Eat Pay Live

Reisefieber

Bloggerin Barbara Lanz muss öfters Reisebüro spielen. Ferienmacher suchen das Abenteuer und wollen möglichst unbequem unterwegs sein. Im Auge des Sturms kann das aber ganz schnell ändern.

Immer wieder wollen Menschen Reisetipps von mir – für kleine Inseln in Thailand, «weisch, nid so Phuket oder so Züg». Sie möchten meist auch Tipps für die Anreise – auf abenteuerlichem Weg, «weisch, nid so 0815-Charter-inklusive-Hotel-Züg». Ich sage ihnen meist das gleiche, gebe ihnen mein Bangkok-Hideaway an: Koh Tao. Und dann empfehle ich jeweils: Fahrt mit dem Nachtzug Richtung Süden und nehmt dann die Fähre, das verspricht Abenteuer und man landet am Ende eben nicht in Phuket oder so Züg. Als ich genau diesen Trip nun kürzlich gemacht habe, ist mir ein entscheidendes Detail aufgefallen, eine Frage, die es unbedingt zu berücksichtigen gilt:

Bist du seetauglich?

Die Fahrt vom Hafenörtchen Chumphon bis auf die Insel dauert zwar nur ungefähr eineinhalb Stunden – die können aber unglaublich lang werden. Der Grund: Die See ist rauh, sehr rauh. Bei schönem Wetter, und bei Sturm sowieso. Ein Horror für jene, die seekrank werden (was sie, wie sich gezeigt hat, bereits nach 10 Minuten tun) und ein Kraftakt für jene, die nicht seekrank werden. Denn wer nicht angekotzt werden, nein, wer generell nichts mit Kotzen am Hut haben will, der muss sich auf diese Fährfahrt ähnlich vorbereiten, wie wenn er einen erholsamen Tag im Epizentrum einer Spring-Break-Party verbringen möchte. Oder für Schweizer: wie wenn man sich inmitten eines Fasnachts-Umzugs nicht verkleiden, keine Guggenmusik hören und schon gar kein Konfetti abbekommen möchte. Hier deshalb mein Tipps für eine Schifffahrt ohne Übel:

  • Die Fähre ist zweistöckig, unten sitzt man im geschlossenen Raum, oben hats Bänkli an der frischen Luft. Erste Regel, unbedingt draussen bleiben.
    Vorteil: An der frischen Luft übergeben sich die Menschen zwar auch, dank Fahrtwind riecht man davon aber zumindest nichts.
    Nachteil: Stürmt es richtig, kann es nass werden. Aber immerhin handelt es sich dann nur um Wasser...
     
  • Wer oben sitzt, der tue das am besten in der mittleren Bänklireihe. Am Rand stehen jeweils Plastikstühle und Kübel und da, naja, da sind dann eben die...
     
  • Erfahrene Koh-Tao-Reisende sitzen unten. Draussen. Hinten. Bei den Toiletten. Klingt nach einer schlechten Idee, ist aber eigentlich die beste.
    Vorteil: Ist das Plastikstühlchen perfekt positioniert, hat man sowohl ein Dach über dem Kopf als auch den Rücken zu den Toiletten und dem Rest der Passagiere – und verhältnismässig wenig zu leiden unter dem Wellengang. 
    Nachteil: Einmal umdrehen und vorbei ists mit der Ruhe. Die kotzenden Menschen halten es meistens für eine gute Idee, sich vor der Toilette auf den Boden zu legen oder wie Statisten am Set von «The Walking Dead» auf und ab zu wandeln.
     
  • Das oberste Gebot ist und bleibt aber das Fokussieren. Wer gerne reist und dabei eigentlich am liebsten ein Bier trinken würde, der kann das natürlich tun. Ist er aber einer von meiner Sorte, also einer, der nur schon beim Wort «Kotzen» panisch reagiert, der höre Musik und fokussiere den Horizont. Und auch wenn wir natürlich keine Plastiksäckli brauchen, sie sollten unbedingt zahlreich im Handgepäck sein. Für alle die, die cool aufs Boot gehen und dann relativ schnell relativ gräulich um einen herum schleichen und nicht wissen, wohin sie jetzt körbeln sollen.


Wer jetzt noch immer Lust hat auf «nid so 0815-Charter-inklusive-Hotel-Züg», der berücksichte jetzt noch den letzten und entscheidenden Tipp: Die Fähre heisst Lomprayah und sollte unbedingt im Voraus gebucht werden. Denn, wenn dieses relativ moderne High-Speed-Teil voll ist, bleibt als Alternative nur noch der alte Kutter von Seatran. Und der ist dann mal richtig zum Kotzen.

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