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Lonely Planet, du lügst!

Ein neues Abenteuer ist angebrochen. Während drei Wochen reisen meine Kollegin und ich von Thailand via Laos nach Vietnam – mit dem Lonely-«du reist voll fast gratis und siehst super tolle Orte»-Planet. Erster Flop: Vientiane.

Eins vorweg: Meine Kollegin, nennen wir sie Summer, hat sich intensiv auf drei Wochen mit Lanz in Asien vorbereitet. Und hat tatsächlich den Lonely Planet, Ausgabe «South East Asia für wenig Geld» gekauft. Wobei sie im Laden die Verkäuferin nett fragte: «Gibt es auch eine Ausgabe für Leute mit Geld?» Gibt es nicht - gekommen ist sie trotzdem und zwar mit Mammut-Rucksack statt Louis-Vuitton-Shopper. Und so startet unser Backpacking-Abenteuer eher light. Wir fliegen von Bangkok in die laotische Hauptstadt Vientiane, welche das petit Paris Südostasiens sein soll.

Hier sind wir jetzt seit genau einem Tag und man könnte uns voreingenommen nennen, aber wir möchten und müssen an dieser Stelle auf einige Missstände im besagten Super-Reiseführer hinweisen:

1. «An so gut wie jeder Ecke gibt es französische Restaurants, die den Geruch frischer Baguettes verströmen.»
 
Tatsache: Es hat weder Strassencafés noch Baguettes. Die Chance, einen Hauch Chanel No. 5 aufzuschnappen ist exponentiell grösser als die Wahrscheinlichkeit hier einem Bäcker zu begegnen. Überhaupt begegnet man hier nicht vielem. Was vielleicht am:

2. «labyrinthartigen Morgenmarkt, welchen es sich zu erkunden lohnt» liegt.

Tatsache: Der einzige Markt, den wir gefunden haben, liegt direkt an der Hauptstrasse (welche gerade verläuft). Das «labyrinthartige» daran könnte sich höchstens darauf beziehen, dass es keinen Ausweg aus dem Markt gib. Es sei denn, man will links oder rechts vom Weg in einer Friteuse landen. So haben wir beschlossen:

3. «den exzentrischen Buddha-Park» zu suchen.

Tatsache: Er ist nicht auf der Karte. Er ist auf keiner Karte. Vielleicht liegt es am exzentrischen Grundcharakter dieser Hauptstadt. Denn schliesslich kann man angeblich auch:

5. entlang «von der Sonne beschienenen Boulevards» schlendern und «die architektonische Rafinesse» der «restaurierten alten französischen Villen und Herrenhäuser» bewundern. (Ihr wundert euch, warum jetzt hier 5. steht? Wir uns auch. Word hat wahrscheinlich genau wie wir das Gefühl, wir hätten eine Attraktion verpasst...vielleicht ein französisch-exzentrisches, nach Baguette riechendes Schneideratelier?)

Tatsache: Wir haben zwar viele Gässchen gesehen, jedoch weder Charme noch Chic gefunden. Was uns zur finalen Frage bringt.

Was war los mit Herrn Richard Waters, dem Autor des Laos-Kapitels? Es muss, ganz wie es einem in Paris ja passieren soll, eine Amour fou gewesen sein. Er muss sich in der Swedish Bakery («dem Ort, an den man sich noch lange erinnert») zwischen Danish Plunder und Himberroulade einen Coup de foudre geholt haben. (Summer ist gerade unglaublich fière auf ihr français, ich hab unglaublich Freude an Google). Herr Waters, der heute mit seiner Familie in Brighton lebt, hat sich womöglich am Mekong verliebt.

Vielleicht ist er auch stilles Mitglied des Vientiane Tourism Board. Oder aber er verdient sein Geld nicht nur mit Reisen sondern auch mit dem Schreiben von Rosamunde-Pilcher-Drehbüchern. Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass Herr Waters uns schamlos belogen hat. Aber da wir für morgen bereits unseren Bus nach Vang Vieng gebucht haben, hoffen wir, dass er bei der Anzahl Schlaglöcher, die uns begegnen sollen, genau so übertrieben hat wie mit der Anzahl kultureller Höhepunkte Vientianes.

Wir setzen uns jetzt mal in die Martini Bar (jaja, da, wo man sich «wie im Londoner Stadteil Soho» fühlt halt), und härten unseren Allerwertesten ab. Bis das Beerlao ausgeht. Und dann träumen wir von laotischen Frühlingsrollen...die Herr Waters scheinbar nie probiert hat.