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Lanz im Glück

Die Tücken einer Thai-Wohnung, Freude im schwedischen Möbelhaus und Essen für Anfänger: Ich bin angekommen in Bangkok. Im 28. Stock.

Hab sie! Meine eigene Wohnung mitten in Bangkok, BTS-Station Krung Thonburi, direkt am Fluss. Wie von der Ami-Thai-Kombo versprochen. Ist das Appartement erst einmal gefunden, erledigt sich der Rest fast wie von selbst. Farang Lanz wird hier im Supalai River Place äusserst freundlich aufgenommen. Oot (das schmächtige Schweinchen) kümmert sich um den Vertrag, Oon (nein, ich hab mich nicht vertippt, Oon ist ein netter Thai-Nerd) nimmt sich meines Wi-Fi-Problems an. Innert weniger Stunden habe ich Schlüssel, Schlüsselkarte und ungefähr 10 Geräte, mit denen mich Oon online bringen will. Und ich habe ein 1-Zimmer-Appartement mit der scheusslichsten Einrichtung, die sich Freunde des minimalistischen Einrichtungsstils vorstellen können. Eiche rustikal, würden die Deutschen sagen – die Thais nennen es «luxury chic».

Nun ja, der «luxury chic» muss weg. Und zwar schnell. Da Oons heroischer Akt in Sachen Wi-Fi in pure Verzweiflung umschlug, habe ich das halt mal selbst in die Hand genommen. Und siehe da – für 10 Franken gibt’s ne Monatskarte mit unlimitiertem Internetzugang. Glaube ich zumindest, in der Gebäude-Verwaltung wird nämlich strikt Thai gesprochen. Mit ein bisschen «kaaaah» hier, ein bisschen «chai chai» da und dem nötigen Cash klappt’s dann aber tatsächlich.

«Thaimat» vs Heimat

Und da sitze ich nun, im 28. Stock mit direkter Sicht auf die Rooftop-Bar, die dank «Hangover II» nun wirklich jeder kennt. Für ein Mädchen vom Land ist die Grossstadt ja per se etwas Spezielles. Aber so im eigenen Appartement über eine Metropole wie Bangkok zu schauen, das lässt mein Herz gefährlich schnell schlagen.

Trotzdem: Es gilt, die «Thaimat» zur Heimat zu machen. Und das geht am besten mit Dingen, die es halt eben auch dort gibt, wo ich her komme. Auch wenn ich mich jetzt fast bitzli schäme...ja, ich habe mir ein Taxi genommen und bin in die brandneue Ikea gefahren, die gerade ausserhalb Bangkoks eröffnet hat. Und ja, ich habe als erstes 2 Hot Dogs gekauft und mit unglaublicher grosser Freude feststellen dürfen: Sie schmecken genau wie zu Hause! Nach dem Einkauf durfte ich dann auch endgültig akzeptieren, dass eigentlich alles wie zu Hause ist – auch die Preise. Tja, dafür ist der grauenhafte Spiegelschrank mit Ornamenten jetzt hinter einem jungfräulich weissen Tuch verschwunden und schlafen darf ich in schlichtem Beige statt in wilden Orchideen-Mustern. Dass es sich mit Hunger aber äusserst schlecht schläft, muss ich in meiner ersten Nacht schmerzlich feststellen. Ja, ich bin endlich aus dem Touri-Zentrum raus, aber wie nur bringe ich die Menschen hier dazu, mich zu verstehen?

Tiere essen

Wie gesagt, ich komme vom Land. Das Jagen liegt mir also sozusagen im Blut. Und das, was ich hier für meine erste Mahlzeit tue, hat tatsächlich mehr mit Pirsch als mit Pizzaservice zu tun, wie ich schnell merke. Meine Strassen sehen aus wie überall in Bangkok: Zweispurig, jedoch vierspurig befahren, Laden an Laden, Strassenküchen wo man hinsieht. Ein Pad Thai werde ich wohl innert Sekunden finden, denke ich mir. Chicken Satay sowieso. Aber wieso sehen diese Dinge nur plötzlich so anders aus? Statt vor einem Stand mit dreierlei Nudeln finde ich mich vor einem Gefährt mit dreierlei Brühen. Auch das Pad-Thai-Ei muss weichen. Stattdessen gibt es hier Ohren, Zungen und Gschluder. Und die netten Beschreibungen zu den Gerichten? Die fehlen – zumindest für mich. Man spricht Thai! Nur Lanz noch immer nicht.

Nach 45 Minuten – es erscheint mir fast wie eine Fatamorgana – entdecke ich einen Grill mit Spiesschen. Satay! Endlich! Ab hier mache ich es kurz, zu peinlich ist die ganze Geschichte. Nur soviel: mein Grund-Thai ist schlicht unbrauchbar. Und wenn Satay nicht aus Huhn, Rind, Fisch oder Schwein ist, will ich gar nicht wissen, welche Tiere man noch aufspiessen kann. Habe 10 Stück gegessen und werde wohl jetzt Stammkunde dort. Zumindest solange, bis ich weiss, was die da eigentlich verkaufen...oder bis mich endlich jemand versteht.