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Hooray, Hooray! It’s a Holi Holiday!

Lanz macht Ferien von den Ferien. Warum? Weil man in der Schweiz im Sommer so unglaublich viel machen kann, denk. Und weil man dann Heimweh haben kann, obwohl man eigentlich daheim ist.

Seit zwei Wochen bin ich jetzt wieder in der Schweiz - in meinen Sommerferien. Ich freue mich über das Essen, meine Freunde, ja, manchmal sogar über den Regen (obwohl es jetzt langsam auch wieder gut ist). Trotzdem hab ich immer mal wieder Heimweh nach meinem neuen Daheim, nach Thailand. Und da es sich mit etwas Abstand bekanntlich am besten reflektieren lässt, habe ich genau das gemacht. Und da komme ich darauf, dass ich in den vergangenen fünf Monaten allerlei schräge Leute getroffen habe. Manche kreuzen meine Wege immer wieder, manche zum Glück nicht. Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen:

Hier deshalb meine Läck-was-war-das-denn-Top-10

1. Der Tausendfüssler
Passiert: im Juni im Zug auf dem Weg von Bangkok nach Chumphon. Ich erwache, weil etwas Feuchtes meinen Fuss berührt. Eine tropfende Klimaanlage? Eine Ratte? Nein, das Feuchte ist ein Brite und kann wohl einfach nicht anders, als meinen Rist wie ein Glacé an einem heissen Sommertag zu bearbeiten.
Fazit: ohne Worte

2. Das Model/Tauchlehrer/Ski-Lehrer/Schauspieler etc.
Getroffen: im Juni auf Koh Tao. Wir Journis kennen so viele Schrägstrich-Menschen, dass wir schon gar nicht mehr merken, wenn wieder mal einer unseren Weg kreuzt. Beim Hawaiianer hats dann doch auch bei mir geklingelt – schliesslich ist er eben nicht nur Tauch- und Skilehrer sondern auch Model, Schauspieler, Ex-Militär, Tourist-Guide, Berater und Geschäftsmann.
Fazit: Lausig, nicht einmal singen kann er...

3. Der Undercover-Cop
Getroffen: im Mai im Zug. Er sei für die Sicherheit der Passagiere verantwortlich, will er mir weismachen. Deshalb müsse er meine Personalien haben und vor allem ein Foto von mir machen. Und ob ich denn auf Facebook sei. Als ich ihn ein bisschen auslachen muss, hört der Spass bei ihm auf. Ob ich denn noch nie etwas von der Thai-Undercover-Zug-Polizei gehört habe. Ähm nein, hab ich nicht. Verhaftet werde ich dann auch nicht, er findet die nächste Weisse und probiert sein Glück dort.
Fazit: Die wohl schlechteste Anmache ever, nicht mal Handschellen hatte er.

4. Die Inder
Passiert: im Mai in Bangkok. «Excuse me, are you free tonight?», fragt mich der junge Mann, während ich auf meine Kollegin warte. Hinter ihm winkt ein weiterer junger Inder mit erwartungsvollem Blick. Nun, frei wäre ich zwar, aber noch immer nicht offen für alles, auch nicht wenn ein «we have a lot of money» angehängt wird. Die Herren zotteln ab und lassen mich mit roten Ohren zurück.
Fazit: In Bangkok kann man halt doch nicht alles kaufen. Und: ich muss wohl meine Garderobe überdenken.

5. Der Sonnentempler
Passiert: im April in Bangkok. Ein Balinese bereist Thailand. Spannend, denke ich, als ich den Mann in einer Bar kennenlerne. Dass er auf einer Mission ist, merke ich an diesem Abend noch nicht, aber kurz danach, als er mich auf Facebook in die Gruppe «GOD help me please» einlädt. Da stehen dann Sachen wie «If everything has cleared I am promis I will be nice in your eyes», oder «Thanks GOD for your way,all tough I can't smile I will try maybe this your way to make me better,hurt inside but I will smile for you,I do apologies ,sorry» und «When you life in this live ,what has been amazing think you have done ???»
Fazit: Auch ich glaube. Und zwar dass God don’t liking google.translate.

6. Die Frau ohne (Ge)Wissen
Passiert: im April in Bangkok. Sie lebt seit 10 Jahren in Thailand, ist Lehrerin und hat ein super Tourismus-Projekt am Start, für das sie noch Unterstützung sucht. Sagt sie mir. Die Dame hat aber noch nie von Chiang Mai gehört. Oder vom Wat Arun. Oder von Angkor Wat in Kambodscha. Muss man ja nicht kennen, wenn’s die Touristen auch nicht tun, findet sie. Und das Wissen kaufe sie sich dann, wenn sie einen Geldgeber habe.
Fazit: Ich gebe nie mehr leichtsinnig eine Visitenkarte raus. Dann muss ich auch nicht wöchentlich komische Mails mit komischem Inhalt löschen.

7. Der schlechteste Verkäufer der Welt
Getroffen: immer wieder. Er ist einer der Strassenverkäufer an der Khao San Road und natürlich Taub oder Stumm oder beides. Statt für seine Stofftierchen Geld zu verlangen, verschenkt er diese aber regelmässig. Ich habe bestimmt schon 7 Stück zuhause und noch keinen Baht dafür gezahlt. Er akzepiter partout kein «Nein, danke», aber eben auch partout kein Geld.
Fazit: Irgendeiner muss ja an Karma glauben.

8. Die Träumer aus England
Getroffen: im März auf Koh Tao. Sie ist Mutter, kommt aus Essex und ist 30, er ist Student aus London und ist 22. Für ihre 2 Wochen Ferien haben sie den gesamten Haushalt auf Ebay versteigert, die Tochter wurde zur Oma geschickt und die Wohnung ist weg. Dass der Urlaub irgendwann vorbei ist, wird den beiden am letzten Abend am Strand bewusst. Gleich nachdem klar wird, dass sie kein Rückflugticket haben. Irgendwie geht es immer weiter, meint sie. Und er ergänzt: «Zu zweit schaffen wir alles».
Fazit: Ihr zwei seid die wohl dümmsten Menschen, die ich seit langem getroffen habe, und trotzdem habt ihr es irgendwie zurück nach Hause geschafft. Wunder passieren.

9. Der Amerikaner
Getroffen: im Februar in Bangkok. Der Mann aus Philadelphia hat mir meine Wohnung vermittelt, wofür ich ihm ewig dankbar sein werde. Er betet aber auch täglich während einer ganzen Stunde seine 10 Bonsais an und spricht mit verstellter Stimme, sobald Thais in der Nähe sind. Seit kurzem ist er zudem Veganer und pleite. Mit seinen 60 Jahren spricht er ungefähr 10 Sprachen fliessend und kleidet sich abwechselnd wie ein Zuhälter oder wie ein Guru.
Fazit: Rich, du bist ein Hippie im falschen Leben. Und ja, auch in meinem solltest du nicht zu oft vorkommen.

10. Der Lift-Boy
Getroffen: im Februar in Bangkok. Mein Einstieg in die Wohnungssuche in der Hauptstadt Thailands bleibt mir für immer in Erinnerung. Hier erfahre ich schliesslich, dass der Lift im Haus wegen all der verlorenen Seelen nicht läuft. Geister? Vor meiner Tür? Das hätt ich ja noch ertragen. Den alten Klugscheisser mit der Augenklappe, den blondierten Haaren und dem hässlichsten Hawaii-Hemd seit «Magnum» hingegen nicht.
Fazit: Sollte jemand einen Immobilienmakler in Bangkok suchen, ich weiss, welcher NICHT zu empfehlen ist.