesslich muss das Werk entsprechend präsentiert werden. Und noch viel besser ist, dass wir seit der Balkon-Haarschneide-Session Inselweite Bekanntheit erlangt haben. Da fühlt man sich plötzlich bitz wichtig, wenn die Thais kommen und Fotos von der Farang und ihrem Haargott machen wollen. Sogar ein Accessoir hab ich bekommen, das Must-have Koh Samets (siehe Bildergalerie). Dass dieses meine Frisur komplett zerstört hat, ist mir momentan total egal. Morgen gehts nämlich zurück nach Bangkok – mit meinem Coiffeur im Gepäck!

Und mit einem Versprechen:

Lieber Alex, ich habe dich betrogen und du hast mir verziehen. Das passiert mir nicht noch einmal. Bevor ich mich je wieder einem Edward mit den Scherenhänden anvertraue, mache ich lieber einen auf «Hair» und warte, bis wir uns das nächste mal sehen. Das schwöre ich auf mein Streckeisen.