Eat Pay Live

Oh läck du Myanmar

Bloggerin Barbara Lanz will nach Myanmar. Schon immer. Jetzt, wo sie endlich könnte, scheitert das Vorhaben an dummen Dingen: Geld, Sprachbarrieren - und Rentnern.

Reisen planen müsste ich eigentlich langsam können. Könnte man meinen. Nachdem mein halber Freundeskreis aus der Schweiz mir mit Burma-Schwärmereien in den Ohren liegt, beschliesse ich also, endlich auch einen Kulturtrip zu unternehmen. Das war vor ungefähr vier Wochen. Nächste Woche hätte ich reisen wollen, werde es jetzt aber eben nicht tun, weil:

«Achtung, es ist Hochsaison»
Mit derartigen Warnungen hat man mich noch nie aus der Fassung gebracht. Wer gerne reist, der findet immer und überall ein Plätzchen. Das Problem: Wer nicht alleine reist, kann nicht nur für sich selbst entscheiden. Und da mein Reisegspänli nur eine Woche Ferien hat, möchte es verständlicherweise nicht sechs von sieben Tagen mit der Suche nach einem Zimmer verbringen. Die Nachfrage bei meinen ehemaligen Reisebürokollegen machts deutlich: «Barbara, geh auf keinen Fall ohne Buchung nach Burma, nicht jetzt.» Ein kurzer Internet-Check zeigt dann, dass tatsächlich die halbe Welt das halbe Land in Beschlag zu nehmen scheint. Es sei eben Rentner-Saison, man wolle den Moment noch nutzen und das Land bereisen, bevor es alle anderen tun. Dies wiederum führt zu dem, was immer passiert, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt.

200 Franken für nichts
Vielleicht bin ich verwöhnt und geblendet von Thailand, Laos, Vietnam, Malaysia... aber mal ehrlich, würdet ihr für ein Zimmer ohne Fenster in einem Block ohne Charme in einer Strasse ohne Berechtigung über 100 Stutz bezahlen? Oder für eine Hütte am (nicht auf dem) Inle Lake - den ich eigentlich unbedingt sehen will - 200 Franken? Eine Hütte mit einem schäbigen Bett, einer Kaltwasserdusche und «Landsicht»? Ich hätte die Hunderter wirklich gerne ausgegeben, für das Hotel auf dem See mit Balkon und Co., das kostet aber über 300 Franken pro Nacht. Ich würde selbstverständlich auch in der Hütte mit Kaltwasserdusche schlafen, für vielleicht 50 Franken. Dafür gibts aktuell aber nicht mal ein Zimmer in der Jugendherberge. Ich sage das jetzt so, ganz sicher bin ich mir aber nicht, denn das grösste Problem an der Burma-Planung liegt in der Kommunikation mit den Beteiligten.

«Mingalarbar»
Seit drei Wochen schreibe ich Mails wie eine Wahnsinnige, sende Anfragen an nahezu jede Unterkunft in Yangon, am Inle Lake und in Bagan. Folgendes spielt sich in meiner Inbox ab:

Anfrage an Hotel 1 am Inle Lake, Antwort nach Nachfrage: « Mingalabar! We reservation really sorry for our inconvenience on the date that you requested to us , all rooms are fully booked at our resort . Thanks for your giving us chance Myanmar . Should you have more information, please feel free to contact us.»

Anfrage an Hotel 2 am Inle Lake, Antwort: «Mingalarbar! with our warmest greeting from Amazing Hotels & Resorts. Thanks to receive your mail for interesting to use our Amazing Properties. Let me know which property wanna stay and I’d immediately get back to you with the best rate and availability.»

  • Darauf habe ich «immediately» geantwortet, dass ich das bereits erwähnte Hotel meine und unglaubliche «immediately» 10 Tage später eine Antwort erhalten: « Mingalarbar! Thank you so much for your kind attention. But, unfortunately, we have fully booked on your said dates.»

Anfrage an Hotel 3 am Inle Lake, Antwort: « Thank you for your reservation email and we are delighted to hear that you are coming to stay at our hotel. We are so sorry to inform you. We have fully book in both hotel at the date of your request. We hope to see you at next time.»

  • Tja, zu früh gefreut.

Die Anfragen 4 bis 8 sind bis heute unbeantwortet.

«After Breakfast, transferring cash»
Ein Mensch in Myanmar hat sich dann doch für mich eingesetzt, sehr sogar. Ein lokaler Tourguide hat auf meine Frage nach verfügbaren Hotels gleich eine ganze Rundreise zusammengestellt, inklusive Programmpunkte wie: « you will see the Shan people who own fair and soft skin», « on way, you will see that women do the agriculture» und « after breakfast, Breakfast at the hotel». 1200 Dollar kosten 5 Nächte mit diesem Programm, «and please help me for transferring cash (50%)», denn «actually we need to book 3 months ahead...». Mittlerweile können wir zwei auf eine beachtliche Mailgeschichte von 38 Nachrichten zurückblicken, allerdings hat der gute Mann bis heute nicht verstanden, was ich eigentlich will und ich habe ihm auch bis heute kein Cash transferiert.

Es ist mir durchaus bewusst, dass Burma tourismustechnisch noch in der Entwicklungsphase steckt und noch so gerne würde ich zu denen gehören, die eben auch noch gehen, bevor es alle anderen tun. Den letzten Wagemut hat mir aber jetzt ein Kollege genommen, der gerade da war, wo ich hinwollte. Mit den Worten: «Also wenn du nicht mindestens einen Rollator hast, fühlst du dich da als Aussenseiter.» Und so lasse ich halt die Senioren die Tempel abrollen und in schönen, überteurten Hotels schlafen, während ich meine elektronische Brieffreundschaft zum Tourguide pflege. Und ich bin ganz sicher, spätestens in 2 bis 3 Jahren, nach 8000 bis 10'000 Mails, werden wir uns gefunden haben...

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