Eat Pay Live

Koh Tao Pub Crawl: Ein Selbstversuch in 4 Akten

Beim Nachtessen am Sairee Beach auf Koh Tao kann es passieren, dass plötzlich eine Horde grölender Menschen an einem vorbei zieht. Pub Crawl nennt sich das, was das Volk da tut und meine Freundin und mich durchfährt es wie ein Blitz: das müssen wir machen – für den Blog versteht sich!

«Free T-Shirt, free Bucket, free Shots»: Wer auf Koh Tao am Pub Crawl teilnimmt, bekommt für 350 Baht eine Nacht mit vielen Benefits (versprochen werden übrigens auch Friends, dazu aber später mehr). Da uns Dominik bereits am Montag verlassen hat, beschliessen Amélie und ich, uns auf das Wagnis einzulassen. Punkt 19 Uhr stehen wir parat vor dem «Choppers», dem Ausgangspunkt der Tour. Bevor wir recht wissen, wie uns geschieht, sind wir mittendrin.

Wir geben ab: unsere Namen. «Barbara gibt es nicht mehr», sagen die. «Du bist heute Nacht Barb!» Ok! Mit Edding werden wir gebrandmarkt. Wir bekommen: unser T-Shirt – damit jeder auf der Insel sieht, wo wir hingehören. Und wir bekommen zudem einen Task. Amélie wird am Abend den Macarena vorführen, ich muss auf dem Tisch tanzen.

Den Männern stehen dann Aufgaben wie «Küsse 12 Frauen» oder «Reibe deinen Penis an 2 Menschen» bevor (Club Med, du bist echt was für Kinder). Apropos Kinder: Wir gehören selbstverständlich mal wieder zu den Senioren in der Runde, selbst Tom, Ali, Ciara und Co. – unsere Guides für den Abend – sind erst knapp volljährig. Vielleicht sind wir deshalb die einzigen, die überrascht sind, als das Tourkomitee die Regeln für den Abend vorliest. Ja, es gibt Regeln. Und zwar folgende:

1.    Wir trinken nur mit der linken Hand. Wer mit rechts trinkt, muss sein Getränk (auch den Kübel!) exen.
2.    Wir passen aufeinander auf und sind nett, aber: Es ist verboten, das Wort «mine» zu sagen. Wer es trotzdem tut, macht 10 Sit-ups oder 10 Liegestütze.
3.    Wir verschwenden keinen Alkohol. Wer etwas verschüttet, wegkippt oder sich übergibt, dem blühen ebenfalls Sit-ups oder Liegestütze.
4.    Die Zusatzregel des Abends: Es ist ebenfalls verboten, die Zahl «10» auszusprechen. Wer es trotzdem tut, macht, klar, wieder Sport.

Ich kann mich vage an Abende wie diesen erinnern. Früher, als die Party noch Fez hiess, da haben wir das echt auch lustig gefunden. Heute freuen wir uns vor allem über das dämliche T-Shirt (siehe Bildergalerie, die Hose erachteten wir übrigens als nützliches Utensil, um ein paar Jahre jünger zu wirken) und die vielen Sitzgelegenheiten im «Choppers».

Und jetzt zum Wesentlichen. Es geht los. Die Gruppe folgt der grünen Fee (Frau mit Shots) und wir fassen ab hier in chronologischer Abfolge zusammen:

1.    Akt: Lotus Bar am Strand
Beim gemütlichen Beisammensein werden erste Bekanntschaften gemacht. Wir treffen auf Kyle aus Amerika, 23 Jahre alt, Task: der mit dem Penis. Und auf Heikki aus Finnland, 22 Jahre alt, Task: 12 Frauen. Wir trinken zudem das erste Mal mit der falschen Hand und lassen unseren Charme, oder wohl eher unsere pädagogischen Fähigkeiten, spielen – die Jungs verraten uns nicht. Des Weiteren nehmen wir Teil am Gruppen-Task, dem Geckoing (siehe Bildergalerie, Planking ist so Festland).

2.    Akt: Ladyboy-Show
Es ist jetzt 20.30 Uhr und die ersten Herren der Gruppe sind schon derart betrunken, dass sie an der Ladyboy-Show teilnehmen (es war ihnen übrigens auch egal, dass sie dabei gefilmt wurden).





3.    Akt: «Choppers»
Hä? Ist’s jetzt schon fertig? Um ca. 22 Uhr sind wir wieder am Ausgangspunkt. Aber nur, um endlich so richtig in Fahrt zu kommen. Und plötzlich ist die Musik auch gut. Weil zwei Jungs aus der Truppe die Live-Band abgelöst haben. Wie sich herausstellt, haben die Indie-Buben in England eine eigene Band – Fletcher – und geben uns für einige Minuten das Gefühl, doch nicht am schlimmsten Abend des Jahres gelandet zu sein.

Schön auch, wenn der schüchterne Finne seinen Task mit einem Küsschen auf die Wange bei uns in Angriff nimmt. Nachdem aber Kyle seinen Penis-Task ausgerechnet bei Amélie erfüllen will (eigentlich will er, dass sie etwas an ihm reibt) und sie irgendwie nicht auf den Gratis-Alkohl anspricht, wirft meine Freundin das Handtuch. Um 23 Uhr!!! Mit einem Zitat aus «Leathal Weapon» - «Ich bin zu alt für diesen Scheiss» - macht sie sich aus dem Staub. Drama!

4.    Akt: Fishbowl
Im «Club» am Strand, es ist mittlerweile 23.30 Uhr, dreht die Meute komplett ab. Die Männer konkurrenzieren sich beim Springseilen (mit brennendem Seil) am Strand, die Frauen konkurrenzieren sich beim Flirten mit den springenden Männern. Ich überlege mir kurz, den Fletcher-Jungs einen Plattenvertrag anzubieten, entscheide mich dann aber doch, meine letzten 100 Baht in Zigaretten für den Heimweg zu investieren.

Die Nachwehen am nächsten Tag bleiben übrigens mehrheitlich aus. Trotzdem sind wir uns einig: Wir möchten das nicht mehr machen. Ok, ich könnte mich vielleicht noch einmal überreden lassen...hab nämlich mein T-Shirt verloren...